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Hortdiskussion in Nordhausen - Wir müssen kämpfen!

Donnerstag, 11. Juni 2015, 12:15 Uhr
Wie geht es weiter mit den Grundschulhorten in Thüringen? Das Thema bewegt auch die Nordhäuser Schulen, gestern trafen sich Erzieher und Erzieherinnen mit ihrer Gewerkschaft um zu besprechen, wie es weitergehen kann. Denn man will nicht länger Spielball sein...

Wie geht es weiter mit dem Hort? Auch in Nordhausen wurde gestern diskutiert (Foto: Angelo Glashagel) Wie geht es weiter mit dem Hort? Auch in Nordhausen wurde gestern diskutiert (Foto: Angelo Glashagel)

Wenn es in der Vergangenheit um Stellenabbau oder Kürzungen ging, dann hat das oft die Erzieherinnen getroffen, erzählte Petra Rechenbach, Referatsleiterin für Bildung bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW. Erst wurden die Stunden der Landesangestellten gekürzt, dann Stellen abgebaut.

Mitte der 2000er Jahre reifte im Land der Entschluss, die Stellen endgültig loszuwerden und so wurde 2008 ein Modellprojekt gestartet, das die Horterziehung in die Hände der Kommunen gab. Bezahlt wurden die Stellen zwar immer noch vom Land, die Planung lag aber bei den Kommunen.

Das ging nicht immer reibungslos ab, inzwischen habe man sich in Nordthüringen aber zusammengerauft, erzählte die Gewerkschafterin. Jetzt aber herrscht einige Unsicherheit, denn das Modell steht vor dem auslaufen und keiner weiß so recht, wie es in Zeiten knapper Kassen mit dem integrierten Grundschulhort, eine Thüringer Besonderheit, weitergehen soll. Die Regierung befindet sich in Beratungen zum Thema, bleibt bisher aber wortkarg.

Gestern diskutierte man im Bürgerhaus mit Erziehern und Erzieherinnen aus dem Nordthüringer Raum die Pläne der Gewerkschaft und versuchte ein wenig Klarheit zu erlangen. Für die GEW gehören Grundschule und Hort untrennbar zusammen, Bildung und Erziehung müssten aus einer Hand kommen, vorzugsweise der des Landes.

Der Hort sollte nicht an dritte ausgelagert, die Hortzeiten nicht auf die Nachmittagsstunden begrenzt und die Betreuungsschlüssel der Realität angepasst werden. Festanstellungen müssten her, nicht nur befristete Verträge und auch über Sozialarbeiter an Grundschulen würde man sich freuen. Die Arbeit werde nicht leichter, sondern Anspruchsvoller, die Zahl der "schwierigen" Kinder nehme zu.

Der Sorge, dass der Vormittagsbereich gekappt werden konnte, verlieh auch das Publikum ausdruck. Die Stunden am Vormittag müssten sein, schließlich sei es diese Arbeit, die man am Nachmittag fortführe, berichtet eine Teilnehmerin. Hinzukomme, sagte eine andere, dass die Erzieherinnen oftmals für erkrankte Kollegen aus der Lehrerschaft einspringen würden und nicht nur Erziehungs- sondern auch Bildungsarbeit leisteten. Gäbe es das nicht, würde der Unterricht zusammenbrechen, meinte die Dame.

Uwe Chour, Leiter der Grundschule Niedersalza und Mitglied im Kreisverband der GEW, forderte die Erzieherinnen dazu auf, mehr Kampfgeist zu zeigen. "2017 wird der Hort nicht tot sein", sagte er, die Frage sei aber in welcher Form er dann existiere. "Wir müssen jetzt kämpfen", sagte Chour und rief die Nordthüringer Erzieherinnen dazu auf, sich selbst an die Landtagsabgeordneten zu wenden, Druck aufzubauen und für das Diskussionspapier der GEW zu werben, auch im Kreis der Kollegen und in der Lehrerschaft.
Angelo Glashagel
Autor: red

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