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Die IFA - ein kurzer Rückblick

Samstag, 06. Juni 2015, 21:44 Uhr
Nach dem gestrigen Festakt anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Motorenproduktion am Standort Nordhausen lud das IFA Museum heute Groß und Klein ein, das Museum zu erkunden. Zu sehen gab es da nicht nur die Daueraustellung und die Motoren. Die nnz mit einer Galerie und einem kurzen Rückblick auf die bewegte Geschichte der IFA...

Zu sehen waren natürlich auch viele der Fahrzeuge, in denen damals Nordhäuser Ingenieurskunst steckte. Zum Beispiel verschiedenste Varianten des "W-50", dem "Arbeitstier" der DDR, einem Lastwagen der von Transportfahrzeug bis Feuerwehrwagen für so ziemlich jede Aufgabe eingesetzt wurde. Oder die Traktoren der Reihe ZT-300, die auch heute noch von beeindruckender Größe sind.

Hinzu kamen Führungen, Erkundungsfahrten über das gesamte Gelände der ehemaligen IFA, Fachvorträge, musikalische Einlagen und natürlich Speiß und Trank.

Anlass der Feierlichkeiten war das 50-jährige Jubiläum der Motorenproduktion an der IFA. 1965 wurde die Produktion des Motors "4-VD", der vor allem in den alten LKW S-4000 verbaut wurde, nach Nordhausen verlagert. Die Entscheidung dazu fiel, wie in der sozialistischen Wirtschaft üblich, an zentraler staatlicher Stelle.

Arbeitstier "W-50" - den LKW trieb Nordhäuser Ingenieurskunst an (Foto: Angelo Glashagel) Arbeitstier "W-50" - den LKW trieb Nordhäuser Ingenieurskunst an (Foto: Angelo Glashagel)

Das Know-how war in der Montaniastraße da schon vorhanden. An dem traditionsreichen Standort hatte man seit der Jahrhundertwende erst Bergbaugeräte, dann Grubenlokomotiven und schließlich Traktoren gebaut. Den Anfang machte die Maschinenfabrik Gerlach & König 1905, die schon bald als "Montania" bekannt sein sollte. Ein Name der lange im kollektiven Gedächtnis blieb. 1912 erfolgt die Übernahme durch Orenstein & Koppel, die den Lokomotivbau anfeuern und das Unternehmen auch nach dem ersten Weltkrieg wieder auf Erfolgskurs bringen können.

Bereits zwei Jahre nach der Machtergreifung Hitlers wird das jüdische Unternehmen Orenstein & Koppel arisiert. Den Firmennamen führt man aber noch bis 1940 weiter, denn die Marke hat Gewicht. Der Nordhäuser Standort firmiert seit 1935 unter dem Namen „Maschinen und Bahnbedarf AG“, kurz MBA. Hier beginnt erstmals die Schlepper- und Traktorenproduktion.

Ab 1940 wird die Fabrik auf Kriegsproduktion umgestellt. Anstatt Traktoren und Lokomotiven verlassen bis 1945 Nebelwerfer, Geschützlafetten und Maybach-Panzermotoren das Werk. Mit der endgültigen Niederlage des Hitlerfaschismus und der folgenden sowjetischen Besatzung scheint das Werk vor dem Aus zu stehen: 1947 wird es zu großen Teilen demontiert und zerstört.

Der Famulus - neben Brockenhexe und Pionier einer der bekanntesten Nordhäuser Traktoren (Foto: Angelo Glashagel) Der Famulus - neben Brockenhexe und Pionier einer der bekanntesten Nordhäuser Traktoren (Foto: Angelo Glashagel) Doch schon ein Jahr später beginnt der Wiederaufbau. Der Standort führt bald den Namen „VEB IFA Schlepperwerk Nordhausen“. Brockenhexe, Pionier und Famulus sind auch heute noch im Museum zu sehen. Rund 70.000 Fahrzeuge gehen vom Band bis mit der Verlagerung der Motorenproduktion nach Nordhausen auch diese Ära endet - neues Hauptprodukt wird der Motor "4VD 14,5". Es folgen Großinvestitionen, neue Werkhallen und modernere Motoren. Mit den neuen Aufgaben wächst auch die Belegschaft auf etwas mehr als 4300 Personen.

Die Wende läutet für die IFA den Niedergang ein. Hofft man Anfangs noch auf Interessenten wie die Daimler Benz AG oder MAN, so wird bald klar, dass es dem Ende entgegen geht. 1993 arbeiten nur noch 110 Menschen in der Montaniastraße. Die Fahrradsparte der IFA kann sich als "Bike Systems" noch etwas länger halten, verschwindet letztlich aber auch.

Wer etwas mehr als diesen sehr kurzen Abriss der IFA-Geschichte und ihrer Produkte erfahren möchte, dem ist ein Besuch des Museums ans Herz gelegt. Auch wenn gerade kein Jubiläum gefeiert wird.
Angelo Glashagel
Autor: red

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