Der Geist der Reformation noch heute aktuell
Freitag, 12. Juni 2015, 07:17 Uhr
Nicht nur Luther und Melanchthon, sondern auch ihre Schüler und Nachfolger wie Neander und Mylius haben europäischen Ruf. Johannes Mylius, geboren in Liebenrode, war einer der ersten und erfolgreichsten Schüler von Michael Neander der Ilfelder Klosterschule...
Vor 440 Jahren starb der aus Liebenrode stammende bedeutende Renaissance-Dichter Johann Mylius (geboren um 1535). Der Liebenröder Sohn Johannes Mylius schrieb auch über Bürger und Gelehrte in seiner Heimat, über Freunde in Nordhausen, Ilfeld, Neustadt, Ellrich, Walkenried. Er ist auch als eine authentische Quelle über Menschen des 16. Jahrhunderts in unserer Gegend zu entdecken.
Mancher wird ungläubig den Kopf schütteln, ein Dichter und Gelehrter von europäischem Rang aus dem kleinen Dorf Liebenrode in der ehemaligen Grafschaft Hohnstein? Bei Johann Mylius denkt man in der Regel, meistens an den ersten Rektor der Klosterschule Walkenried (1533 - 1584). Aber der kam aus Gernrode, nicht aus Liebenrode. Beide Namensvettern, die mitunter bis heute in Publikationen verwechselt werden, gehörten um 1550 zu den ersten Schülern Michael Neanders an der 1546 gegründeten Klosterschule Ilfeld, damals eine der besten Bildungseinrichtungen Deutschlands.
Neben der intensiven sprachlichen Ausbildung (Latein, Griechisch, Hebräisch) lehrte Neander - Freund und Schüler Melanchthons - auch Theologie, Geschichte, Geographie, Mathematik, Naturkunde, Dichtkunst und Musik, als alleiniger Lehrer. Mit dieser zukunftsweisenden humanistischen Bildung war der Pfarrerssohn Mylius aus Liebenrode bestens ausgestattet für seine künftigen Studien an den Universitäten Leipzig, Wittenberg und zuletzt Jena, wo er 1568 zum Doktor der Rechte promovierte und nach einer kurzen außerordentlichen Jura-Professur zum Professor für griechische Sprache ernannt wurde.
Vor dieser rasanten akademischen Karriere in Jena reiste Mylius mehrere Jahre durch Europa. 1560 weilte er in Krakau, knüpfte viele Kontakte zu polnischen Gelehrten und Adeligen. 1563 - 64 nahm er eine Stelle als Hofdichter und Erzieher der Söhne des Fürsten und Feldherrn Gregor Chodkiewiecze im Großfürstentum Litauen an. Dieser war zu jener Zeit Befehlshaber der litauischen Truppen im Kampf gegen die Armee Iwan des Schrecklichen. Mylius schrieb über diese Ereignisse und ihre Helden.
Er dichtet seine Oden, Elegien, Epigramme vorwiegend auf Latein, der damals in ganz Europa gebräuchliche Sprache der Gelehrten, manchmal wechselt er ins Griechische. 1565 hielt sich Mylius am Hof Kaiser Maximilian II. in Wien auf. Zu dieser Zeit hatte er sich schon so viele Verdienste als Dichter erworben, dass ihn Maximilian in den erblichen Adelsstand erhob und ihm den Titel Poeta laureatus” verlieh.
Johannes Mylius geriet im Lauf der Jahrhunderte etwas ins Abseits der Geschichte, aber nicht in Vergessenheit. Dieses zeitlich erfolgte Abseits, basiert notwendig auf den bedingten Tatsachen, seines relativ frühen Todes zusammen - er starb mit etwa 40 Jahren, am 3. Juli 1575. Außerdem hatten nur gute Lateiner Zugang zu seinen Werken, welche als rare Ausgaben in einigen Bibliotheken Europas überlebten. Eines seiner Hauptwerke ist heute, die 1568 in Leipzig gedruckte 660 seitige Poemata”, für jedermann im Internet zugänglich.
Die Universität Heidelberg nahm mehrere seiner Gedichte in ihre digitale Sammlung CAMENA auf, Wissenschaftler im In- und Ausland, die über den Renaissance-Humanismus und neulateinische Dichtung forschen, beschäftigen sich noch heute viel mit ihm. So hat es sich der Geschichtszirkel Liebenrode mit zur Hauptaufgabe gemacht sich mit dem berühmten Sohn der Gemeinde intensiv zu beschäftigen.
Es ist an der Zeit, dass die Texte und Schriften von Johann Mylius Liberodensis ins Deutsche übersetzt werden, denn er schrieb nicht nur über biblische Gestalten, griechische und römische Helden, deutsche Kaiser und polnisch-litauische Magnaten. Er schrieb auch über seine Heimat und den Südharz mit seinen Menschen und nicht zuletzt auch über die berühmte Ilfelder-Klosterschule. Bestimmt auch über seinen Lehrer Neander, dem Schüler und Freund Luthers und Melanchthons.
Vor 490 Jahren wurde Michael Neumann in Sorau geboren. In Ilfeld änderte er seinen Namen ins Griechische, in Neander um, was damals so üblich war. Neander verstarb 20 Jahre später als einer seiner ersten Schüler Johannes Mylius. Im Jahr 1595 in Ilfeld, wo er auch beerdigt wurde. Sein Grabstein steht heute wieder in der ehemaligen Kloster-Schule, der Krypta der Neander-Klinik- Ilfeld.
Am 27. Juni 2015 begeht die kleine Gemeinde Liebenrode das "Petrus-Fest" zu Ehren eines der größten Söhne der Gemeinde. Es wird des 440. Todestages von Johannes Mylius gedacht. Zu diesem Fest reisen Nachkommen des großen Gelehrten des 16. Jahrhunderts an. Als Gastrednerin kommt hierzu, extra aus Minsk angereist, eine Kennerin von Johannes Mylius.
Die Professorin der Universität Minsk, Frau Prof. Dr. Nekrashevich-Karotkaja.
Auch Sie sind gern eingeladen, denn ein Besuch in Liebenrode wird sich bestimmt lohnen. Am 27. Juni 2015 ab 10.00 Uhr rund um die Petrus-Kirche.
Nähere Infos: www.ev-kirchenkreis-suedharz.de
Autor: redVor 440 Jahren starb der aus Liebenrode stammende bedeutende Renaissance-Dichter Johann Mylius (geboren um 1535). Der Liebenröder Sohn Johannes Mylius schrieb auch über Bürger und Gelehrte in seiner Heimat, über Freunde in Nordhausen, Ilfeld, Neustadt, Ellrich, Walkenried. Er ist auch als eine authentische Quelle über Menschen des 16. Jahrhunderts in unserer Gegend zu entdecken.
Mancher wird ungläubig den Kopf schütteln, ein Dichter und Gelehrter von europäischem Rang aus dem kleinen Dorf Liebenrode in der ehemaligen Grafschaft Hohnstein? Bei Johann Mylius denkt man in der Regel, meistens an den ersten Rektor der Klosterschule Walkenried (1533 - 1584). Aber der kam aus Gernrode, nicht aus Liebenrode. Beide Namensvettern, die mitunter bis heute in Publikationen verwechselt werden, gehörten um 1550 zu den ersten Schülern Michael Neanders an der 1546 gegründeten Klosterschule Ilfeld, damals eine der besten Bildungseinrichtungen Deutschlands.
Neben der intensiven sprachlichen Ausbildung (Latein, Griechisch, Hebräisch) lehrte Neander - Freund und Schüler Melanchthons - auch Theologie, Geschichte, Geographie, Mathematik, Naturkunde, Dichtkunst und Musik, als alleiniger Lehrer. Mit dieser zukunftsweisenden humanistischen Bildung war der Pfarrerssohn Mylius aus Liebenrode bestens ausgestattet für seine künftigen Studien an den Universitäten Leipzig, Wittenberg und zuletzt Jena, wo er 1568 zum Doktor der Rechte promovierte und nach einer kurzen außerordentlichen Jura-Professur zum Professor für griechische Sprache ernannt wurde.
Vor dieser rasanten akademischen Karriere in Jena reiste Mylius mehrere Jahre durch Europa. 1560 weilte er in Krakau, knüpfte viele Kontakte zu polnischen Gelehrten und Adeligen. 1563 - 64 nahm er eine Stelle als Hofdichter und Erzieher der Söhne des Fürsten und Feldherrn Gregor Chodkiewiecze im Großfürstentum Litauen an. Dieser war zu jener Zeit Befehlshaber der litauischen Truppen im Kampf gegen die Armee Iwan des Schrecklichen. Mylius schrieb über diese Ereignisse und ihre Helden.
Er dichtet seine Oden, Elegien, Epigramme vorwiegend auf Latein, der damals in ganz Europa gebräuchliche Sprache der Gelehrten, manchmal wechselt er ins Griechische. 1565 hielt sich Mylius am Hof Kaiser Maximilian II. in Wien auf. Zu dieser Zeit hatte er sich schon so viele Verdienste als Dichter erworben, dass ihn Maximilian in den erblichen Adelsstand erhob und ihm den Titel Poeta laureatus” verlieh.
Johannes Mylius geriet im Lauf der Jahrhunderte etwas ins Abseits der Geschichte, aber nicht in Vergessenheit. Dieses zeitlich erfolgte Abseits, basiert notwendig auf den bedingten Tatsachen, seines relativ frühen Todes zusammen - er starb mit etwa 40 Jahren, am 3. Juli 1575. Außerdem hatten nur gute Lateiner Zugang zu seinen Werken, welche als rare Ausgaben in einigen Bibliotheken Europas überlebten. Eines seiner Hauptwerke ist heute, die 1568 in Leipzig gedruckte 660 seitige Poemata”, für jedermann im Internet zugänglich.
Die Universität Heidelberg nahm mehrere seiner Gedichte in ihre digitale Sammlung CAMENA auf, Wissenschaftler im In- und Ausland, die über den Renaissance-Humanismus und neulateinische Dichtung forschen, beschäftigen sich noch heute viel mit ihm. So hat es sich der Geschichtszirkel Liebenrode mit zur Hauptaufgabe gemacht sich mit dem berühmten Sohn der Gemeinde intensiv zu beschäftigen.
Es ist an der Zeit, dass die Texte und Schriften von Johann Mylius Liberodensis ins Deutsche übersetzt werden, denn er schrieb nicht nur über biblische Gestalten, griechische und römische Helden, deutsche Kaiser und polnisch-litauische Magnaten. Er schrieb auch über seine Heimat und den Südharz mit seinen Menschen und nicht zuletzt auch über die berühmte Ilfelder-Klosterschule. Bestimmt auch über seinen Lehrer Neander, dem Schüler und Freund Luthers und Melanchthons.
Vor 490 Jahren wurde Michael Neumann in Sorau geboren. In Ilfeld änderte er seinen Namen ins Griechische, in Neander um, was damals so üblich war. Neander verstarb 20 Jahre später als einer seiner ersten Schüler Johannes Mylius. Im Jahr 1595 in Ilfeld, wo er auch beerdigt wurde. Sein Grabstein steht heute wieder in der ehemaligen Kloster-Schule, der Krypta der Neander-Klinik- Ilfeld.
Am 27. Juni 2015 begeht die kleine Gemeinde Liebenrode das "Petrus-Fest" zu Ehren eines der größten Söhne der Gemeinde. Es wird des 440. Todestages von Johannes Mylius gedacht. Zu diesem Fest reisen Nachkommen des großen Gelehrten des 16. Jahrhunderts an. Als Gastrednerin kommt hierzu, extra aus Minsk angereist, eine Kennerin von Johannes Mylius.
Die Professorin der Universität Minsk, Frau Prof. Dr. Nekrashevich-Karotkaja.
Auch Sie sind gern eingeladen, denn ein Besuch in Liebenrode wird sich bestimmt lohnen. Am 27. Juni 2015 ab 10.00 Uhr rund um die Petrus-Kirche.
Nähere Infos: www.ev-kirchenkreis-suedharz.de
