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„Weit entfernt ist mein Herz“

Mittwoch, 15. April 2015, 08:50 Uhr
In der Dichterstätte Sarah Kirsch in Limlingerode wird demnächst Geburtstag gefeiert, der 80. Geburtstag der Namensgebenden Dichterin. Zum Jubiläum läd die Dichterstätte zu einer besonderen musikalischen Lesung ein...

Am Samstag, den 25. April, lädt der Förderverein „Dichterstätte Sarah Kirsch“ in Limlingerode ab 14.30 Uhr anlässlich des 80. Geburtstages der am 16.6.1935 im Pfarrhaus in Limlingerode geborenen Ingrid Hella Irmelinde Bernstein und am 5. Mai 2013 verstorbenen Dichterin, die unter dem Pseudonym Sarah Kirsch ihre Texte veröffentlichte, zu einer musikalischen Lesung ein.

Das Programm stammt von der Kulturmanagerin Christine Stauch aus Bad Langensalza, Jahrgang 1965. Sie rezitiert aus dem Gedichtband „Bodenlos“ und liest Ausschnitte aus Kirschs autobiographischer Erzählung „Kuckuckslichtnelken“.

Auch ganz persönliche Worte Sarah Kirsch trägt sie vor, die sie in bisher unveröffentlichten Briefen ab 2000 an eine der Gründerinnen des Fördervereins gerichtet hat. Musikalisch umschwingen Kompositionen von J. S. Bach, Amadeus Mozart, Robert Schumann bis hin zu Franz Liszt und Sergei Prokofjev das literarische Programm, dargeboten am Klavier von Ronald Uhlig aus Sondershausen.

Sarah Kirsch eröffnet das rekonstruierte Geburtshaus (Foto: Ende) Sarah Kirsch eröffnet das rekonstruierte Geburtshaus (Foto: Ende)

Er hat sich von den Worten der Dichterin, einer großen Musikliebhaberin, bei der Auswahl inspirieren lassen und zu einer einfühlsamen Begleitung zusammengefügt. Uhlig, 1972 in Jena geboren, besuchte das Spezialgymnasium für Musik in Weimar und studierte an der dortigen Hochschule für Musik Franz Liszt. Er ist Dozent am Carl-Schroeder-Konservatorium in Sondershausen.

Zur literarisch-musikalischen Veranstaltung

„Weit entfernt ist mein Herz“ – diese Worte gehören zu Sarah Kirschs Gedicht „Mond Glunst Rauch“, das 1996 im Gedichtband „Bodenlos“ veröffentlicht ist. Ihre Verse zeugen von geistiger Beweglichkeit, von Intuition und Phantasie. Kirschs Werk umfasst mehrere Gedichtbände, aber auch der dichterischen Kurzprosa wandte sie sich zu. Ihre wortschöpferische Weite hat sie zu einer einzigartigen deutschsprachigen Dichterin des 20. Jahrhunderts werden lassen.

Fritz J. Raddatz schrieb in der online Ausgabe der „Zeit“ am 5.10.2007: „Wer je sich mit der Arbeit von Sarah Kirsch beschäftigt hat, bekommt den Ton ihrer Gedichte nicht mehr aus dem Ohr; es ist gleichsam ein Lyrik-Tinnitus. Dieser wundersame Klang, Gemisch aus zarter Härte, bissiger Wehmut und dem hauchdünnen Faden Glück...“ Ihren Lebensbeginn – ihren Lebensboden – den ertastet sie drei Jahre lang in Limlingerode. Weitere Details aus ihrer Kindheit und Jugend bis 1953 in Halberstadt erzählt sie in dem Bändchen „Kuckuckslichtnelken“. Literaturinteressierte Personen, vor allem aus Nordhausen, sind es, die sie 1997 nach Limlingerode bewegen, zu einem Zurück an jenen Ort, der ihr mit dem Weggang 1977 aus der DDR für lange Zeit unerreichbar war.

Sarah Kirsch liest 2002 im Geburtshaus (Foto: Heidelore Kneffel) Sarah Kirsch liest 2002 im Geburtshaus (Foto: Heidelore Kneffel) Von ihre Freude, dadurch nach Jahren wieder an die Wurzeln ihres Lebens zu kommen, ihren Taufengel wieder zu sehen, unter dem sie ihr Großvater in der Kirche zu Limlingerode im Mai 1935 getauft hat, und die Rekonstruktion des Geburtshauses zu einem Haus für Lyrik mitzuerleben, wenn auch vor allem aus der Ferne, zeugen die Briefe, die in Auszügen zum Abschluss der Veranstaltung vorgestellt werden. Im Geburtshaus gibt es eine Ausstellung mit Aquarellen und originalen Schriftzügen der Kirsch und ihre Stimme ist zu hören.
Autor: red

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