König der Klischees
Samstag, 28. Februar 2015, 10:18 Uhr
König der Herzen nannte der Brite Alistair Beaton sein Theaterstück und bezeichnete es etwas irreführend als Komödie. Angelehnt an die mysteriöse Liebschaft der Königin der Herzen Lady Di, die eine Affäre mit einem arabischen Multimillionär gehabt haben soll, dreht Beaton die Konstellation kurzerhand um und lässt nun einen fiktiven Prinzen des Hauses Windsor eine Muslima lieben.
Im Stile des bewährten englischen Boulevard-Theaters nimmt die Handlung ihren Lauf und verkommt zu einem langweiligen Agitprop-Theater, wie es die sowjetischen Weltverbesserer an der Kulturfront des Kalten Krieges nicht schlechter hinbekommen hätten. Platte Klischees reihen sich nahtlos aneinander: der Ministerpräsident ist nur machtgeil, der Oppositionsführer opportunistisch und heimlich schwul, der Kommandant der Königlichen Leibgarde ist ein Trottel, einer der Prinzen drogensüchtig und alkoholkrank, das Personal des MP zynisch und skrupellos und die NSA weiß mehr als der britische Geheimdienst. Der Erzbischof von Canterbury schließlich fände es nicht so schlimm, wenn seine anglikanische Kirche nicht mehr staatstragend wäre - schließlich sind wir ja multikulturell. Hauptsächlich ist er aber dauernd müde.
Markus Seidensticker als visionärer Oppositionsführer mit dem tragischen Liebespaar Nasrin Sazwari (Anna Oussankina) und Prinz Richard (Paul Enke)
Die einzig Guten sind der verliebte Prinz und seine Auserwählte, eine Londoner Muslima. Weil nun der amtierende König aber gerade im Sterben liegt, muss das Establishment verhindern, dass der Thronfolger zum Islam konvertiert und Britannien zur islamischen Republik wird. Tut es auch -hinterhältig und intrigant. Natürlich kriegt auch der böse Putin noch sein Fett weg, denn der will beim Begräbnis in der ersten Reihe sitzen und droht bei Missachtung seiner eitlen Wünsche mit Gasentzug. Gähn!
Das ist weder Satire noch Boulevard, was der Herr Beaton da verzapft hat. Das ist breiiger Politkitsch.
Das Rudolstädter Ensemble spielt gewohnt professionell und gut, holt aus den klischeehaften Figuren heraus, was nur möglich ist und Ausstatter Mathias Werner hat ein gemütlich-royales Bühnenbild dazu entworfen.
Die Theaterliteratur hat einige gute Stück zu bieten, in denen es um die die Auseinandersetzung mit dem vermeintlich Fremden geht. König der Herzen gehört nicht dazu.
OLAF SCHULZE
Autor: nnzIm Stile des bewährten englischen Boulevard-Theaters nimmt die Handlung ihren Lauf und verkommt zu einem langweiligen Agitprop-Theater, wie es die sowjetischen Weltverbesserer an der Kulturfront des Kalten Krieges nicht schlechter hinbekommen hätten. Platte Klischees reihen sich nahtlos aneinander: der Ministerpräsident ist nur machtgeil, der Oppositionsführer opportunistisch und heimlich schwul, der Kommandant der Königlichen Leibgarde ist ein Trottel, einer der Prinzen drogensüchtig und alkoholkrank, das Personal des MP zynisch und skrupellos und die NSA weiß mehr als der britische Geheimdienst. Der Erzbischof von Canterbury schließlich fände es nicht so schlimm, wenn seine anglikanische Kirche nicht mehr staatstragend wäre - schließlich sind wir ja multikulturell. Hauptsächlich ist er aber dauernd müde.
Markus Seidensticker als visionärer Oppositionsführer mit dem tragischen Liebespaar Nasrin Sazwari (Anna Oussankina) und Prinz Richard (Paul Enke)
Die einzig Guten sind der verliebte Prinz und seine Auserwählte, eine Londoner Muslima. Weil nun der amtierende König aber gerade im Sterben liegt, muss das Establishment verhindern, dass der Thronfolger zum Islam konvertiert und Britannien zur islamischen Republik wird. Tut es auch -hinterhältig und intrigant. Natürlich kriegt auch der böse Putin noch sein Fett weg, denn der will beim Begräbnis in der ersten Reihe sitzen und droht bei Missachtung seiner eitlen Wünsche mit Gasentzug. Gähn!
Das ist weder Satire noch Boulevard, was der Herr Beaton da verzapft hat. Das ist breiiger Politkitsch.
Das Rudolstädter Ensemble spielt gewohnt professionell und gut, holt aus den klischeehaften Figuren heraus, was nur möglich ist und Ausstatter Mathias Werner hat ein gemütlich-royales Bühnenbild dazu entworfen.
Die Theaterliteratur hat einige gute Stück zu bieten, in denen es um die die Auseinandersetzung mit dem vermeintlich Fremden geht. König der Herzen gehört nicht dazu.
OLAF SCHULZE

