70 Jahre Frieden
Freitag, 08. Mai 2015, 19:33 Uhr
Nachdem man zur Mittagszeit zusammen mit den Grundschulkindern der Stadt der 70. Wiederkehr des Tags der Befreiung mit dem Lied kleinen weißen Friedenstaube gedacht hatte, fand man sich am Nachmittag auf dem Ehrenfriedhof ein, um den Jahrestag auch auf traditionelle Weise mit einer Kranzniederlegung zu begehen...
Man wolle heute gedenken, mahnen, aber auch danken, sagte die zweite Beigeordnete der Stadt, Hannelore Haase, anlässlich der Kranzniederlegung. Das "kleine Friedensfest" das man zuvor im Herzen der Stadt abgehalten hatte, sei als neues Format der Erinnerung absolut notwendig, so Haase weiter, da man jetz,t da die Zeitzeugen immer weniger werden, auch die nachfolgenden Generationen stärker in die Erinnerung einbeziehen müsse.
Das sei man denen schuldig, die hier begraben liegen. "Als vor 70 Jahren die bedingslose Kapitulation unterzeichnet wurde, da atmeten die Völker Europas auf", sagte Haase, der Tag sei im kollektiven Bewusstsein nicht nur als der Tag, an dem der Krieg endete verankert, sondern auch als Tag des Sieges und als Tag der Befreiung. Sie erinnerte an die schreckliche Bilanz des zweiten Weltkrieges und die zahllosen Opfer die dieser forderte. Von diesem Schrecken blieb auch Nordhausen nicht verschont. Insgesamt 1278 Leichen sollen am Ehrenfriedhof in Massengräbern zur Ruhe gebettet worden sein. Es waren Opfer der Boelke Kaserne, des Außenlagers des KZ Mittelbau-Dora.
Später erweiterten die Sowjets die Anlage, um auch ihre Toten hier zu begraben. 250 russische Gräber befinden sich im unteren Teil der Anlage. Hier steht auch das Denkmal des Sowjetsoldaten, zu dessen Füßen ebenfalls Blumen niedergelegt wurden. Matthias Mitteldorf von der Partei die Linke gab vor dem Ehrenmal zu bedenken, dass auch heute wieder Kriegsgefahr bestünde, gerade auch in Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Der Schauspieler trug ein Gedicht von Jewgeni Jewtuschenkow aus dem Jahr 1961 vor, das im deutschen den Titel trägt "Meinst du die Russen wollen Krieg?".
Auch am Denkmal des Sowjetischen Soldaten wurden Blumen niedergelegt (Foto: Angelo Glashagel)
Überraschend wandte sich auch eine alte Russin an die Versammelten. Elisabeth Badrach, geboren 1938, berichtete davon wie sie die letzten Kriegstage erlebte. Sie meinte heutzutage würden vor allem die Amerikaner als die Helden und Befreier gesehen, weniger die Russen, wobei sowohl Russen wie auch Deutsche vielmehr unter dem Krieg zu erdulden hatten. Über die zivilen Opfer, über die Politik der verbrannten Erde, über das Leid der Bevölkerung werde heute viel zu wenig gesprochen, sagte die alte Dame. Man solle den im Denkmal verewigten Soldaten nicht als Eroberer, sondern als Befreier sehen.
Angelo Glashagel
Autor: redMan wolle heute gedenken, mahnen, aber auch danken, sagte die zweite Beigeordnete der Stadt, Hannelore Haase, anlässlich der Kranzniederlegung. Das "kleine Friedensfest" das man zuvor im Herzen der Stadt abgehalten hatte, sei als neues Format der Erinnerung absolut notwendig, so Haase weiter, da man jetz,t da die Zeitzeugen immer weniger werden, auch die nachfolgenden Generationen stärker in die Erinnerung einbeziehen müsse.
Das sei man denen schuldig, die hier begraben liegen. "Als vor 70 Jahren die bedingslose Kapitulation unterzeichnet wurde, da atmeten die Völker Europas auf", sagte Haase, der Tag sei im kollektiven Bewusstsein nicht nur als der Tag, an dem der Krieg endete verankert, sondern auch als Tag des Sieges und als Tag der Befreiung. Sie erinnerte an die schreckliche Bilanz des zweiten Weltkrieges und die zahllosen Opfer die dieser forderte. Von diesem Schrecken blieb auch Nordhausen nicht verschont. Insgesamt 1278 Leichen sollen am Ehrenfriedhof in Massengräbern zur Ruhe gebettet worden sein. Es waren Opfer der Boelke Kaserne, des Außenlagers des KZ Mittelbau-Dora.
Später erweiterten die Sowjets die Anlage, um auch ihre Toten hier zu begraben. 250 russische Gräber befinden sich im unteren Teil der Anlage. Hier steht auch das Denkmal des Sowjetsoldaten, zu dessen Füßen ebenfalls Blumen niedergelegt wurden. Matthias Mitteldorf von der Partei die Linke gab vor dem Ehrenmal zu bedenken, dass auch heute wieder Kriegsgefahr bestünde, gerade auch in Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Der Schauspieler trug ein Gedicht von Jewgeni Jewtuschenkow aus dem Jahr 1961 vor, das im deutschen den Titel trägt "Meinst du die Russen wollen Krieg?".
Auch am Denkmal des Sowjetischen Soldaten wurden Blumen niedergelegt (Foto: Angelo Glashagel)
Überraschend wandte sich auch eine alte Russin an die Versammelten. Elisabeth Badrach, geboren 1938, berichtete davon wie sie die letzten Kriegstage erlebte. Sie meinte heutzutage würden vor allem die Amerikaner als die Helden und Befreier gesehen, weniger die Russen, wobei sowohl Russen wie auch Deutsche vielmehr unter dem Krieg zu erdulden hatten. Über die zivilen Opfer, über die Politik der verbrannten Erde, über das Leid der Bevölkerung werde heute viel zu wenig gesprochen, sagte die alte Dame. Man solle den im Denkmal verewigten Soldaten nicht als Eroberer, sondern als Befreier sehen. Angelo Glashagel

































