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Suche Nachfolger, biete Unternehmen

Dienstag, 21. April 2015, 14:24 Uhr
Die aktuelle Lage bei der Unternehmensnachfolge gleicht einer Berg- und Talfahrt. Fast jeder Zweite, der den Rat der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt suchte, plant dabei die Nachfolge innerhalb der Familie. Doch auch das birgt gewisse Risiken...

Während die Zahl der übernahmeinteressierten Existenzgründer im letzten Jahr auf einen Tiefstand sank, wollte eine Rekordzahl von Alt-Inhabern ihren Betrieb übergeben.

„Der Nachwuchs muss schon früh erkennen, dass die Arbeit im Unternehmen Freude macht. Ist zu spüren, dass der anspruchsvolle und zeitaufwändige Job als Chef viel Stress und Ärger verursacht, haben die Inhaber schlechte Karten, den Nachfolger in der eigenen Familie zu finden“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Den Vorteil einer familieninternen Regelung würden viele Mittelständler darin sehen, dass das eigene Kind den Betrieb besser kennt als ein Manager, der von außen kommt.

Darüber hinaus fiele die Übertragung an ein Familienmitglied den Unternehmern leichter, als ein Verkauf an einen Fremden. „Doch auch dann ist das Loslassen fast immer schwer“, weiß Grusser von zahlreichen Beispielen zu berichten, in denen der Firmeninhaber die Nachfolge-regelung fortwährend auf die lange Bank schiebt.

Auch die Übergabe in der Familie sei oft mit Reibungspunkten verbunden. Die Seniorchefs hätten mitunter zu akzeptieren, dass im Management künftig neue Wege gegangen werden. „In vielen Fällen müssen sich Traditionsbetriebe der internationalen Konkurrenz stellen und neu ausrichten. Da sind Konflikte vorprogrammiert.“

Rein rechnerisch kommen in der Industrie fünf Alt-Inhaber auf nur einen Interessenten für die Nachfolge. Im Weg stehen oft ein hoher Kapital- und Modernisierungsbedarf, aber auch die Qualifikation der Kandidaten für die Betriebsübernahme.

Erfreulich ist die steigende Anzahl von Frauen, die Verantwortung übernehmen wollen. Schon jeder vierte Stabwechsel erfolgt auf eine neue Unternehmerin. Hier macht sich der fortschreitende gesellschaftliche Wandel inzwischen bemerkbar.
Autor: red

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