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nnz-Forum: Anfang zum Nachdenken

Sonntag, 14. Dezember 2014, 18:33 Uhr
Der Aufruf, der mit dem obigen Beitrag an alle Menschen geht, die sich dem aberwitzigen Abbauvorhaben in der Rüdigsdorfer Schweiz entgegenstellen möchten, wird hoffentlich von vielen Einwohnern im Landkreis Nordhausen gehört. „Die Kräfte müssen besser gebündelt werden“, ist dort zu lesen...


Bei diesen Zeilen werden sich die Unternehmen ins gipsmehlbestäubte Fäustchen lachen. Denn während wir Widerständler erst dabei sind, uns zu sammeln, werden bereits Probebohrungen niedergebracht. In Ellrich hat man die 25 Jahre genutzt, die etwa seit dem Bekanntwerden von Abbaubestrebungen am Winkelberg verstrichen sind.

Casea schuf in der Zwischenzeit, gut gedeckt vom „DDR-Unrecht“ Berggesetz Tatsachen. Zu viel Zeit ist bereits verstrichen. Jetzt, wo die Messen schon fast gesungen sind, wird bei den Abbaugegnern mobil gemacht.

Natürlich ist dies nur bedingt denjenigen Aktiven vorzuwerfen, die es geschafft haben, innerhalb weniger Tage 100 Demonstranten zum Protest auf den Winkelberg zu bringen. Die Wirtschaft sitzt in diesem Land am längeren Hebel, ganz im Stillen nutzt sie Kanäle, von denen kaum jemand Näheres weiß, Stillschweigen selbstverständlich. Und plötzlich wird ein hässliches, aber sehr robustes Entlein geboren.

Dennoch war das Damoklesschwert Gipsabbau auch für die Öffentlichkeit stets präsent. Der Kampf für eine Novellierung des Berggesetzes und gegen manche Laschheit der Kommunen hätte seit der Widervereinigung konsequenter denn je geführt werden können und müssen.

Auch heute hat man eine Chance zur angemahnten Bündelung der Kräfte vertan: Warum frage ich mich, wurde angesichts der wunderbaren Anwesenheit von 100 Demonstranten nicht gleich der nächste Demonstrationstermin verkündet?

Jemand hätte zudem nur an dem Transparent entlangzugehen brauchen, um von jedem, der dieses festhielt, die Mailadresse für eine künftig schnellere und bessere Informationsverbreitung zu notieren. – Der obige Beitrag beantwortet die Frage nicht, an wen sich denn alte oder heute frisch gebackene Gipsabbaugegner wenden können, wenn sie protestieren möchten. Gespräche mit Petersdorfern während der Demonstration bestätigten mir hier bestehende Unsicherheiten.

Wenn wir den Kampf gegen den Goliath Gipsindustrie gewinnen wollen, darf die heutige, sehr erfreuliche Willensbekundung nur ein allererster Anfang sein. Mit Lernfunktion.

Schließlich drohen Abbaumaßnahmen potentiell oder tatsächlich nicht nur am Winkelberg. Hohe Schleife und Günzdorf lassen grüßen. Das Industriegebiet ist im Entstehen, die Biomethananlage wird gebaut und irgendwann steht eventuell der Kleine Ehrenberg bei Rothesütte vor der Zerstörung: Die Planungen für ein Pumpspeicherwerk gehen unvermindert weiter.

Solange sich aber vielfach nur dann zu Wort gemeldet wird, wenn es vor der eigenen Haustür ungemütlich zu werden droht, werden die Wirtschaft und die von ihr getragene Politik gewinnen. Das Sankt-Florians-Prinzip, „Verschone mein Haus und zünde andere an“, kommt beiden Partnern entgegen.

Längst scheinen wir den Blick auf die bereits stattfindenden oder noch drohenden Eingriffe und vor allem auf die Dimension des Gesamtdesasters verloren zu haben. „Es muss weiter gehen, es müssen mehr werden. Die Kräfte der Region müssen besser gebündelt werden. Es geht alle an! Nicht nur Petersdorf und Rüdigsdorf.“ Lasst nun den Worten Taten folgen.
Bodo Schwarzberg
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Autor: red

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