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Wie weiter mit dem Lindenhof?

Donnerstag, 19. März 2015, 20:02 Uhr
Momentan macht es einen verwahrlosten Eindruck, das Areal des Nordhäuser Lindenhofes. Die Villa scheint abrissreif. Mehrfach schon wollte die Stadt Nordhausen das Grundstück "an den Mann oder an die Frau" bringen. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Scheint...

Die Villa am Lindenhof - Innen "arbeitet" der Schwamm (Foto: nnz) Die Villa am Lindenhof - Innen "arbeitet" der Schwamm (Foto: nnz)
Anfang September wurde das Grundstück mit einer Fläche von 14.000 Quadratmeter ausgeschrieben. Für 100.000 Euro eigentlich ein Schnäppchen, denn über der Fläche liegt kein B-Plan. Doch selbst für die potentiellen Käufer hatte die Stadt Nordhausen einige Hürden eingebaut, so dass die geforderten Nutzungskonzepte von mehreren Interessenten nicht erfüllt wurden. Der Denkmalschutz für die marode Villa ließ "grüßen".

Im Jahr 2008 hatte die Stadt Nordhausen die 14.000 Quadratmeter vom Südharz Klinikum abgekauft und hatte Visionen, die allerdings wie Seifenblasen platzten. Behalten hatte das Klinikum ein 2.000 Quadratmeter großes Grundstück, das als Reservefläche vorgehalten wird, um das benachbarte Grundstück samt ehemaliger Kinderpsychiatrie weiter zu entwickeln.

Nun aber klopfte ein Investor an die Rathaustür, eine private Bildungseinrichtung. Deren Chefin hatte ein Konzept, allerdings würde dessen Finanzierung nur aufgehen, wenn das Grundstück des Klinikums mit in die Planungen integriert werden kann. Senioren sollen hier betreut, gepflegt werden. Die Villa soll erhalten und saniert werden, mehrere weitere Gebäude in einem Halbkreis darum entstehen.

Das Südharz Klinikum als Nachbar wurde angefragt, ob es Probleme mit dem Konzept für das städtische Gelände habe. "Nein" soll aus Geschäftsleitung und Aufsichtsrat zu hören gewesen sein, obwohl es dann eine Konkurrenzsituation gegeben habe. Letztlich aber, das wissen die Fachleute, hätte es eine Konkurrenzsituation auch gegeben, wenn das Konzept der privaten Bildungseinrichtung an einer anderen Stelle in Nordhausen umgesetzt wird. Selbst ältere und alte Menschen sind als Person nur einmal vorhanden.
Nun soll, bestätigen wird das niemand, die Chefin der privaten Bildungseinrichtung, beim Klinikum-Gesellschafter Stadt Nordhausen vorgesprochen und gebeten haben, auf das Klinikum einzuwirken, um die 2.000 Quadratmeter zu verkaufen. Die haben laut Bodenwertrichtlinie einen Preis von 200.000 Euro. Doch das Klinikum kann nicht verkaufen, der Aufsichtsrat hatte sich dagegen ausgesprochen.

Alles andere wäre nicht nur ausgesprochen blöde, sondern auch gesetzeswidrig, wie es Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Reinholz der nnz sagte. "1. ist das Klinikum nicht existenziell auf dieses Geld angewiesen und 2. würde durch das Verkaufen ja eine mögliche Konkurrenz erst ermöglicht. Das tut nicht not. Schlimmer noch - ein eventueller Verkauf unter Wert wäre eine verdeckte Gewinnausschüttung an den Gesellschafter Stadt Nordhausen."

Das Drama um den Lindenhof wird sich also noch hinziehen. Es ist politisch so gewollt. Unter der Hand sagen Investoren innerhalb und außerhalb der Rolandstadt, dass der Grundstückseigentümer, also die Stadt Nordhausen noch zwei, drei Jahre warten solle. Dann habe der Schwamm in der Villa seinen Job restlos erledigt, die Villa wird aus dem Denkmalschutz genommen und das Gebäude kann abgerissen werden. Zuvor wird das Grundstück aus dem sogenannten Außenbereich genommen und die Stadt Nordhausen könne locker mindestens 1,5 Millionen Euro aus dem Verkauf einspielen. Einen weiteren Interessenten für den Erwerb würde es vielleicht geben. Nur, wie so oft, bestätigen wird das gegenwärtig kaum jemand. Nicht die Klinik-Geschäftsleitung und auch nicht der Minderheitsgesellschafter. Anders der Aufsichtsratsvorsitzende. Jürgen Reinholz: "Dieses Areal in seiner exponierten Lage eignet sich doch perfekt für den Bau von Häusern, die interessierten Chefärzten angeboten werden können."
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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