Morgens, mittags, abends oder nachts?
Dienstag, 24. Februar 2015, 12:39 Uhr
Wer Kortison, Blutdrucksenker oder Anti-Asthmatika verschrieben bekommt, sollte sie stets zum vom Arzt verordneten Zeitpunkt anwenden. Denn die Wirkung mancher Medikamente ist abhängig von der Tageszeit. Erforscht werden solche Schwankungen der Wirkung von der "Chronopharmakologie". Was das ist, klären die Nordhäuser Apotheker...
Die Erkenntnisse aus der Chronopharmakologie finden zusehends mehr Berücksichtigung in der Arzneimitteltherapie. Thüringens Apothekerinnen und Apotheker informieren zum Thema.
Dass der weibliche Monatszyklus einem wiederkehrenden Rhythmus folgt, weiß jeder. Weit weniger bekannt ist, dass auch fast alle anderen Körperfunktionen periodisch ablaufen. Stoffwechsel, Kreislauf, innere Organe oder auch das Ausscheidungssystem: Wann sie auf Hochtouren arbeiten oder es eher gemütlich angehen lassen, hängt dabei zum großen Teil von der Tageszeit ab, erklärt Apothekerin Andrea Seifert, Pressesprecherin der Region Nordhausen (Stadt und Landkreis): Die physikalischen, chemischen und biologischen Vorgänge im menschlichen Körper unterliegen im Laufe eines Tages deutlichen Schwankungen. Dieser sogenannte ‚zirkadiane Rhythmus‘ wird vom tageszeitlichen Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit sowie Aktivität und Ruhe gesteuert. Das erklärt nicht nur, warum es bei Flügen in entfernte Zeitzonen zum Jetlag kommt. Auch die Symptome mancher Krankheiten sind zu bestimmten Tageszeiten besonders ausgeprägt: So ist etwa der Blutdruck in der Regel morgens zwischen 9 und 10 Uhr am höchsten, während Asthmapatienten vor allem nachts unter Anfällen leiden. Kein Wunder, dass auch die Wirkung mancher Medikamente abhängig von der Tageszeit ist.
Verantwortlich dafür ist vor allem die wechselnde Aktivität bzw. Empfindlichkeit des Zielorgans oder -systems. Frühmorgens beispielsweise erzeugt unser Organismus besonders viel Cortisol. Da er seine Produktion bei einer Zuführung von außen meist drosselt, empfiehlt sich die Einnahme von Kortisontabletten zur selben Tageszeit: so wird der körpereigene Rhythmus am wenigsten gestört. Cholesterin stellt der Körper dagegen vermehrt in der Nacht her: entsprechende Medikamente zur Drosselung der Produktion nimmt man also am besten abends. Sogar bei Schmerz- und Betäubungsmitteln gibt es zeitabhängige Effekte: so wirken Lokalanästhetika, etwa beim Zahnarzt, nachmittags dreimal so lang wie frühmorgens. Aber auch die Vorgänge rund um Freisetzung, Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung der Wirkstoffe im Körper spielen eine Rolle: Viele Wirkstoffe, die der Körper über den Dünndarm aufnimmt, wirken morgens schneller und intensiver als sonst, weil sie zu dieser Tageszeit besonders schnell aus dem Magen in den Dünndarm gelangen, weiß Seifert. Weil aber nur Fachleute beurteilen können, bei welchen Medikamenten eine solche zeitgenaue Dosierung und Einnahme sinnvoll ist, sollte man sich stets vom behandelnden Arzt oder dem Apothekenpersonal individuell beraten lassen.
Zu welchem Zeitpunkt welches Arzneimittel am besten eingenommen wird, um optimal zu wirken: das erforscht die Chronopharmakologie. Da die Disziplin noch relativ jung und entsprechende Studien ziemlich aufwändig sind, liegen noch lange nicht für alle Wirkstoffe entsprechende Empfehlungen vor. Dennoch: während früher Dosierungsanweisungen wie dreimal täglich 1 Tablette auf einen möglichst gleichbleibenden Wirkstoffpegel im Blut zielten, setzen sich chronopharmakologische Erkenntnisse im therapeutischen Alltag immer stärker durch.
Denn die Vorteile für die Patienten liegen auf der Hand: niedrigere Dosierungen, bessere Verträglichkeit, weniger Nebenwirkungen, geringere Abhängigkeitsgefahr und gezielterer Einsatz – nämlich genau dann, wenn der Patient am stärksten gefährdet ist. Profitieren von einer solchen Chronotherapie können vor allem chronisch Kranke, die etwa an Asthma bronchiale leiden, Kortisonpräparate einnehmen müssen oder bei denen z. B. Blutdruck und Blutfettwerte erhöht sind. Und sogar in der Chemotherapie von Tumoren gibt es Hinweise darauf, dass Chronotherapie zum Heilungserfolg beiträgt. Denoch sollten Patienten nun nicht eigenmächtig Ihre Therapie umstellen und so das bisherige Gleichgewicht durcheinander wirbeln. Es kann sich lohnen, die innere Uhr des Menschen zum Taktgeber zu machen – zumindest in der Arzneimitteltherapie.
Autor: redDie Erkenntnisse aus der Chronopharmakologie finden zusehends mehr Berücksichtigung in der Arzneimitteltherapie. Thüringens Apothekerinnen und Apotheker informieren zum Thema.
Dass der weibliche Monatszyklus einem wiederkehrenden Rhythmus folgt, weiß jeder. Weit weniger bekannt ist, dass auch fast alle anderen Körperfunktionen periodisch ablaufen. Stoffwechsel, Kreislauf, innere Organe oder auch das Ausscheidungssystem: Wann sie auf Hochtouren arbeiten oder es eher gemütlich angehen lassen, hängt dabei zum großen Teil von der Tageszeit ab, erklärt Apothekerin Andrea Seifert, Pressesprecherin der Region Nordhausen (Stadt und Landkreis): Die physikalischen, chemischen und biologischen Vorgänge im menschlichen Körper unterliegen im Laufe eines Tages deutlichen Schwankungen. Dieser sogenannte ‚zirkadiane Rhythmus‘ wird vom tageszeitlichen Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit sowie Aktivität und Ruhe gesteuert. Das erklärt nicht nur, warum es bei Flügen in entfernte Zeitzonen zum Jetlag kommt. Auch die Symptome mancher Krankheiten sind zu bestimmten Tageszeiten besonders ausgeprägt: So ist etwa der Blutdruck in der Regel morgens zwischen 9 und 10 Uhr am höchsten, während Asthmapatienten vor allem nachts unter Anfällen leiden. Kein Wunder, dass auch die Wirkung mancher Medikamente abhängig von der Tageszeit ist.
Verantwortlich dafür ist vor allem die wechselnde Aktivität bzw. Empfindlichkeit des Zielorgans oder -systems. Frühmorgens beispielsweise erzeugt unser Organismus besonders viel Cortisol. Da er seine Produktion bei einer Zuführung von außen meist drosselt, empfiehlt sich die Einnahme von Kortisontabletten zur selben Tageszeit: so wird der körpereigene Rhythmus am wenigsten gestört. Cholesterin stellt der Körper dagegen vermehrt in der Nacht her: entsprechende Medikamente zur Drosselung der Produktion nimmt man also am besten abends. Sogar bei Schmerz- und Betäubungsmitteln gibt es zeitabhängige Effekte: so wirken Lokalanästhetika, etwa beim Zahnarzt, nachmittags dreimal so lang wie frühmorgens. Aber auch die Vorgänge rund um Freisetzung, Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung der Wirkstoffe im Körper spielen eine Rolle: Viele Wirkstoffe, die der Körper über den Dünndarm aufnimmt, wirken morgens schneller und intensiver als sonst, weil sie zu dieser Tageszeit besonders schnell aus dem Magen in den Dünndarm gelangen, weiß Seifert. Weil aber nur Fachleute beurteilen können, bei welchen Medikamenten eine solche zeitgenaue Dosierung und Einnahme sinnvoll ist, sollte man sich stets vom behandelnden Arzt oder dem Apothekenpersonal individuell beraten lassen.
Zu welchem Zeitpunkt welches Arzneimittel am besten eingenommen wird, um optimal zu wirken: das erforscht die Chronopharmakologie. Da die Disziplin noch relativ jung und entsprechende Studien ziemlich aufwändig sind, liegen noch lange nicht für alle Wirkstoffe entsprechende Empfehlungen vor. Dennoch: während früher Dosierungsanweisungen wie dreimal täglich 1 Tablette auf einen möglichst gleichbleibenden Wirkstoffpegel im Blut zielten, setzen sich chronopharmakologische Erkenntnisse im therapeutischen Alltag immer stärker durch.
Denn die Vorteile für die Patienten liegen auf der Hand: niedrigere Dosierungen, bessere Verträglichkeit, weniger Nebenwirkungen, geringere Abhängigkeitsgefahr und gezielterer Einsatz – nämlich genau dann, wenn der Patient am stärksten gefährdet ist. Profitieren von einer solchen Chronotherapie können vor allem chronisch Kranke, die etwa an Asthma bronchiale leiden, Kortisonpräparate einnehmen müssen oder bei denen z. B. Blutdruck und Blutfettwerte erhöht sind. Und sogar in der Chemotherapie von Tumoren gibt es Hinweise darauf, dass Chronotherapie zum Heilungserfolg beiträgt. Denoch sollten Patienten nun nicht eigenmächtig Ihre Therapie umstellen und so das bisherige Gleichgewicht durcheinander wirbeln. Es kann sich lohnen, die innere Uhr des Menschen zum Taktgeber zu machen – zumindest in der Arzneimitteltherapie.
