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"Jobs für Junge" - doch woher?

Montag, 11. Juni 2001, 13:42 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Bundesanstalt für Arbeit hat heute eine Vermittlungsoffensive gestartet. Sie steht unter dem Motto: „Jobs für Junge - Junge für Jobs“. Die Auftaktveranstaltung fand am Vormittag im BIC Nordthüringen statt.

Hintergrund der Aktion des Arbeitsamtes sind die immer noch beängstigend hohen Zahlen hinsichtlich der Jugendarbeitslosigkeit. Im Bereich des Nordhäuser Arbeitsamtes sind es fast 3.000 jungen Menschen unter 25 Jahren, die ohne Job sind. Im Landkreis Nordhausen waren es im Mai dieses Jahres 992. Viele der jungen Leute hatten nach Abschluß ihrer Berufsausbildung noch keine Chance, ihre erlernten Fähigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt anzuwenden.

Zu der heutigen Auftaktveranstaltung waren neben Kommunalpolitikern auch Vertreter der Kammern, von Wirtschaftsverbänden und des Jugendamtes eingeladen. Ein Bildungsträger stellte die 13. Shell-Studie zur Jugendarbeitslosigkeit vor, dargestellt wurde weiterhin das Jugendprojekt „Jump“. Seitens des Arbeitsamtes wurde erläutert, daß es in einigen Jahren einen Mangel an Fachkräften geben werde.

Das jedoch ist den Unternehmen nicht erst seit dieser Veranstaltung bekannt. Inoffiziell sind jugendliche Arbeitnehmer nicht immer willkommen. Der Ausbildungsverbund Nordthüringen beklagte vor einigen Wochen die mangelnde Bildung der jungen Menschen, die sich um eine Ausbildung bemühen. Die Allgemeinbildung sei auf ein erschreckendes Niveau gefallen, die Bewerber würden nicht einmal die elementarsten Voraussetzungen erfüllen. Ein Fakt, den in der vergangenen Woche das Arbeitsamt bestätigen mußte.

Nicht immer ist es der Grad der Ausbildung, der die Unternehmen abwarten läßt. Vor allem die allgemeine wirtschaftliche Situation in den neuen Bundesländern sei es, die vor einer Einstellung steht. Und wer weiß im verarbeitenden oder produzierenden Gewerbe heute schon, welche technologischen Entwicklungen es in Zukunft geben wird. Produktionsprozesse, die heute mit 10, 20 oder 100 Mitarbeitern abgefahren werden, die benötigen in sieben oder acht Jahren vielleicht nur noch einen Bruchteil der jetzigen „Manpower“.

Arbeitsplätze für jugendliche Fachkräfte - gut ausgebildet, hoch motiviert und belastbar - werden gesucht. Gefunden werden sie zumeist jenseits der ehemaligen Staatsgrenze. Hier werden die entsprechenden Gehälter gezahlt, nicht nur unbedingt für Spitzenkräfte. Die Katze beißt sich also wieder in den eigenen Schwanz. Was bleibt, sind derartige Veranstaltungen, sind Offensiven der Arbeitsämter. Wieviel Offensiven gab es denn bereits in den zurückliegenden Jahren und was haben Sie wirklich gebracht? Diese Frage wurde im BIC nicht beantwortet, sie wurde nicht einmal gestellt.
Autor: nnz

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