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Minister im nnz-Interview

Mittwoch, 12. Mai 2004, 12:43 Uhr
Nordhausen (nnz). Rohstoffabbau, FFH-Nachmeldung, Industriegebiet Goldene Aue sowie Autobahnen und Straßenbau – all das sind Themen, über die zur Zeit im Landkreis Nordhausen diskutiert wird. Die nnz führte dazu ein Interview mit dem Thüringer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur, Jürgen Reinholz (CDU).


Minister im nnz-Interview (Foto: nnz) Minister im nnz-Interview (Foto: nnz) nnz: Herr Reinholz, die FFH-Nachmeldung des Winkelberges aus die EU ist ja nun beschlossene Sache. Wie aber soll es mit dem Rohstoffabbau im Südharz überhaupt weitergehen?

Reinholz: Die Nachmeldung des Winkelberges entspricht weitgehend den politischen Intentionen der Landesregierung, den Bereich der Rüdigsdorfer Schweiz und insbesondere auch den Winkelberg im heutigen, naturnahen Zustand zu belassen. Das sehe ich aber auch als Chance und als Herausforderung an, nun im Südharz unter Einbeziehung seiner einmaligen Gipskarstlandschaft den Tourismus weiter zu entwickeln. Ein Anfang ist mit der Etablierung eines Golfplatzes bei Neustadt getan worden. Doch dabei dürfen wir nicht stehen bleiben. Ich meinerseits kann den Verantwortlichen für Tourismus dabei die Unterstützung des Ministeriums anbieten. Die Ideen und Konzepte müssen jedoch aus der Region heraus kommen.

Wie es vor allem in Niedersachswerfen mit dem Rohstoffabbau weitergehen soll, kann im Moment nicht eindeutig gesagt werden. Nach der Wildgruber-Insolvenz wurden sowohl die Produktion als auch der Rohstoffabbau im Tagebau Niedersachswerfen eingestellt. Das Bergwerkseigentum am Kohnstein hält derzeit einerseits die Firmengruppe Knauf zu 74 Prozent und die Unternehmensgruppe Webersberger zu 26 Prozent, die auch beabsichtigt, den Rohstoffabbau fortzuführen. Gegenwärtig ist eine Lösung nicht absehbar.


nnz: Herr Minister, Sie haben vor einigen Tagen die Vorgänge um das künftige Industriegebiet in der Goldenen Aue heftig kritisiert. Hat das Gebiet überhaupt noch eine Chance?

Reinholz: Die Chance, die Region entlang der künftigen Autobahn zu einem Industriegebiet zu entwickeln ist immer noch gegeben, nur sie ist nicht unendlich lang. Der Bebauungsplan befindet sich nach meinem Kenntnisstand im Verfahren, die Abwägung ist erfolgt, ein Beschluß in Vorbereitung. Nur, das muß ich sagen, sind im Verband in den zurückliegenden Jahren einige Fehler passiert, die das gesamte Verfahren in die Länge gezogen haben. Für die Bearbeitung des Bebauungsplanes stellte das Land Thüringen rund 76.000 Euro an Fördermitteln bereit.

In den vergangenen Jahren gab es durchaus ein Ansiedlungsinteresse für großflächige Industriestandorte in der Region. Nach Informationen der LEG gibt es jedoch gegenwärtig keine konkreten Ansiedlungsinteressen für das Industriegebiet in der Goldenen Aue. Das ist aus meiner Sicht auch verständlich, weil das Industriegebiet immer noch nicht als solches ausgewiesen wird. Auch aus diesem Grund dränge ich den Verband, die Vorbereitungen zu einer möglichen Erschließung zügig vorzubereiten und abzuschließen, damit es potentiellen Investoren angeboten werden kann.

Für den Standort Nordhausen konnten in den vergangenen Jahren zahlreiche Erfolge bei der Unternehmensansiedlung erreicht werden. Die LEG betreut derzeit zwei Interessenten aus dem Bereich der Kfz-Zulieferindustrie. Da die Gespräche hierzu noch nicht abgeschlossen sind, möchte ich um Verständnis bitten, daß momentan keine näheren Angaben gemacht werden können.


nnz: Ein Wort zur Autobahn und zu den Bundesstraßen im Landkreis Nordhausen. Was ist da in den kommenden Jahren zu erwarten?


Reinholz: Die komplette Fertigstellung der A 38 wird im Thüringer Abschnitt erst Ende 2007 erfolgen. Hintergrund ist dabei der geologisch komplizierte Abschnitt zwischen Bleicherode und Breitenworbis. Derzeit sind im Freistaat im Zuge der A 38 mehr als 28 Kilometer unter Verkehr. Die Strecken von Niedersachsen bis Arenshausen, von Bleicherode bis Wipperdorf und von Heringen bis zur Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt sowie der Talbrücken und der 1.724 Meter lange grenzüberschreitende „Heidkopftunnel – Tunnel der Deutschen Einheit“ sind im Bau. Auf dem 7,1 Kilometer langen Abschnitt von Arenshausen bis Heiligenstadt soll in diesem Monat der Streckenbau beginnen und schließlich wird der Planfeststellungsbeschluß für den 15,7 Kilometer langen Streckenabschnitt von Heiligenstadt bis Leinefelde in Kürze erwartet.

Im Bereich der Bundesstraßen wird gegenwärtig untersucht, ob die B 4 auf einer Länge von drei Kilometern einen vierspurigen Neubau erhalten wird. Der soll im Bereich der Sundhäuser Berge östlich der vorhandenen Trasse erfolgen. Ein Planfeststellungsverfahren soll bis zum Jahr 2006 abgeschlossen sein. Für die B 243 steht die Linienführung von der Landesgrenze zu Niedersachsen bis zur Anschlussstelle an die A 38 bereits fest. Die weitere Planung, bis hin zum Baurecht, erfolgt dann abschnittsweise.


nnz: Herr Reinholz, wie sehen Sie die wirtschaftliche Zukunft für den Landkreis Nordhausen?

Reinholz: Die wirtschaftliche Zukunft hängt von sehr vielen Faktoren ab, nur ein sehr kleiner Teil davon kann in Thüringen selbst bestimmt werden. Die Unternehmen brauchen Bedingungen, die ihnen ein stabiles Wachstum ermöglichen. Sie brauchen aber mit Sicherheit keine neuen Steuern, keine neuen bürokratischen Hürden und auch keine Ausbildungsplatzabgabe. Für die Stadt Nordhausen wird sich die verkehrsgünstige Lage und die sich zunehmend verbessernde Infrastruktur als ein großes Plus auswirken. Die Standortqualität und vor allem die überregionale Anbindung wird durch die A 38 erhöht. Aber auch für die Nordhäuser Wirtschaft und für Unternehmen, die sich ansiedeln wollen, ist wichtig, daß es in den nächsten Jahren eine punktgenaue Investitionsförderung geben wird. Sie wird unverzichtbar sein und ist Voraussetzung für die Schaffung wettbewerbsfähiger Arbeitsplätze. Die Wirtschaftsförderung aller Ebenen darf sich aber nicht nur auf diese Investitionsförderung erschöpfen, sondern muß das gesamte Spektrum standortverbessernder Maßnahmen beinhalten. So wird letztlich auch der Tourismus von dieser erhöhten Standortqualität profitieren.

nnz: Herr Reinholz, vielen Dank für das Interview.
Autor: nnz

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