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Sondereinsatz für das Blasse Knabenkraut

Montag, 19. Januar 2015, 10:52 Uhr
Für das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) gehört Deutschland und hier insbesondere auch Thüringen auf Grund seines von den Pyrenäen bis nach Westasien reichenden Verbreitungsgebietes zu den Hotspots. Wir liegen im Hauptareal der Art und haben daher laut www.floraweb.de eine große Verantwortlichkeit für ihre weltweite Erhaltung.

Orchidee mit Ansprüchen

Wärmeliebende lichte Laubwälder und gelegentlich auch Halbtrockenrasen auf nicht zu nährstoffarmen, gern frischen Lehm-und Tonböden sagen ihr am ehesten zu. Vermutlich breitete sich das Blasse Knabenkraut im Zuge der Einführung der Niederwaldwirtschaft zur Brennholzgewinnung seit der Eisenzeit in Mitteleuropa aus. Durch die zunehmende Umwandlung von Nieder- und Mittelwäldern in meist schattige Hochwälder oder gar Nadelholzforsten gehen ihre Bestände immer stärker zurück.

Der Landkreis Nordhausen beherbergt mindestens zwei größere Vorkommen. Eines im Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz wurde erst 1964 von dem vor wenigen Wochen verstorbenen Lehrer und Botaniker Ernst Stiede entdeckt. Gewissermaßen auch als Referenz an den ehemaligen Vorsitzenden der BUND-Kreisgruppe Nordhausen, widmeten wir uns am vergangenen Sonnabend „seinem“ Orchideenstandort.

Gefährdungen

An ihm lassen sich die typischen Gefährdungen für das Blasse Knabenkraut gut erkennen: Ein Teil des Bestandes siedelt in einem kleinen, einst wohl als Niederwald bewirtschafteten Waldstück mit Edellaubhölzern. Zwischen ihnen haben sich zahlreiche Haselsträucher angesiedelt, die allmählich für eine zu starke Beschattung der Orchideenpflanzen sorgten. Im Zuge unseres Einsatzes setzten wir zahlreiche Haselsträucher auf den Stock, das heißt, wir sägten sie relativ dicht über den Boden ab. Genauso wurde einst Niederwaldwirtschaft betrieben. Aller ca. 15-40 Jahre, je nach Baumart und gewünschtem Holz, wiederholte man dieses Prozedere mit Gehölzarten, die zu starkem Wiederaustrieb neigen.

Auf der angrenzenden Wiese siedelt Orchis pallens ebenfalls, wird dort jedoch wiederum zunehmend von stickstoffliebenden Gräsern und Strauchaufwuchs bedroht, weil nach der extensiven Beweidung mit Rindern zu selten gemäht wird. Hier drohen die Pflanzen ein Opfer von Rasenfilz und konkurrenzsträrkeren Arten zu werden.
Dieser Bereich wurde von uns gemäht; gestern lagerten zwei unserer Mitstreiterinnen, Helga Junker und Heidi Schell, das zusammengeharkte Mähgut ab.

Durch die Kopplung beider Maßnahmen, Auslichtung des Gehölzes und Mahd, wird das Blasse Knabenkraut in der Rüdigsdorfer Schweiz optimal gefördert. Bedenklich stimmt unsere Beobachtung bereits blühender Haselsträucher (Foto). Diesen seit Jahren anhaltenden Trend zu immer früheren Baum- und Gräserblüten führen Klimafolgenforscher auf den menschgemachten Klimawandel zurück.

Mitstreiter und „Unterstützer“

Acht Stunden waren wir BUND-Landschaftspfleger zu sechst und ehrenamtlich im Einsatz. Ein ganz besonderer Dank gilt den Enthusiasten Helga und Karl-Heinz Junker sowie Fritz Daniel. Sie waren extra für diesen Einsatz aus Sondershausen angereist. Reiner Peix und Heidi Schell aus Ilfeld bzw. Nordhausen sei ebenso herzlich gedankt. Wir "Nordhäuser" boten den Sondershäusern ebenso Unterstützung für deren Projekte an, zum Beispiel bei der Pflege von Frauenschuh-Standorten in der Hainleite.

Ohne das Wohlwollen der zuständigen Behörden und von deren Mitarbeitern, von Martin Täger und Rolf Schiffler (Untere Naturschutzbehörde), Axel Axt und Steffi Pfeiffer (Forstbehörde) und des bewirtschaftenden Landwirts Mike Forst, hätten wir den Einsatz im Naturschutzgebiet natürlich nicht durchführen können. Unser Dank gilt also auch den Genannten.

Zukunftsaufgaben

Die Anforderungen an den ehrenamtlichen Naturschutz und an den Vertragsnaturschutz steigen angesichts der vielen zu bewältigenden Aufgaben, z.B. zur Umsetzung der FFH-Richtlinie der EU und der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, stetig. In diesem Sinne hoffen wir als BUND-Kreisverband Nordhausen auch weiterhin auf eine gedeihliche und effektive Zusammenarbeit mit Behörden, Grundstückseigentümern, Landschaftspflegeverbänden und Pächtern.

Noch für 2015 vorgesehen sind weitere Einsätze in der Rüdigsdorfer Schweiz sowie in anderen Bereichen des Landkreises mit Vorkommen bedrohter Arten.
Interessenten für derartige Einsätze können sich gern unter bodo_schwarzberg@yahoo.de melden.

Das vorletzte Foto zeigt das Blasse und das letzte Foto das Stattliche Knabenkraut.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

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