nnz-online

Auch Axel Heck winkt ab

Mittwoch, 01. April 2015, 17:21 Uhr
Fotografieren kann man es von allen Seiten. Der Eindruck bleibt stets der gleiche:schäbig. „Grünes Ungeheuer“ nennt es der Volksmund, das Objekt am Bahnhof. „Graues Ungeheuer“, besser: „Schäbiger Klotz“ wäre treffender...

Hässlich von allen Seiten (Foto: Kurt Frank) Hässlich von allen Seiten (Foto: Kurt Frank) Es bleibt ein grauer Klotz, von welcher Seite man auch das ehemalige Mehrzweckgebäude der Deutschen Reichsbahn fotografieren mag.

Nordhausen. Ob unser Leser Wolfgang-Georg Müller Eisenbahner ist oder war, wissen wir nicht. Was er uns aber nach der Veröffentlichung von „Grünes Ungeheuer ohne Ende“ schrieb, spricht vielen Menschen aus dem Herzen, die um die Funktion der ehemaligen sozialen Einrichtung wissen.

„Das sogenannte Grüne Ungeheuer war einst ein Ort für Schulungen und Übernachtungen mit der Möglichkeit, rund um die Uhr warmes Betriebsessen im Bereich der Deutschen Reichsbahn zu bekommen“, schreibt Müller und betont:

„Leider waren solche Annehmlichkeiten in der jungen bundesdeutschen Provinz ein marktwirtschaftliches Vergehen, das unter dem Strich nicht der Mehdornschen Denkweise entsprach. So kam für diese Einrichtung, welche für gute Arbeits- und Lebensbedingungen der Bahnmitarbeiter gedacht war, das Aus.“

Vor dem Bau des Mehrzweckgebäudes, weiß unser Leser, waren die sozialen Einrichtungen für die Eisenbahner in Nordhausen miserabel. Das ehemalige Mehrzweckgebäude hätte man nach seiner Meinung einer vernünftigen Verwendung für die Allgemeinheit zuführen können, hätte man es gewollt. Angeordneten Verfall an Bausubstanz habe es nicht nur in der DDR gegeben, wie das Beispiel „Grünes Ungeheuer“ in der Gegenwart zeige.

Was waren eigentlich die Gründe für das Ende der ehemaligen sozialen Einrichtung, die allgemein Lob seinerzeit bei vielen Menschen hierzulande fand? Das wollten wir von der Deutschen Bahn AG wissen. Von der Pressestelle kam diese Antwort:

„Zu den Gründen der Stilllegung finden sich leider nur Eckdaten in den Akten, die darauf schließen lassen, dass der Strukturwandel der Nachwendezeit zu einer Standortschließung -verlagerung geführt hat. Die Büros und die Kantine in dem Sozialgebäude wurden nicht mehr benötigt und sind aufgrund eines unzeitgemäßen technischen Standes wirtschaftlich nicht mehr nutzbar. Im Rahmen der Verkehrssicherung wurden die notwendigen Reparaturen ausgeführt, um die Kosten möglichst gering zu halten.“

Die Deutsche Bahn AG lässt außerdem wissen: „Wie in der Vergangenheit (nnz berichtete) schon geäußert, ist es Ziel der Deutschen Bahn AG, eine wirtschaftlich optimale Lösung zu finden.“ Zur Zukunft des Gebäudes steht die DB einem Verkauf offen gegenüber. Angestrebt wird eine Veräußerung „wie die Fläche steht und liegt.“

Ein Immobilienverkauf sei ein komplexes und zeitaufwendiges Vorhaben, ist weiter zu lesen, welches ein hohes Maß an inhaltlicher Vorbereitung benötige. Wörtlich: „Derzeit wird die Entbehrlichkeit der Fläche erneut überprüft, da ein zweijähriger Turnus vorgeschrieben ist, wenn es zwischenzeitlich keinen Verkauf gab. Eine Ausschreibung für das Areal wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2015 erfolgen.“

Wer will den Klotz erwerben? Weit und breit fand sich in der Vergangenheit kein Käufer, kein Investor. Vielleicht jetzt der bekannte Immobilienmakler Axel Heck? Er setzte schon bedeutsame Zeichen in der Stadt und auch außerhalb seiner kreativen Arbeit. Hat er auch Interesse, aus dem Gebäude so was Ansehnliches daraus zu machen wie aus dem einstigen RFT-Hochhaus in der Grimmelallee?

Axel Heck winkt ab. „Die Lage unmittelbar am Bahnhof macht es schwierig, daraus Wohnungen oder ein Hotel zu entwickeln“, sagt der Experte. Heck sieht das so: Züge rollen ein und aus, was Geräusche verursache und die Luft nicht besser mache. So scheide eine Umwidmung in ein Wohnhaus von vornherein aus. Das könne auch für ein Hotel gesagt werden. Dafür fehle es nach seiner Ansicht zudem an Parkplätzen.

Was wir jetzt aber wissen, ist: Das Mehrzweckgebäude rechnete sich nicht mehr. Gewinn, Gesetz des Kapitals, ist der Maßstab aller Dinge. Am Ende muss die Kasse stimmen. So nahm die einstige soziale Einrichtung ihren Weg zum „Grünen Ungeheuer“, treffender: „Grauen Klotz“.
Kurt Frank
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de