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Lichtblick: Bitte lächeln…

Freitag, 16. Januar 2015, 07:00 Uhr
… lese ich auf einem Schild, als ich mein Auto abgebe zur Durchsicht. Prompt lächle ich. Der Meister und ich sind uns schnell einig. Wir sind alle oft so muffelig, es muss mehr gelächelt werden. Mittags habe ich es schon wieder vergessen, als ich mein Auto hole. Langsam muss ich mir wirklich Gedanken machen: Mit welcher Miene laufe ich denn herum, wenn ich dauernd ein Schild brauche: Bitte lächeln...


Eins stimmt: Wer fröhlich Hallo sagt oder Guten Morgen, bekommt meist eine fröhliche Antwort. Und schon sieht der Tag besser aus. Verordnen kann man das mit der guten Laune freilich nicht. Wer ist schon im Büro oder im Geschäft den ganzen Tag nur toll drauf? Da überzeugt mich mein Autohändler mehr mit seinem Schild. Und dann lese ich da noch ein Schild: „Freundlichkeit ist ein Bumerang. Sie kommt zurück!“

Diesen Satz müsste man dringend überall aufhängen, groß, bunt und in allen Sprachen. In Büros, Geschäfte und quer über die Straßen. Vor allen Dingen für die Allgemeinheit gedacht und nicht nur für die Verkäuferinnen und Angestellten in Läden und Amtsstuben.

Was sich Verkäuferinnen im Laden mitunter anhören müssen, geht auf keine Kuhhaut. Oder die Mitarbeiterinnen in Einwohnermeldeämtern, wenn es um neue Pässe geht. Oder kritisieren sie mal in der Stadt einen Autofahrer, der auf dem Bürgersteig parkt. Was sie da manchmal an Unverschämtheiten zur Antwort bekommen! Jetzt komm ich! Was scheren mich andere? Ich will mein Recht und meinen Pass und meine Jacke und meinen Parkplatz und meine Vorfahrt und das sofort! Das scheint bei vielen offensichtlich das Lebensmotto. Denen hat wohl niemand die kluge Erkenntnis beigebracht: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!

So ähnlich wie der Volksmund hat das Jesus in der Bergpredigt auch schon formuliert. Die Forderung, mit den Mitmenschen human umzugehen, bezeichnet er als Quintessenz der Gebote Gottes. Jesus setzt voraus, dass jeder Mensch gut behandelt werden möchte und aus dieser Überlegung heraus selbst menschlich handelt. Mir scheint, wir sollten im Umgang miteinander und in der Erziehung unserer Kinder wieder mehr Wert auf angeblich verstaubte Werte legen.

Zum Beispiel Achtung der Person und der Würde dessen, mit dem ich gerade zu tun habe. Das heißt nicht, auf mein Recht zu verzichten. Aber eine Gesellschaft voller Egoisten mit spitzen Ellenbogen widerspricht der Botschaft Jesu und unserem christlichen Glauben. Also denken wir dran: „Freundlichkeit ist ein Bumerang, sie kommt zurück!“
Pfarrer Thomas Reim, Nordhausen

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Autor: red

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