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Thüringer Dialekt - was unsere Sprache ausmacht

Donnerstag, 30. Oktober 2014, 17:33 Uhr
Thüringisch, genau genommen Thüringisch-Obersächsisch ist nicht dasselbe wie Sächsisch, Umfragen nach der unbeliebteste Dialekt in Deutschland. Beides ist durchaus miteinander verwandt, aber eben nicht dasselbe, ein Punkt auf den viele Thüringer Wert legen...


In der jungen Generation wird der Thüringer Dialekt wie viele andere Mundarten immer weniger gepflegt. Urlauber, die nach Erfurt oder in umliegende Gegenden fahren, werden dennoch wahrscheinlich damit konfrontiert werden – und unter Umständen nicht immer verstehen, was gerade gemeint ist. Es kann sich lohnen, sich vor der Fahrt ein wenig mit dem Thüringischen auseinanderzusetzen.

Auch vom Thüringischen gibt es verschiedene Ausprägungen, so wie nicht in jeder Gegend Oberbayerns derselbe Dialekt gesprochen wird. Die folgenden Merkmale des Thüringischen gelten deshalb nicht für jede Form des Dialekts. Sie treffen vor allem auf den Mittelthüringer Dialekt zu, der zum Beispiel in Erfurt gesprochen wird.
  • Das „P“ wird gerne zu einem B. So wird aus der Polizei im Thüringischen oft die „Bolizei“, was keineswegs auf fehlenden Respekt schließen lässt.
  • Aus der Silbe „-tig“ machen Thüringer dagegen ein „-sch“. Bekannt ist das Beispiel „fertsch“ statt „fertig“.
  • Eine Ähnlichkeit zum Sächsischen werden viele Personen wohl unter anderem darin sehen, dass ein „g“ häufig durch ein „ch“ ersetzt wird. Das bedeutet, aus „fragen“ wird „frachen“.
  • Mit dem Genitiv verbindet die Thüringer keine große Freundschaft. Sie ersetzen ihn stattdessen durch Formulierungen wie „meinem Vater sein Auto“ oder „der Kopf von dem Hund“.
  • Die Funktion von „niemand“ und „jemand“ nehmen dagegen Formen von eine, einer, eins ein sowie kein einziger oder keins. Daraus resultieren Sätze wie „Ist kein einziger schon da?“
  • Ein „e“ wird grundsätzlich in ein „ä“ verwandelt. Das beginnt bei dem Namen „Ärfurt“.
Auch in Thüringen kann es passieren, dass bei der Fahrt in einen Nachbarort eine unsichtbare Sprachgrenze überschritten wird und auf einmal vieles anders klingt. Das kennen jedoch auch die Franken von zu Hause.

Beispiele für thüringische Worte

Natürlich gibt es auch in Thüringen spezielle Worte, die man vorher kennen muss, um ihre Bedeutung zu verstehen. Dazu gehören beispielsweise die folgenden:
  • „Bemme“: ein geschmiertes Brot, in etwa dasselbe wie ein „Pausenbrot“
  • „geigeln“: Unfug treiben
  • „flotter Otto“: Durchfall
  • „einen laufen haben“: sich unvernünftig verhalten
  • „Tach“: eine häufige Begrüßungsform, die für „guten Tag“ steht
  • „Wurscht“: egal. Damit haben Bayern im Regelfall keine Schwierigkeiten.
  • „Lutscher“: abwertende Bezeichnung für eine männliche Person.
  • „blem blem“: nicht ganz richtig im Kopf
  • „Glubschguggel“: bezeichnet hervorstehende Augen (Froschaugen)
Sie kennen einige dieser Wörter schon? Das ist gut möglich schließlich sind Dialekte unterschiedlich eng miteinander verwandt, auch solche, von denen man es nicht annimmt. Auch finden manche mundartliche Begriffe Eingang in eine allgemein gebräuchliche Umgangs- oder Jugendsprache. Das gilt auch für das Thüringische.

Wer mehr über Thüringisch wissen will, kann einen Blick ins Thüringische Wörterbuch werfen, das auch online verfügbar ist. Generelle wird Thüringisch vor allem noch von der älteren Bevölkerung gesprochen. In dieser Hinsicht gleicht es anderen Dialekten. Bei jungen Menschen wird der Dialekt zunehmend von Hochdeutsch verdrängt, das in Schule, Ausbildung und Beruf gefragt ist – schade, wie viele Anhänger der charmanten Mundart meinen.

Diese Informationen wurden uns freundlicherweise vom Übersetzungsbüro Fachuebersetzungsservice.com zur Verfügung gestellt, welches auch in Erfurt passende Übersetzungsbüros zur Verfügung stellt.
Autor: red

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