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Stockhausens Platt (33)

Donnerstag, 29. Januar 2015, 09:30 Uhr
Horst-Dieter Stockhausen, unser Experte für gereimte Nordhisser Platt, wendet sich in seinen heutigen Versen einem Gegenstand, der im Winter einst sehr gefragt war...

Dr Kachelowen

Waenn dr Nordwind kolt därch de Ritzen zieht,
ässes fern Kachelowen so wiet.
Do kanne entfalten sinne ganze Pracht,
iche sae uch jetzemol, wie mes macht.

Als erschtes krekkelt* me an´n Verschluss
un langet Asche un Schlacke russ.
Jetzt nimmet me´n grußen Knauel Papier,
dän schuwet me därch de Owentier.
Nune brucht me Holz, su scheene dünn,
dos kämmet au in dn Owen rinn.
Do druff läht me dickes Holz un Kolln,
die muß me ussen Keller holn.
Metten Fidebus bringet mes Ganze in Gangk,
dann hätt me Zieht, su zwei Schtunne langk.
Wänn alles verbrannt äs, hätt me Ruh,
dann schruwet me de Teere zu.
Inne Rehre, wu au de Waermflosche schteht,
wern aen por Aeppel zun broten jelaeht.

Nune wärds gemietlich in´n ganzen Zimmer,
un wemme sich dann bie Kerzenschimmer
so an dn Owen kuscheln kann,
wärds worme bis ans Herze ran.
Am scheensten aes so aen Bänkchen an Owen,
do kamme dösen oder schlofen.
Nur eins aes schade, un das titt weh:
Mie hahn kinn Kachelowen meh.

*drehen, schrauben
Horst-Dieter Stockhausen

Autor: red

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