Diplomatie – ein Fremdwort für Jäger?
Samstag, 13. Dezember 2014, 16:56 Uhr
Warum nur gibt es so viele Vorbehalte gegen uns Jäger?, fragte mich heute ein mir bekannter Weidmann. Zur Hubestusmesse (nnz berichtete) im Dom habe das auch Egon Primas beklagt. Wir machen doch alles richtig, betonte er. Darüber plauderten wir sodann über eine Stunde. Gemütlich bei einer Tasse Kaffee...
Südharz. Mein Gesprächspartner verwies auf die 400 Männer und Frauen, die im Südharz auf Pirsch gingen. Mehr oder weniger intensiv. Sie hegten, pflegten und ernteten das Wild. Jeder sei bemüht, Vorbehalte gegenüber der Jägerei abzubauen. Handelt auch jeder diplomatisch?, fragte ich ihn. Wie ich das meine, wollte er wissen.
Ich erinnerte ihn an einen Beitrag in der nnz, der die Rehkitzretter Uwe Merx aus Kehmstedt und Dieter Göbel aus Wolkramshausen vorstellte. Sie schilderten ihre lobenswerten Bemühungen, die kleinen Bambis vor den Schneidwerken der Mähmaschinen zu bewahren.
Beim traditionellen Treffen im Gemeindejagdbezirk Herrmannsacker wurde aber zur Hubertusjagd neben Fuchs und Wildschwein auch ein Rehkitz gestreckt. War das klug? Auf jeden Fall legal, hob mein Gesprächspartner hervor. Jung- gehe vor Alttier. Die Frage ist nur, ob es weise war, das mit dem Kitz auch noch öffentlich hinaus zuposaunen. Da wiegte der Weidmann den Kopf.
Ich kam auf einen Leserbrief zu sprechen, den uns L. Halawitschka schrieb. Was er bei einer Wanderung durch die Heringer Flur (nnz informierte bereits) mit seiner Familie erlebte, machte sie sprachlos. Im Eichental fanden die Kinder direkt neben dem Wanderweg eine ungefähr 100 Quadratmeter große Stelle, auf der großflächig Äpfel, Kartoffeln, Maiskolben, Rüben und Maiskörner verstreut lagen. Weitaus mehr als 5 Kilogramm. Ob das noch mit der Jagd zu tun hätte, fragte Halawitschka.
Ja, meinte mein Gegenüber. Die Kirrung, das Anfüttern von Wild, um es sicher zu erlegen, sei eine legale Jagdmethode. Er selbst lehne sie aber ab. Auch Revierförster, die er kenne. Manche halten sie für unweidmännisch. Doch sie ist nun mal erlaubt. Eine große Dummheit des Jägers wäre es gewesen, diese Methode für jeden Wanderer auch noch gut sichtbar zu demonstrieren. Der Mann soll eine Kopfwäsche bekommen haben.
Wie kamen auf den Elefantenjäger zu sprechen. Auch er handelte völlig legal. Der Bulle war zum Abschuss freigegeben. Der Aufschrei der Empörung ging dennoch durch alle Medien, weil sich der Jäger öffentlich mit Bild ob seiner Tat rühmte. Zurecht sei sein Verhalten kritisiert worden, meinte mein Gesprächspartner.
Klaus Thiermrodt, der ehemalige Leiter des Forstreviers Christianenhaus, betreibt heute eine Jagdschule. Gelehrt werden Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Jagd- und Waffenrecht, Wildkunde, Umgang mit der Waffe, Ethik. Könnte das Fach Diplomatisches Verhalten den Lehrplan bereichern? Mein Bekannter kam ins Grübeln.
Jagd ist ein Kulturgut. Ob das militante Jagdgegner begreifen, darf bezweifelt werden. Um die soll es hier nicht gehen. Sie sind in der Minderheit. Um die vielen anderen Menschen sollten sich die Weidmänner und -frauen bemühen. Intensiv. Um die Jagd als eine Notwendigkeit zu begreifen. Mein Gesprächspartner stimmte mir ohne Vorbehalte zu.
Ich erwähnte Grünröcke, die sich um den Naturschutz und um die Erhaltung seltener Arten verdient machen. Den Revierförster Wolfhard Gerlach zum Beispiel. Vor Jahren schuf er Biotope für Amphibien. Und freute sich, wenn er die Frösche quaken hörte. Leider versiegten die Tümpel. Gerlach will sich aber nicht entmutigen lassen.
Dem Falkner Erhard Förster liegt der Schutz von Greifvögeln am Herzen. Auf der Kalihalde Bleicherode brachte er Nisthilfen für Turmfalken an, die er betreut. Förster züchtet auch Wanderfalken.
Von derlei Beispielen, die Wildfütterung mal ausgenommen, erfahre die Öffentlichkeit kaum etwas, beklagte ich. Nur immer von Jagdstrecken und der Anzahl des erlegten Wildes: Schwarzkittel, Muffel-, Reh-, Dam –und Rotwild, samt Waschbär und Fuchs. Das wird mitunter als eine großartige Leistung gepriesen.
In der Summe der hier geschilderten Fälle, auch wenn sie legitim waren, sehen viele Bürger ein unschönes Bild. Wie zur Bekräftigung meiner Worte bemerkte mein Kaffeegast, keine Katze mehr zu erschießen, auch wenn sie sich mehr als 200 Meter vom nächsten Gehöft entfernt haben sollte.
Aus dem schlechten Image, das die Jagd umgibt, herauszukommen, bedarf es wohl noch großer Anstrengungen. Und Diplomatie. Du hast recht, unterstrich mein Bekannter. Fortan will er seinen Teil dazu beitragen und über vielseitigen Naturschutz der Grünröcke berichten.
Kurt Frank
Autor: redSüdharz. Mein Gesprächspartner verwies auf die 400 Männer und Frauen, die im Südharz auf Pirsch gingen. Mehr oder weniger intensiv. Sie hegten, pflegten und ernteten das Wild. Jeder sei bemüht, Vorbehalte gegenüber der Jägerei abzubauen. Handelt auch jeder diplomatisch?, fragte ich ihn. Wie ich das meine, wollte er wissen.
Ich erinnerte ihn an einen Beitrag in der nnz, der die Rehkitzretter Uwe Merx aus Kehmstedt und Dieter Göbel aus Wolkramshausen vorstellte. Sie schilderten ihre lobenswerten Bemühungen, die kleinen Bambis vor den Schneidwerken der Mähmaschinen zu bewahren.
Beim traditionellen Treffen im Gemeindejagdbezirk Herrmannsacker wurde aber zur Hubertusjagd neben Fuchs und Wildschwein auch ein Rehkitz gestreckt. War das klug? Auf jeden Fall legal, hob mein Gesprächspartner hervor. Jung- gehe vor Alttier. Die Frage ist nur, ob es weise war, das mit dem Kitz auch noch öffentlich hinaus zuposaunen. Da wiegte der Weidmann den Kopf.
Ich kam auf einen Leserbrief zu sprechen, den uns L. Halawitschka schrieb. Was er bei einer Wanderung durch die Heringer Flur (nnz informierte bereits) mit seiner Familie erlebte, machte sie sprachlos. Im Eichental fanden die Kinder direkt neben dem Wanderweg eine ungefähr 100 Quadratmeter große Stelle, auf der großflächig Äpfel, Kartoffeln, Maiskolben, Rüben und Maiskörner verstreut lagen. Weitaus mehr als 5 Kilogramm. Ob das noch mit der Jagd zu tun hätte, fragte Halawitschka.
Ja, meinte mein Gegenüber. Die Kirrung, das Anfüttern von Wild, um es sicher zu erlegen, sei eine legale Jagdmethode. Er selbst lehne sie aber ab. Auch Revierförster, die er kenne. Manche halten sie für unweidmännisch. Doch sie ist nun mal erlaubt. Eine große Dummheit des Jägers wäre es gewesen, diese Methode für jeden Wanderer auch noch gut sichtbar zu demonstrieren. Der Mann soll eine Kopfwäsche bekommen haben.
Wie kamen auf den Elefantenjäger zu sprechen. Auch er handelte völlig legal. Der Bulle war zum Abschuss freigegeben. Der Aufschrei der Empörung ging dennoch durch alle Medien, weil sich der Jäger öffentlich mit Bild ob seiner Tat rühmte. Zurecht sei sein Verhalten kritisiert worden, meinte mein Gesprächspartner.
Klaus Thiermrodt, der ehemalige Leiter des Forstreviers Christianenhaus, betreibt heute eine Jagdschule. Gelehrt werden Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Jagd- und Waffenrecht, Wildkunde, Umgang mit der Waffe, Ethik. Könnte das Fach Diplomatisches Verhalten den Lehrplan bereichern? Mein Bekannter kam ins Grübeln.
Jagd ist ein Kulturgut. Ob das militante Jagdgegner begreifen, darf bezweifelt werden. Um die soll es hier nicht gehen. Sie sind in der Minderheit. Um die vielen anderen Menschen sollten sich die Weidmänner und -frauen bemühen. Intensiv. Um die Jagd als eine Notwendigkeit zu begreifen. Mein Gesprächspartner stimmte mir ohne Vorbehalte zu.
Ich erwähnte Grünröcke, die sich um den Naturschutz und um die Erhaltung seltener Arten verdient machen. Den Revierförster Wolfhard Gerlach zum Beispiel. Vor Jahren schuf er Biotope für Amphibien. Und freute sich, wenn er die Frösche quaken hörte. Leider versiegten die Tümpel. Gerlach will sich aber nicht entmutigen lassen.
Dem Falkner Erhard Förster liegt der Schutz von Greifvögeln am Herzen. Auf der Kalihalde Bleicherode brachte er Nisthilfen für Turmfalken an, die er betreut. Förster züchtet auch Wanderfalken.
Von derlei Beispielen, die Wildfütterung mal ausgenommen, erfahre die Öffentlichkeit kaum etwas, beklagte ich. Nur immer von Jagdstrecken und der Anzahl des erlegten Wildes: Schwarzkittel, Muffel-, Reh-, Dam –und Rotwild, samt Waschbär und Fuchs. Das wird mitunter als eine großartige Leistung gepriesen.
In der Summe der hier geschilderten Fälle, auch wenn sie legitim waren, sehen viele Bürger ein unschönes Bild. Wie zur Bekräftigung meiner Worte bemerkte mein Kaffeegast, keine Katze mehr zu erschießen, auch wenn sie sich mehr als 200 Meter vom nächsten Gehöft entfernt haben sollte.
Aus dem schlechten Image, das die Jagd umgibt, herauszukommen, bedarf es wohl noch großer Anstrengungen. Und Diplomatie. Du hast recht, unterstrich mein Bekannter. Fortan will er seinen Teil dazu beitragen und über vielseitigen Naturschutz der Grünröcke berichten.
Kurt Frank
