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Hohe Kosten bleiben trotz guter Lage am Arbeitsmarkt

Donnerstag, 19. Februar 2015, 11:39 Uhr
Die Arbeitslosenzahlen sinken, das wird seit Monaten von allen Seiten hervorgehoben. Das gilt aber vor allem für die Menschen, die von der Agentur für Arbeit vermittelt werden. Wie sich die Lage im Aufgabenbereich des Nordhäuser Jobcenters entwickelt hat, das konnte heute die nnz erfahren...

Denn die beiden Institutionen sind in verschiedenen Bereichen des Arbeitsmarktes tätig. Wer seinen langjährigen Arbteisplatz verliert, muss zur Agentur. Wer nach einem Jahr noch keine Neuanstellung gefunden hat, nur kurzfristig in Lohn und Brot ist oder als Jugendlicher noch nie gearbeitet hat, für den ist das Jobcenter zuständig.

Seit Ende 2011 leitet Heiko Röder das Nordhäuser Jobcenter. Zusammen mit dem zweiten Beigeordneten des Landkreises, Stefan Nüßle und dem Koordinator für Arbeitsmarktfragen, Marc Hesse, stellte man heute die Bilanz der vergangenen Jahre vor.

Für 2014 hatte man mit dem Bund vereinbart, 25,2% der Kunden des Jobcenters wieder in Arbeit zu integrieren. Mit 24,9% bliebt man knapp unter dieser Marke. Insgesamt 1657 Personen fanden wieder eine Beschäftigung, die mit mindestens 451 Euro vergütet wurde und somit sozialversicherungspflichtig war. Gut 60% dieser Personen fand für mehr als sechs Monate eine Anstellung.

Für die Wiedereingliederung standen dem Jobcenter im vergangenen Jahr 5,9 Millionen Euro zur Verfügung, die das Amt auch voll ausschöpfte. Die Gelder werden genutzt, um Maßnahmen zur Fortbildung, Qualifizierung und Aktivierung der Leistungsempfänger zu finanzieren. Ein Teil des Geldes wird auch genutzt, um Unternehmern einen Anreiz zu geben, neue Leute einzustellen. Der Drehtüreffekt, den findige Geschäftsleute ausnutzten, habe sich abgeschwächt, erklärte Röder. "Die Hilfe wird nur noch maximal für ein Jahr gezahlt und wir achten sehr darauf, das sich die Unternehmen nach dem Ablauf dieser Zeit nicht einfach die nächste geförderte Arbeitskraft holen."

Personen im SGB II Bezug im Landkreis Nordhausen (Foto: Jobcenter Landkreis Nordhausen) Personen im SGB II Bezug im Landkreis Nordhausen (Foto: Jobcenter Landkreis Nordhausen)

Die Arbeitsgelgenheiten, landläufig auch als Ein-Euro Job bekannt, werden ebenfalls vom Jobcenter bezahlt. insgesamt 369 dieser Stellen sind für dieses Jahr geplant. Das sie nur ein halbes Jahr Laufzeit haben, können rein rechnerisch über 700 Menschen davon zu profitieren. "Wir brauchen diese Stellen", sagte Röder, "es ist das letzte Instrument das uns verblieben ist mit dem wir auch denen eine Chance geben können die von relativ weit hinten abgeholt werden müssen".

Als Einrichtung gehört das Jobcenter mit zum Landkreis, der einige der größten Kostenpunkte schultern muss. Die Übernahme von Wohnkosten für die rund 5000 Bedarfsgemeinschaften des Landkreises bewegen sich seit 2011 relativ konstant auf einem Niveau von 16,3 Mio. Euro. Einen Ausreisser nach oben mit 16,7 Mio. Euro registrierte man lediglich 2013. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften sank von 5853 im März 2011 auf 5033 im Dezember des vergangenen Jahres. Die Zahl der Hartz-IV Bezieher sank von im selben Zeitraum von 10.566 auf 8943.

Die Ausgaben für die Maßnahme "Bildung- und Teilhabe", die Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien die Teilnahme am sozialen und kulturellem Leben ermöglichen soll, stiegen von 377.202 Euro im Jahr 2011 auf 610.200 Euro, die für das laufende Jahr geplant sind. "Die Zahl der Kinder, die von dem Programm profitieren, ist konstant geblieben, wir haben aber bei unseren Kunden bewusst mehr Werbung für diese Möglichkeit gemacht". Mit dem Geld können Schulmaterialien, das Mittagessen, Sportbekleidung oder die Teilnahme an der Klassenfahrt bezahlt werden.

Die Zahlen zeigen auch, das die Kosten für den Landkreis trotz guter Lage am Arbeitsmarkt nicht merklich sinken. Die meisten Ausgaben machen dabei die Kosten der Unterkunft aus. Begründet werden die relativ konstanten Ausgaben mit dem Anstieg der Energie- und Nebenkosten. Zudem seien viele Bedarfsgemeinschaften auf Hilfe angewiesen, obwohl eine Arbeitsstelle vorhanden ist. Etwa 1200 sogenannte "Aufstocker" gibt es im Landkreis, die Leistungen beziehen, weil ihr Lohn nicht ausreicht, um die laufenden Kosten zu decken. Vor allem größere Familien aber auch einige Selbständige, etwa 300 im Kreis Nordhausen, sind davon betroffen. Treffen kann es jede Berufsgruppe, vom Fahrlehrer bis zum Anwalt, zumeist sind aber Beschäftigte in klassischen Niedriglohnbereichen wie der Gastronomie, dem Sicherheitsbereich, der Reinigung oder dem Sicherheitssektor betroffen.

Ob der Mindestlohn daran etwas ändern wird, sei jetzt noch nicht abzusehen, heißt es zum Pressegespräch. Im zweiten Halbjahr will man hierzu eine vorläufige Bilanz ziehen.

Im Rückblick sei die Arbeit des Jobcenters schwerer geworden, sagte Heiko Röder. Man habe zwar weniger Menschen, die den Weg zum Jobcenter antreten müssten, diejenigen aber welche die Hilfe noch nötig haben, müssten zumeist intensiver betreut werden. "Die Problemlagen verdichten sich.", so Röder.

Man konzentriert sich deswegen darauf, dem Bedarf entsprechend zu qualifizieren. Für Aktivierung und (Wieder-)eingliederung in den Arbeitsmarkt gibt das Jobcenter in diesem Jahr rund 900.000 Euro aus. In Zukunft will man zudem auch jüngere Arbeitnehmer und Menschen mit Behinderung verstärkt fördern.
Angelo Glashagel
Autor: red

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