Historische Fechtgruppe
Sonntag, 18. Januar 2015, 09:37 Uhr
Seit vielen Jahren gibt es in unserer Region die historische Fechtgruppe "IN MOTU". Sie widmet sich einer Kampfkunst, die seit rund zehn Jahren immer mehr Zuspruch in Europa findet. Paul Becker stellt die Gruppe vor...
Nachdem sich dieser im Jahr 2001 konstituierte, fanden sich bereits 2003 einige Mitglieder, die sich dem Thema mittelalterliche Kampfesweisen widmen wollten.
Begonnen hat alles eigentlich wie bei vielen anderen auch. Wir haben in die damals kursierenden Versionen Huscarl, Freikampf und Schaukampf reingeschnuppert und versucht, von dem Wissen aus anderen Kampfkünsten zu profitieren, die auch einige Mitglieder mit einbrachten. Wir schafften es eine Sporthalle zu organisieren, in der wir uns regelmäßig trafen, um zu trainieren.
Doch wir merkten schnell, dass wir damit nicht unseren Hunger nach dem Wissen um die korrekten Techniken unserer mittelalterlichen Vorfahren stillen konnten. Im Jahr 2006 kaufte ich mir das Buch Schwertkampf von Herbert Schmidt sowie die Agilitas TV-DVD Langes Schwert Teil 1 nach Johannes Liechtenauer und setzte mich lange damit auseinander.
So begann ich auch tiefer in die Materie historische europäische Kampfkünste einzusteigen. Das Interesse innerhalb der Gruppe wuchs stetig an, sodass wir uns entschieden, das Training an diesen Vorlagen ausgerichtet zu strukturieren. Ich freute mich langsam in die Rolle eines Trainers zu schlüpfen. Wir richteten uns an der Didaktik dieses Buches aus, beschäftigten uns immer mehr mit den Quellen zu den Techniken und versuchten die Grundlagen und schließlich auch die einzelnen Techniken zu verstehen und trainierten und trainierten……und trainierten. Im Jahr 2007 begann ich mein Studium der Geschichtswissenschaften an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg mit Schwerpunkt auf mittelalterliche Geschichte. Was für ein Zufall! Nachdem ich mich in das Studentenleben eingewöhnt hatte, fand ich schnell heraus, dass es zwei Vereine in Hamburg gab, die sich mit historisch europäischen Kampfkünsten befassten. Ich empfand es als eine große Möglichkeit das Wissen, das bei diesen Vereinen lag, in meine Heimat zu transferieren. Da Hammaborg damals keine Plätze mehr hatte und man auf das nächste Probetraining warten musste, begann ich bei Ochs-Hamburg unter der Leitung von Steffen Zimmermann zu trainieren. Leider kam ich jedoch nicht über die Probezeit hinaus.
Das Wissen, dass ich in dieser Zeit bis zum Ende des Jahres 2011 erlangte, baute ich in mein eigenes Training in Nordhausen mit ein. Ich danke Hammaborg für die Tolle Zeit und die vielen Erfahrungen, die mein Leben auf maßgebliche Weise bis heute beeinflussen. Einen besonderen Dank möchte ich meinen damaligen Trainern Dierk Hagedorn und Markus Hampel aussprechen. Zusätzlich konnte ich aber auch mein Geschichtsstudium nutzen um mich vielen Quellen zur Fechtgeschichte genauer auseinanderzusetzen, da ich mit dem Erlernten nun die Quellen im Original lesen, verstehen und interpretieren konnte.
Die Quellenkunde ist für uns Trainer unerlässlich. Nachdem im Jahr 2011 mein Studium der mittelterlichen Geschichte mit der Graduierung M.A. Geschichte abgeschlossen hatte, musste ich Hamburg aus beruflichen Gründen verlassen. Seither befassen wir uns in Nordhausen komplett selbständig mit mittelalterlicher Kampfkunst anhand originaler Quellen.
Unser Schwerpunkt liegt seit 2006 auf den Techniken des Langen Schwerts der Deutschen Schule in der Tradition Johannes Liechtenauers. Unsere Hauptquelle ist die Handschrift Cod. Hs. 3227a, welche wir durch den Cod. 44 A 8 und die Überlieferungen von Paulus Kal ergänzen. In den letzten Jahren versuchen wir zusätzlich unter Zuhilfenahme von weiteren zeitnahen Quellen, wie Hans Thalhofers Quellen, und weiteren Waffenkategorien den ganzheitlichen Ansatz der Liechtenauerschen Lehre und seiner Bewegungsphilosophie zu verstehen.
Wir hatten unsere Gruppe, die im Rahmen ihrer Angehörigkeit zum Hohnsteiner Mittelalterverein auch Auftritte auf Mittelalterevents machte, ab 2009 vorerst unter dem Namen Hohnseiner Fechtgruppe geführt. Doch waren wir mit dem Namen nie richtig zufrieden. So entwickelten wir ein Wappen und extrahierten für uns ein zentrales Thema der Handschrift 3227a für unseren neuen Namen: IN MOTU- Sei stets in Bewegung.
Und wir, das sind momentan 10 Mitglieder aus Nordhausen und Umgebung, die sich entschlossen haben dem DDHF beizutreten um das Historische Fechten weiter zu fördern, die Qualität zu steigern und unsere Erfahrungen und unser Wissen dazu mit einzubringen.
Paul Becker, Trainer
Autor: redNachdem sich dieser im Jahr 2001 konstituierte, fanden sich bereits 2003 einige Mitglieder, die sich dem Thema mittelalterliche Kampfesweisen widmen wollten.
Begonnen hat alles eigentlich wie bei vielen anderen auch. Wir haben in die damals kursierenden Versionen Huscarl, Freikampf und Schaukampf reingeschnuppert und versucht, von dem Wissen aus anderen Kampfkünsten zu profitieren, die auch einige Mitglieder mit einbrachten. Wir schafften es eine Sporthalle zu organisieren, in der wir uns regelmäßig trafen, um zu trainieren.
Doch wir merkten schnell, dass wir damit nicht unseren Hunger nach dem Wissen um die korrekten Techniken unserer mittelalterlichen Vorfahren stillen konnten. Im Jahr 2006 kaufte ich mir das Buch Schwertkampf von Herbert Schmidt sowie die Agilitas TV-DVD Langes Schwert Teil 1 nach Johannes Liechtenauer und setzte mich lange damit auseinander.
So begann ich auch tiefer in die Materie historische europäische Kampfkünste einzusteigen. Das Interesse innerhalb der Gruppe wuchs stetig an, sodass wir uns entschieden, das Training an diesen Vorlagen ausgerichtet zu strukturieren. Ich freute mich langsam in die Rolle eines Trainers zu schlüpfen. Wir richteten uns an der Didaktik dieses Buches aus, beschäftigten uns immer mehr mit den Quellen zu den Techniken und versuchten die Grundlagen und schließlich auch die einzelnen Techniken zu verstehen und trainierten und trainierten……und trainierten. Im Jahr 2007 begann ich mein Studium der Geschichtswissenschaften an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg mit Schwerpunkt auf mittelalterliche Geschichte. Was für ein Zufall! Nachdem ich mich in das Studentenleben eingewöhnt hatte, fand ich schnell heraus, dass es zwei Vereine in Hamburg gab, die sich mit historisch europäischen Kampfkünsten befassten. Ich empfand es als eine große Möglichkeit das Wissen, das bei diesen Vereinen lag, in meine Heimat zu transferieren. Da Hammaborg damals keine Plätze mehr hatte und man auf das nächste Probetraining warten musste, begann ich bei Ochs-Hamburg unter der Leitung von Steffen Zimmermann zu trainieren. Leider kam ich jedoch nicht über die Probezeit hinaus.
Das Wissen, dass ich in dieser Zeit bis zum Ende des Jahres 2011 erlangte, baute ich in mein eigenes Training in Nordhausen mit ein. Ich danke Hammaborg für die Tolle Zeit und die vielen Erfahrungen, die mein Leben auf maßgebliche Weise bis heute beeinflussen. Einen besonderen Dank möchte ich meinen damaligen Trainern Dierk Hagedorn und Markus Hampel aussprechen. Zusätzlich konnte ich aber auch mein Geschichtsstudium nutzen um mich vielen Quellen zur Fechtgeschichte genauer auseinanderzusetzen, da ich mit dem Erlernten nun die Quellen im Original lesen, verstehen und interpretieren konnte.
Die Quellenkunde ist für uns Trainer unerlässlich. Nachdem im Jahr 2011 mein Studium der mittelterlichen Geschichte mit der Graduierung M.A. Geschichte abgeschlossen hatte, musste ich Hamburg aus beruflichen Gründen verlassen. Seither befassen wir uns in Nordhausen komplett selbständig mit mittelalterlicher Kampfkunst anhand originaler Quellen.
Unser Schwerpunkt liegt seit 2006 auf den Techniken des Langen Schwerts der Deutschen Schule in der Tradition Johannes Liechtenauers. Unsere Hauptquelle ist die Handschrift Cod. Hs. 3227a, welche wir durch den Cod. 44 A 8 und die Überlieferungen von Paulus Kal ergänzen. In den letzten Jahren versuchen wir zusätzlich unter Zuhilfenahme von weiteren zeitnahen Quellen, wie Hans Thalhofers Quellen, und weiteren Waffenkategorien den ganzheitlichen Ansatz der Liechtenauerschen Lehre und seiner Bewegungsphilosophie zu verstehen.
Wir hatten unsere Gruppe, die im Rahmen ihrer Angehörigkeit zum Hohnsteiner Mittelalterverein auch Auftritte auf Mittelalterevents machte, ab 2009 vorerst unter dem Namen Hohnseiner Fechtgruppe geführt. Doch waren wir mit dem Namen nie richtig zufrieden. So entwickelten wir ein Wappen und extrahierten für uns ein zentrales Thema der Handschrift 3227a für unseren neuen Namen: IN MOTU- Sei stets in Bewegung.
Und wir, das sind momentan 10 Mitglieder aus Nordhausen und Umgebung, die sich entschlossen haben dem DDHF beizutreten um das Historische Fechten weiter zu fördern, die Qualität zu steigern und unsere Erfahrungen und unser Wissen dazu mit einzubringen.
Paul Becker, Trainer








