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Landschaftspflege zum Artenschutz

Freitag, 27. Februar 2015, 07:05 Uhr
In den vergangenen Tagen erfolgten im Kreisgebiet mehrere ehrenamtliche Landschaftspflegemaßnahmen, die der gezielten Erhaltung und Förderung ausgewählter Pflanzenarten dienten. Insgesamt dauerten die Einsätze rund 14 Stunden...

Standort des Stattlichen Knabenkrauts (Foto: Bodo Schwarzberg) Standort des Stattlichen Knabenkrauts (Foto: Bodo Schwarzberg)
Standort des Stattlichen Knabenkrauts

So wurde ein rund 450 Quadratmeter großer Halbtrockenrasen im Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz von letztjährigen Pflanzenresten per Mahd befreit.

Die betreffende Fläche beherbergt ein Vorkommen der in Thüringen gefährdeten Orchideenart Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula). In einer Übereinkunft mit dem das Gebiet bewirtschaftenden Landwirt Meyk Forst erfolgte die Auskopplung der Fläche, so dass diese ausschließlich einmal jährlich gemäht, statt beweidet wird.

Es hat sich jedoch auf anderen Versuchsflächen gezeigt, dass eine Verknüpfung von extensiver Beweidung mit Rindern und (wichtig) jährlicher Nachmahd, für erdflechtenarme Halbtrockenrasen optimal zu sein scheint.

Die Regelung mit dem verantwortlichen Landwirt, die von der Unteren Naturschutzbehörde unterstützt wird, ist ein positives Beispiel für praktizierten Artenschutz auf Flächen, die von mehreren Interessen betroffen sind.

Gipsfelsen mit Magerrasen bei Gudersleben (Foto: Bodo Schwarzberg) Gipsfelsen mit Magerrasen bei Gudersleben (Foto: Bodo Schwarzberg)
Gipsfelsen mit Magerrasen bei Gudersleben

Der kleine, unmittelbar am Karstwanderweg gelegene Steilhang ist sowohl geologisch, als auch botanisch von Bedeutung. Eine Informationstafel des Karstwanderweges weist auf mehrere so genannte „Zwergenlöcher“ hin, kleine höhlenartige Bildungen, die durch die Wasseranlagerung an das Anhydritmolekül mit nachfolgender Quellung des sich so bildenden Gipses entstehen.

Zudem haben sich an der Steilwand kleine, vegetationsarme Strukturen mit einem hohen Anteil unscheinbarer, aber zum Teil sehr seltener und gefährdeter einjähriger Pflanzenarten erhalten.
Früher dürften mehrmals im Jahr Schafe und Ziegen zum Grasen an dem Hang herumgeklettert sein, wenn sie zu den nahegelegenen Magerrasen getrieben wurden. Heute jedoch droht die kleine, sehenswerte Fläche zu verbuschen.

Zum zweiten Mal wurde sie nun im Rahmen eines Ein-Mann-Pflegeeinsatzes freigestellt, das heißt, die aufkommenden Sträucher wurden entfernt und die Magerrasenanteile gemäht. Im Zuge des Einsatzes erfolgte auch wieder die Freistellung der Karstwanderwegstafel von aufkommenden Gehölzen. Sie und einige weitere, bedürfen jedoch zunehmend einer grundlegenden Sanierung. Besonderer Dank gilt dem Privateigentümer der Fläche, der die Maßnahme bereits zum zweiten Mal genehmigte.

BUND-Kreisverband schützt Bunte Erdflechten (Foto: Bodo Schwarzberg) BUND-Kreisverband schützt Bunte Erdflechten (Foto: Bodo Schwarzberg)
BUND-Kreisverband schützt Bunte Erdflechten

Wie schon mehrfach berichtet, hat diese Flechtengruppe in ihrer Gipsvariante eine ganz herausragende Bedeutung. Mehrere ihrer Glieder sind nicht nur gefährdet, sondern deutschlandweit vom Aussterben bedroht. Dennoch sind ihre Standortverluste durch Nährstoffeintrag, Verbuschung und schädigende Nutzung noch immer sehr stark.

In der Rüdigsdorfer Schweiz, am Alten Stolberg und auf den Pfaffenköpfen sollten die wenigen, noch erhaltenen, zum Teil kleinflächigen, aber weit überregional bedeutsamen Vorkommen dringend vor weiteren Verlusten bewahrt werden. Unter anderem diesem Ziel dienen einige Maßnahmen, mit deren Umsetzung im Jahre 2014 begonnen wurde. Auf einer durch den Forst 2014 dankenswerterweise von ausgewachsenen Birken befreiten Gipskuppe wurde nun durch das BUND-Mitglied und ehemaligen Forstarbeiter Reiner Peix sowie den Autor des Beitrages weitere Birken entfernt. Zudem legten wir Bodenverwundungen an. Diese entstanden einst im Zuge extensiver Schafbeweidung.

Aufnahmen aus den 70er Jahren zeigen, dass damals noch weit mehr steile Gipshänge und Gipskuppen der Rüdigsdorfer Schweiz gehölzfrei oder zumindest fast gehölzfrei waren. Auch die typische, etwas „eigenwillige“ Karstlandschaft war so besser sichtbar als heute.
Vor allem nach der Wende setzte eine Wiederbewaldung ein, die zur Beschattung zahlreicher Gipsfelsfluren, in denen auch Arten der Bunten Erdflechtengesellschaft siedelten, führte.

Eine weitere Bedrohung können Kuhfladen mit ihrer hohen Stickstofflast sein. Daher sollten einige, meist sehr kleinflächige, flechtenreiche Refugien freigestellt und ausgekoppelt werden.

Weitere Maßnahmen zum Schutz der Bunten Erdflechten sind geplant. Diese kommen stets auch anderen, heute bedrohten Pflanzengesellschaften und damit der Erhaltung der ganz besonderen Eigenart unserer einmaligen Gipskarstlandschaft zugute.

Wichtig ist, wie auch bei der jüngsten Maßnahme, die Zusammenarbeit mit Forst- und Unterer Naturschutzbehörde. Beide unterstützten auch die jüngste Baumfällung, für die wir, inkl. Ablagerung und Abfuhr, zu zweit insgesamt acht Stunden benötigten.
Besonderer Dank gilt unserem BUND-Mitstreiter Reiner Peix, ohne dessen Fähigkeiten die zum Teil komplizierte Baumfällung nicht hätte durchgeführt werden können.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

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