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Wird der Landkreis wieder links?

Dienstag, 23. Dezember 2014, 15:48 Uhr
Kürzlich erschien im Hauptteil einer Thüringer Zeitung, die in Weimar erscheint, ein groß aufgemachter Beitrag unter dem Titel „Rot-rote Sondierungen vor der Landratswahl in Nordhausen“. Der hat es in sich, gibt er doch tiefgründige Ein-und Ausblicke über das politische Geschehen hierzulande...


Nordhausen. Dagmar Becker, die jüngst wieder als Abgeordnete über die SPD-Liste in den Landtag kam, ist Kreischefin der Sozialdemokraten. Welche Ziele sie verfolgt, wird deutlich. Wörtlich:

„Der Kreis und die Stadt Nordhausen waren in jüngster Zeit schon immer links. Die Linke ist hier ziemlich stark geworden. Wir hatten eine Landrätin und wir haben eine direkt gewählte Landtagsabgeordnete der Linken. Also: Die Stadt Nordhausen wählt links. Wir müssen nur sehen, wen sie links wählt – die SPD oder die Linke?! Das hängt von den Kandidaten ab. Da versuchen wir eine eigene Linie zu finden. Wir arbeiten an einer strategischen Konzeption mit der Linken.“

Der Erfolgt hängt laut Becker von dem Kandidaten ab, den man ins Rennen schickt. Wird das nicht Matthias Jendricke für die SPD? Er will in den Ring steigen. Vier Jahre war er Vize-Landrat und wäre für das Amt prädestiniert. Gewiss, eine unerfreuliche Affäre kostete ihm Sympathien. Doch der Mann ist klüger in der Wortwahl, reifer und überlegter in seinen Handlungen geworden.

Doch Dagmar Becker will ihn erst noch durch die politische Knochenmühle schicken. „Nein, Herr Jendricke ist nicht unser Kandidat, sondern einer von vielen“, zitiert sie die Weimarer Zeitung. Lässt man den Nebensatz weg, bleibt als Hauptsatz stehen: „Nein, Herr Jendricke ist nicht unser Kandidat.“ Ein Affront gegen den wohl erfolgreichsten Kandidaten der Sozialdemokraten? Oder ist es nur eine unglückliche Formulierung?

Becker will intensive Gespräche mit den Linken und den Grünen, wiegt alle Optionen ab. Und hebt Jutta Krauth auf die Kandidaten-Bühne. Ihre Bereitschaft habe die derzeit amtierende Landrätin auch erklärt. Warum jetzt der Name Jutta Krauth? Es darf spekuliert werden:

Wird Jendricke mithilfe der Linken Landrat, könnten diese Anspruch auf den Vizeposten erheben. Den müsste dann Krauth am Ende ihrer jetzigen Wahlperiode räumen. Das vermutlich will Dagmar Becker, die Krauth einst aus Erfurt nach Nordhausen holte, verhindern. Ein Ränkespiel um Macht, um Einfluss, ums Überleben? Oder ein gut überlegtes Kalkül? Jendricke hat an der Basis seiner Partei größeren Rückhalt als Jutta Krauth.

Auch in der gerade zu Ende gegangenen Umfrage der nnz liegt Jendricke klar vor Krauth. Ihr und ihrer Kreisvorsitzenden dürfte das bekannt sein. Allein mit den Stimmen der Sozialdemokraten wird Jendricke aber vermutlich kein Landrat.

Ein parteiübergreifendes Bündnis muss her. Rot-Rot-Grün – wie in Erfurt. Vielleicht mit Katja Mitteldorf oder Alexander Scharff als Linke-Kandidaten? Es bleibt die Frage, ob diese Variante den Beifall aller Sozis findet. Ein Nordhäuser Journalist stellte über diese Thematik schon tiefschürfende Betrachtungen an, die bei der SPD heftige Kritik ausgelöst haben sollen. Von einer möglichen Klageprüfung sei sogar die Rede.

Auch bei der CDU ist die Kandidatenfrage noch nicht geklärt. Egon Primas, Landtagsabgeordneter und Chef der CDU-Kreistagsfraktion, wird 63. Wahlperioden als Landrat dauern sechs Jahre. 69 Jahre wäre Primas dann. Die Frage sei, ob man das von ihm noch verlange. Gegenüber der nnz hatte er bereits abgewunken. Frank Rostek, Bürgermeister der Kali-Stadt, und Ex-Staatssekretärin Inge Klaan sagten ab.

Primas aber hat einen heißen Kandidaten, den er auch schon mal öffentlich präsentiert: „Den ersten Zugriff hat aus meiner Sicht der 2. Beigeordnete im Kreis, Stefan Nüßle.“

Die FDP hat sich als einzige Partei schon entschieden. Für die frisch gebackene Thüringer FDP-Landesvorsitzende Franka Hitzing. Von Beruf Lehrerin und Ortsbürgermeisterin in Friedrichsthal steht sie einer kleinen Fraktionsgemeinschaft aus Liberalen und Freien Wählern im Kreistag vor. Die liberale Landeschefin gilt als ehrgeizig und durchsetzungsfähig. Allerdings, so scheint es, ist Hitzing Mitglied einer Partei, die sich von der politischen Bühne dieses Landes gerade verabschiedet hat.

Bleibt also noch ein parteiloser Kandidat, der von der CDU präsentiert werden könnte? Namen schwirren durch den Raum, sie als Gerüchte zu verbreiten, wäre unfair. Das ist nicht der Stil dieser Zeitung.
Kurt Frank
Autor: red

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