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Kontinuität auf hohem Niveau

Samstag, 21. Februar 2015, 12:00 Uhr
Gestern stellte sich der neue Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora der Öffentlichkeit vor. Dr. Stefan Hördler kann auf der erfolgreichen Arbeit seines Vorgängers aufbauen. Der Neue will aber auch eigene Akzente setzen und die Gedenkstätte sowohl in der Region wie auch International stärker verankern...

Der neue Leiter der KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Dr. Stefan Hördler, stellte sich gestern der Öffentlichkeit vor (Foto: Angelo Glashagel) Der neue Leiter der KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Dr. Stefan Hördler, stellte sich gestern der Öffentlichkeit vor (Foto: Angelo Glashagel)

Man habe einen Mann geholt, "von dem man annehmen darf, das er die erreichte Flughöhe hält". Mit diesen Worten stellte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Prof. Dr. Volkhard Knigge, den neuen Leiter der Nordhäuser Gedenkstätte vor.

Trotz seiner vergleichsweise jungen 37 Jahren ist Dr. Stefan Hördler schon viel herumgekommen. Zuletzt arbeitete er in der US-Amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Historischen Instituts. Das jemand Washington verlasse, um nach Nordhausen komme, verdeutliche die Bedeutung Doras als Gedenkort und Institution, sagte Knigge.

Hördler sei ein "Gedenkstättenmensch", der nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft arbeite, sondern konkrete und praktische Erfahrung mitbringe, so der Direktor weiter. Hördler hatte an der Transformation der Gedenkstätte Lichtenberg mitgearbeitet und auch Dora ist ihm nicht fremd.

Im Rahmen seiner Promotion zum Thema "Ordnung und Inferno. Das KZ-System im letzten Kriegsjahr" ergaben sich auch Berührungspunkte mit der Arbeit seines Vorgängers, Dr. Jens-Christian Wagner, was auch Besuche in Dora und Arbeit mit Archivmaterial der Gedenkstätte mit sich brachte.

Hördler will seine internationalen Kontakte und sein Ansehen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft nutzen, um die Gedenkstätte Dora international noch stärker zu positionieren. Das mag aus dem Blickwinkel einer kleinen Stadt in Nordthüringen ein hehres Ziel sein, ist aber alles andere als abwegig, wenn man der Einschätzung von Stiftungsdirektor Knigge glaubt. "Man sollte nicht nur von Weimar auf Dora schauen", sagte Knigge. Man arbeite seit zwanzig Jahren daran, Dora aus dem Schatten Buchenwalds zu holen und habe viel erreicht. Nicht nur habe man Dora zu einer Gedenkstätte von nationaler Bedeutung gemacht, im Ausland sei man sich der Besonderheiten von Dora durchaus bewusst. Vor allem in den USA und Frankreich sei Dora bekannt. In Frankreich wurden jüngst zwei "Graphic Novels", grafische Erzählungen, zu Dora veröffentlicht, so Knigge.

Der neue Leiter der KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Dr. Stefan Hördler zusammen mit Prof. Dr. Volkhardt Knigge (Foto: Angelo Glashagel) Der neue Leiter der KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Dr. Stefan Hördler zusammen mit Prof. Dr. Volkhardt Knigge (Foto: Angelo Glashagel)

Doch auch die Partner in der Region will man nicht aus dem Blick verlieren, versicherte Hördler. "Hier wurde großartiges geleistet. Sowohl in wissenschaftlicher Hinsicht als auch in der pädagogischen Arbeit. Inbesondere den behutsamen Umgang mit dem Ort gilt es zu pflegen und zu entwickeln", sagte Hördler. Dr. Wagner hatte in der wissenschaftlichen Arbeit nachgezeichnet, wie tief das Lagersystem der Nationalsozialisten in der Gesellschaft und auch in Nordhausen verankert war. Es ist dem ehemaligen Leiter hoch anzurechnen, das die Ergebnisse der Arbeit nicht nur in wissenschaftlichen Kreisen kursierten, sondern ihren Weg in die öffentliche Debatte fanden.

Hördler wird wissenschaftlich einen anderen Schwerpunkt setzen, er konzentriert sich auf die Totenkopfverbände der SS und die KZ-Wachmannschaften. Mit der Frage nach den Tätern und warum sie dazu wurden könnte Hördler ähnliche Diskussionen anstoßen.

Der neue Leiter muss derzeit voll in die Arbeit einsteigen, schließlich steht das Gedenken zum 70. Jahrestag der Befreiung an. Die Gedenkstätte plant eine ganze Reihe von Veranstaltungen, darunter auch ein Zeitzeugentreffen im Bürgerhaus. Es könnte die letzte Gelegenheit sein, aus erster Hand zu erfahren, was vor 70 Jahren in Dora geschah. Gerade einmal 14 Überlebende haben sich für das diesjährige Gedenken in Nordhausen angekündigt.

Die Bürgerbegegnung wird zusammen mit der Stadt organisiert und auch mit der neuen Institution des alten Gedenkstättenleiters wird es ein Kooperationsangebot geben, das in Zukunft weiter ausgebaut werden soll.

Was im Rahmen der Gedenktage geplant ist, erfahren sie hier.
Angelo Glashagel
Autor: red

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