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Nordhausen International

Dienstag, 17. März 2015, 10:16 Uhr
Eine neue "Willkommenskultur" braucht das Land - man müsse sich darauf einstellen, das mehr Menschen aus dem Ausland zu uns kommen, um hier zu arbeiten und zu leben, mahnen Politik und Wirtschaft in letzter Zeit immer öfter an. Das die "Willkommenskultur" in Nordhausen mehr sein kann, als ein leeres Schlagwort, das zeigte gestern der Internationale Stammtisch...

Sie kommen aus Tschechien, der Slowakei, Brasilien, Japan, den USA, aus der EU und weit entfernten Kontinenten: aus allen Ecken der Welt hat es Menschen nach Nordhausen verschlagen. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Sie studieren an der Hochschule, arbeiten am Theater, nehmen an Austauschprogrammen teil oder haben im Südharz Arbeit gefunden. Der Hauch der weiten Welt, er weht auch durch Nordhausen, nur nimmt man ihn selten wahr.

Renan, Filipe und Alexandre etwa sind aus Brasilien nach Nordhausen gekommen, um hier zu studieren. Filipe stammt aus Brasiliens größter Metropole Sao Paulo und ist gerade einmal seit zweit Tagen hier, seine Landsleute nur unwesentlich länger. Alle drei haben vorher einen Sprachkurs absolviert und nutzten gestern die Gelgenheit, das gelernte praktisch anzuwenden. Eliska aus Tschechien hat ihren Weg nach Nordhausen über den europäischen Freiwilligendienst gefunden, der ähnlich dem deutschen "Freiwilligem sozialen Jahr", jungen Leute ehrenamtliche Stellen EU-weit vermittelt.

Die weite Welt in Nordhausen - gestern traf sich der internationale Stammtisch zum zweiten Mal (Foto: Angelo Glashagel) Die weite Welt in Nordhausen - gestern traf sich der internationale Stammtisch zum zweiten Mal (Foto: Angelo Glashagel)

Michaela ebenfalls aus Tschechien, arbeitet bei der Firma Thimm. Ihr gefällt es hier, erzählt sie, ihr Arbeitgeber hat ihr einen Deutschkurs ermöglicht und auch die Kollegen seien sehr hilfsbereit. Stefan und Pauline sind, mehr oder weniger, Einheimische. Er wollte gerne mal wieder ein wenig Englisch sprechen, erzählte Stefan, der zwei Jahre in den USA verbracht hat. "Außerdem kann man so in Nordhausen mal ein bisschen Weltoffenheit demonstrieren und natürlich neue Leute kennen lernen". Fremde Sprachen, neue Leute und der Spaß an der Sache - das einte sie gestern alle.

Mit dieser kulturellen Öffnung vor der eigenen Haustür zu beginnen, das war der Antrieb des Europa-Service Nordthüringen (ESN), der den Stammtisch ins Leben gerufen hat. Eigentlich kümmert sich das Team um die Kontaktpflege zum europäischen Ausland, vermittelt Praktika und Ausbildungsplätze oder hilft beim durchqueren des Dschungels der EU Förderprogramme- und Richtlinien.

Vor einem Monat hatte man den ersten Stammtisch organisiert, "just for fun", wie Claudia Reich, Projektmanagerin im ESN, erzählte und war vom Erfolg überwältigt. Gut 30 Personen, Nordhäuser und Zugezogene, hatten die Tische des Café Central in Beschlag genommen. "Der Stammtisch soll die Möglichkeit geben, Nordhäuser und Zugezogene aus aller Welt in entspannter Atmosphäre ins Gespräch zu bringen", erzählte Reich. "wenn das weiter so gut läuft, dann funktioniert der Stammtisch in einem Jahr vielleicht auch ohne das wir den Anstoß dazu geben".

Momentan kommen vor allem junge Leute, aber man würde sich auch freuen, ein paar ältere Menschen begrüßen zu dürfen, so Reich weiter. Das nächste Treffen soll es allerdings erst im Mai geben, denn die Arbeit kommt vor dem Vergnügen. Zusammen mit dem Jugendsozialwerk, dem Welcome Center Thuringia und der Nordhäuser Hochschule will der ESN am 15. April im Audimax einen Tag lang Workshops rund um das Thema „Was geht mich Europa an?“ für Unternehmen, regionale Akteure und weitere Interessierte anbieten.

Wenn die Workshops, das Osterfest und die Ferien vorübergezogen sind und das Wetter mitspielt, dann wird sich die große Welt im kleinen Nordhausen im Wonnemonat vielleicht zu einem Grillabend treffen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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