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Studienfahrt nach Auschwitz und Krakau

Mittwoch, 15. April 2015, 14:28 Uhr
"Auschwitz ist nicht nur ein Ort - Auschwitz ist ein Gefühl" - unter dem Eindruck dieser Worte unternahmen interessierte Schüler der Geschichtskurse Klasse 11 des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Bleicherode und des Geschwister-Scholl- Gymnasiums Sondershausen eine Studien- und Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz und Krakau...

Studienfahrt nach Auschwitz und Krakau (Foto: privat) Studienfahrt nach Auschwitz und Krakau (Foto: privat)

Wir fühlten uns durch Unterrichtsexkursionen nach Buchenwald oder Dora und durch die Behandlung des Holocaust im Unterricht zwar gut informiert, doch die Gefühle, die uns während der beindruckenden Führung im Stammlager Auschwitz I und im Vernichtungslager Auschwitz Birkenau überkamen, lassen sich schwer in Worte fassen.

Tausende große und kleine Schuhe, Koffer, Brillen und Unmengen von Haaren sind die grausamen Zeugnisse der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Hier bekommen die 1,5 Millionen ermordeter Menschen von Auschwitz Gesichter und sie erzählen Geschichten von unermesslichem Leid.

Jugendliche in unserem Alter stiegen mit ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern nach einer tagelangen unmenschlichen Fahrt in Viehwaggons an der Rampe von Birkenau aus. Ein letzter Gruß und dann führte ihr Weg und der Weg ihrer Familien in die Gaskammer.

Dieses Wissen und die dadurch empfundenen Emotionen wurden durch die Kälte und den Regen dieses Tages in Birkenau noch verstärkt. Es ist etwas völlig anderes, im Unterricht davon zu hören oder wirklich an diesem Ort zu sein. In einer Gesprächsrunde mit unserer Lehrerin Frau Kamieth-Selinger hatten wir am Abend die Möglichkeit, über das Gesehene zu sprechen und unsere Eindrücke zu schildern.

Der dritte Tag unserer Reise stand ebenfalls im Zeichen jüdischen Lebens und jüdischer Geschichte und doch im Kontrast zu der Schwere des Vortages. Wir besichtigten die wunderschöne, belebte und farbenfrohe Stadt Krakau. Mit einer ebenfalls ausgezeichneten Stadtführerin erkundeten wir das ehemalige jüdische Ghetto, begaben uns auf die Spuren Oskar Schindlers, erhielten Einblicke in die Geschichte des jüdischen Viertels und tauchten in Originalschauplätze des Films „Schindlers Liste“ ein.

Als besonders emotionalen Moment der Reise beschrieben die meisten Schüler den Augenblick, als die Schülersprecher beider Gymnasien einen Strauß weißer Rosen an der Todesmauer des Stammlagers Auschwitz I niederlegten, um der vielen unschuldig Ermordeten zu gedenken.

Wir waren dort, an diesem Ort jenseits der Menschlichkeit, der das Symbol für den nationalsozialistischen Terror und die systematische Vernichtung des jüdischen Volkes und anderer Volksgruppen ist. Wir waren dort, um nicht zu vergessen, um Gesehenes und Gehörtes weiter zu erzählen und um anderen immer wieder bewusst zu machen, wie wichtig es ist, sich gegen menschenverachtende Ideologien einzusetzen und humanistische und demokratische Werte zu vertreten. Dies ist unser Gefühl - 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz.

Leonard Rostek, Paul Ellendt, Niklas Blaszcyk, Justus Weber, Hannes Arnold, Patricia Keim, Victoria Götze, Anna-Lena Gebler, Caroline Morig, Adlin Aurin, Victoria Cannon und Frau Kamieth- Selinger (Friedrich-Schiller-Gymnasium Bleicherode)
Autor: red

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