nnz-online

Betriebskostenbremse wäre der bessere Ansatz

Mittwoch, 01. Oktober 2014, 09:59 Uhr
Die Verhandlungen zur "Mietpreisbremse" in Berlin stehen vor allem überregional auf der medialen Tagesordnung. Dabei werden die Beschlüsse auch Auswirkungen auf Gesellschaften wie die Wohnungsbaugenossenschaft haben. Bei der WBG hat man deswegen einmal nachgerechnet...

Die Thüringer Mieten sind mit durchschnittlich 4,65 Euro je Quadratmeter im Bundesvergleich niedrig und stabil anzusehen. Diese aktuelle Feststellung wird ebenfalls vom Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vtw) geteilt. Die Vermietungsquote der im Verband organisierten Unternehmen mit insgesamt 270.000 Wohnungen, hauptsächlich Wohnungsbaugenossenschaften und kommunale Wohnungsgesellschaften, liegt bei 93 %.
Die durchschnittlichen Nutzungsgebühren für die mehr als 7.000 Wohnungen der WBG Südharz belaufen sich aktuell auf 4,61 € je Quadratmeter Wohnfläche bei einer Vermietungsquote von 96 %. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass rund 75 % der Bestände der WBG Südharz bereits vollsaniert und weitere 20 % teilsaniert sind.

Natürlich muss auch seitens der WBG Südharz bei der Neuvermietung einer Wohnung die Grundnutzungsgebühr angepasst werden, schließlich entstehen bei der Herrichtung der neu zu vermietenden Wohnung erhebliche Kosten, die refinanziert werden müssen. In den zurückliegenden Jahren waren das jährlich über drei Millionen Euro. Die Ansprüche, die Wohnungssuchende im Jahr 2014 an eine bezugsfertige Wohnung stellen, sind mit denen vor 15 oder 20 Jahren nicht zu vergleichen. Hinzu kommt, dass viele Wohnungen auch unter den Aspekten von Barrierefreiheit oder Barrierearmut umgebaut werden, was zusätzliche Kosten verursacht.

Seitens des Vorstandes der WBG Südharz wird darauf hingewiesen, dass im Freistaat Thüringen die Nettokaltmieten seit dem Jahr 2000 lediglich um 17 % gestiegen sind, die Inflationsrate hingegen kletterte im gleichen Zeitraum um mehr als 25 %. Fachleute sprechen deshalb auch von einer negativen Mietenentwicklung. Die WBG Südharz konnte diese Entwicklung bisher durch ihre wirtschaftliche Stärke und Größe kompensieren. Die meisten Mitglieder der WBG haben seit über 10 Jahren keine Anpassung der Nutzungsgebühr für ihre Wohnung erhalten.

Gefühlt jedoch sind die “Mieten” gestiegen, was aber ausschließlich an den Nebenkosten lag, die von der Wohnungsbaugenossenschaft nicht zu beeinflussen sind. Beispielsweise haben sich die Kosten für Strom und Heizung bzw. Fernwärme seit dem Jahr 2000 verdoppelt. Durch die flächendeckende Einführung des Mindestlohnes werden ab kommendem Jahr weitere Leistungspreise steigen.

Der Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft sucht dabei ständig nach Lösungen, um Kosten für die WBG-Mitglieder zu senken oder wenigstens stabil zu halten. Das konnte zum Beispiel durch strukturelle Veränderungen im Rahmen der Optimierung der Organisationsabläufe der WBG Südharz erreicht werden.

Ein weiteres Einsparpotential sah der WBG-Vorstand in der Einführung eines Abfallmanagement-Systems. Durch die Zusammenarbeit mit der Firma Innotec konnten bereits im Jahr 2013 durch die organisierte Optimierung der Mülltrennung, einhergehend mit regelmäßigen Informationen der WBG-Mitglieder Kosten in Höhe von über 120.000 Euro eingespart werden. Davon kommt vielen WBG-Mitgliedern, ein wesentlicher Teil im Rahmen ihrer Betriebskostenabrechnung zugute. Gleichzeitig steht diese Zusammenarbeit im Kontext mit der ökologisch nachhaltigen Ausrichtung der Genossenschaft als “Grüne WBG”. Außerdem sorgt diese Maßnahme für Sauberkeit an und in den Mülleinhausungen.

Auch zukünftig betrachtet es der Vorstand der WBG Südharz als eine Hauptaufgabe, die beeinflussbaren Betriebskostenpositionen möglichst stabil zu halten.

Eine "Mietpreisbremse" scheint also für Nordhausen und die meisten anderen Kommunen in Thüringen kein Thema zu sein. Eine "Betriebskostenbremse" wäre da schon der bessere Ansatz. Außerdem wird durch die demografische Entwicklung eine Verdreifachung des Wohnungsleerstandes schon bis zum Jahr 2030 für Thüringen prognostiziert.
WBG Südharz
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de