nnz-online

Mehr Kranke im vergangenen Jahr

Donnerstag, 16. Oktober 2014, 17:48 Uhr
Der Krankenstand im Landkreis Nordhausen und im Kyffhäuserkreis ist 2013, nach einem Rückgang 2012, wieder angestiegen. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen um 0,4 Prozent zu, während sie im gesamten Bundesland Thüringen nur um 0,2 Prozentpunkte angestiegen sind...


Mit 5,2 Prozent hatte die Region zudem einen höheren Krankenstand als der Landesdurchschnitt (4,8 Prozent). Damit waren an jedem Tag des Jahres von 1.000 DAK-versicherten Arbeitnehmern 52 krankgeschrieben. Der höchste Krankenstand in Thüringen wurde mit 5,4 Prozent in Eisenach und dem Wartburgkreis verzeichnet, der niedrigste mit 4,1 Prozent im Landkreis Greiz.

Wie der aktuelle DAK-Gesundheitsreport für den Landkreis Nordhausen und den Kyffhäuserkreis zeigt, veränderte sich im Vergleich zum Vorjahr bei einigen Diagnosen der Krankenstand. Die größte Steigerung um fast 31 Prozent wurde bei Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Bronchitis verzeichnet. Hintergrund waren deutlich mehr Erkrankungsfälle bei einer gleichzeitig längeren Krankheitsdauer. Hauptursache für Arbeitsausfall in der Region blieben Muskel-Skelett-Beschwerden wie Rückenschmerzen, bei denen ebenfalls ein Anstieg verzeichnet wurde.

Auch die Zahl der Verletzungen und Vergiftungen nahm etwas zu, blieb aber insgesamt unter dem Landesschnitt. Zurückgegangen sind hingegen psychische Erkrankungen, zu denen Angstzustände und Depressionen gehören. Die Ausfalltage aufgrund dieser Diagnose nahmen um fast 22 Prozent ab.

„Der gestiegene Krankenstand im Landkreis Nordhausen und dem Kyffhäuserkreis hat verschiedene Aspekte“, erklärt Jörn Sola von der DAK-Gesundheit die Ergebnisse. „Während Kurzzeit-Krankheiten wie Erkältungen für Arbeitgeber in der Regel leichter zu bewältigen sind, bedeuten längere Erkrankungen wie seelische Leiden meist größere Probleme.“ In Thüringen sind die Fehltage durch psychische Erkrankungen seit dem Jahr 2000 um 240 Prozent gestiegen. Deshalb unterstütze die Kasse auch Unternehmen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement und zeige Wege auf, wie sie die Beanspruchung ihrer Mitarbeiter durch effektive Prävention besser ausgleichen könnten.

Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport speziell die Situation der sogenannten Rushhour-Generation. Die „Rushhour“ bezeichnet die Lebensphase zwischen 25 und 39 Jahren, in der sich vielfältige Anforderungen aus Beruf und Familie ballen. Die Krankenkasse hat dafür den Krankenstand ihrer Mitglieder analysiert und bundesweit 3.000 Männer und Frauen repräsentativ befragt.

Ein Fazit: Obwohl viele Männer und Frauen ab 25 Jahren wegen Mehrfachbelastung unter Druck stehen, wirkt sich das kaum bei den Krankschreibungen aus. Sie fallen im Job seltener aus als jüngere Kollegen und sind kürzer krankgeschrieben als die Älteren. Im Vergleich zu den über 40-Jährigen haben sie 40 Prozent weniger Ausfalltage. Weiteres wichtiges Studienergebnis: Erwerbstätige Eltern leiden nicht mehr unter chronischem Stress als Berufstätige ohne Kinder.

Chronische Krankheiten kündigen sich an

„25- bis 39-jährige Arbeitnehmer sind besonders beansprucht“, so Sola „Die Bewältigung der Rushhour gelingt ihnen meist ohne gesundheitliche Nachteile. Sollen sie aber bis zur Rente produktiv bleiben, müssen Arbeitgeber nachhaltig in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren. Der in dieser Gruppe niedrigere Krankenstand darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in diesem Alter bereits erste Ansätze für chronische Krankheiten bilden.“ So waren in dieser Altersgruppe im Jahr 2013 in Thüringen rund 42 Prozent mit Rückenproblemen beim Arzt.

Unter den 20 häufigsten Einzeldiagnosen bei Männern gab es neben den akuten Beschwerden bereits langfristige Beeinträchtigungen: Knapp zehn Prozent der Männer ließen sich wegen Bluthochdruck behandeln, der häufig in Verbindung mit Stress und Bewegungsmangel steht. 27 Prozent der Beschäftigten mussten wegen eines psychischen Leidens zum Arzt. Diese Krankheitsbilder sind bei jüngeren Erwerbstätigen beachtenswert, da sie häufig wiederkehren und den Gesundheitszustand langfristig erheblich beeinträchtigen können.

Mütter sehen Karrierenachteil durch Kinder

Vor diesem Hintergrund ist es problematisch, dass erwerbstätige Eltern weniger auf ihre Gesundheit achten. Laut DAK-Studie machen viele Mütter und Väter im Spagat zwischen Job und Kindern Abstriche bei sich selbst. Berufstätige Eltern in Thüringen treiben seltener regelmäßigen Sport und schlafen weniger als Kinderlose. Weit mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, nicht genug Zeit für sich selbst zu haben. Außerdem fürchtet fast jede zweite Mutter Karrierenachteile durch ihre Kinder. Bei den Vätern geben dies nur knapp 14 Prozent an.

Betriebe haben Nachholbedarf

„In Sachen Familienfreundlichkeit haben viele Arbeitgeber in Thüringen noch Nachholbedarf“, betont Jörn Sola von der DAK-Gesundheit. Sehr oft lägen Wunsch und Wirklichkeit auseinander. So sind laut Studie sechs von zehn erwerbstätigen Eltern der Meinung, Gleitzeit würde ihren Alltag erleichtern, aber nur ein Drittel kann ein entsprechendes Angebot nutzen. Auch Betriebskindergärten oder -krippen sind bei ihnen beliebt aber nur eine kleine Minderheit der Firmen in Thüringen bietet sie an. Oft fehlt es den Eltern auch schlicht an mehr Verständnis: Jeder Zweite wünscht sich, dass Kollegen und Chefs seine Familiensituation bei der Planung von Terminen berücksichtigen, aber nur 24 Prozent können mit so viel Umsicht rechnen Sola: „In der Arbeitswelt werden die Bedürfnisse vieler Eltern nicht berücksichtigt. Das erschwert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“

Die DAK-Gesundheit hat rund 180.000 Versicherte in Thüringen, davon rund 10.000 im Landkreis Nordhausen und dem Kyffhäuserkreis.
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2021 nnz-online.de