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Lern- und Dokumentationszentrum

Sonntag, 27. Mai 2001, 10:23 Uhr
Nordhausen (nnz). Die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora soll in den kommenden Jahren in ein Lern- und Dokumentationszentrum umgebaut werden. nnz berichtete bereits am Freitag ausführlich. Als Vertreter des Landrates nahm Manfred Thiel an allen Phasen des Architektenwettbewerbes teil. Somit konnten die Interessen des Landkreises Nordhausen direkt mit in die Arbeit des Preisgerichtes einfließen. nnz geht an dieser Stelle noch einem genauer auf den Inhalt des Wettbewerbs und die Konsequenzen der Realisierung seiner Ergebnisse ein. Ein Dankeschön an Manfred Thiel, der nnz das folgende Material zur Verfügung stellte.


Mit der nunmehr feststehenden Förderung der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora durch den Bund sind die Voraussetzungen für ihren geplanten Ausbau geschaffen. Seit September 2000 läuft ein von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora ausgelobter internationaler Ideen- und Realisierungswettbewerb für den Neubau eines Verwaltungs- und Museumsgebäudes sowie zur Gestaltung des ehemaligen Lagergeländes. Die Resonanz auf die Ausschreibung war erfreulich hoch: Für die erste Phase der Wettbewerbes wurden über 130 Arbeiten eingereicht, von denen das Preisgericht, das mit international bekannten Architekten und Sachverständigen besetzt ist, Ende Dezember 25 für eine zweite Phase ausgewählt hat. Nach einer Überarbeitungs- und Vertiefungsphase hat das Preisgericht am 25. Mai 2001 aus 24 eingereichten Entwürfen fünf Preisträger benannt.

Nun soll möglichst bald mit dem Neubau des Lern- und Dokumentationszentrums Mittelbau-Dora begonnen werden. Kern des neuen Gebäudes wird ein Museum sein, in dem auf mindestens 500 Quadratmeter eine neue Dauerausstellung zur Geschichte des KZ Mittelbau-Dora gezeigt werden soll. Im Mittelpunkt der neuen Ausstellung soll nicht die Raketenproduktion im unterirdischen Mittelwerk, sondern das eigentliche Spezifikum der Geschichte dieses Konzentrationslagers stehen: Mittelbau-Dora steht paradigmatisch für den Versuch der Untertageverlagerung der deutschen Rüstungsindustrie und die dabei praktizierte rücksichtslose Ausbeutung der Häftlinge, deren Tod bewußt einkalkuliert wurde. Zugleich unterschied sich das KZ Mittelbau-Dora von anderen Konzentrationslagern dadurch, daß es sich aus einem Komplex zahlreicher Einzellager zusammensetzte, die als funktionale Einheit betrachtet werden müssen. Schließlich zeigt Mittelbau-Dora, wie stark die Konzentrationslager im letzten Kriegsjahr in ihr gesellschaftliches Umfeld eingebettet waren.

Das Museum und die Gestaltung des Gedenkstättengeländes sollen verdeutlichen, daß es sich nicht um einen Ort der Technikfaszination, sondern des Gedenkens und der Auseinandersetzung mit der Geschichte handelt. Mittelbau-Dora darf nicht als Unterkapitel der Entwicklung der Raketenwaffe und schließlich der Raumfahrt bis zur geglückten Mondlandung und darüber hinaus erscheinen. Weder geht es darum, das aus Bösem Gutes werden kann, noch darum, dass Fortschritt seinen Preis hat, sondern es geht um die rücksichtslose Verwertung von Häftlingen für den totalen Krieg und um die Frage individueller Verantwortung für die Folgen scheinbar nur sachorientierten, vordergründig unpolitischen Handelns.
Autor: nnz

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