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Ausnahmezustand auf Zeit

Dienstag, 23. September 2014, 21:49 Uhr
Da rollt etwas zu auf Thüringen. Die Internationale Bauausstellung, kurz IBA, geht langsam in die heiße Phase über. Zwanzig Projekte im Freistaat könnten zur innovativen Spielwiese werden und Antworten auf wichtige Fragen der Zukunft liefern. Auch Nordhausen hofft auf den Zuschlag...


Der Name "Internationale Bauausstellung" ist etwas irreführend. Vor etwas mehr als hundert Jahren fand die erste "IBA" auf der Mathildenhöhe in Darmstadt statt. Bis gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts wurden die zukunftsweisenden Entwürfe ihrer Zeit von internationalen Architekten entworfen und gebaut.

"Heute hat die IBA ihren Charakter verändert", sagte Marta Doehler Behzadi am Abend in den Räumen des neuen Nordhäuser Ratssaales anlässlich des IBA Besuches im Landkreis. Man will nicht nur das zeigen, was schick und modern ist, sondern versteht sich als Zukunftslabor, das mittels Architektur versucht, Antworten auf die Herausforderungen der Gegenwart zu finden. Reines "Bauen" oder eine klassische "Ausstellung" gehören nicht mehr zum Programm.

In der Vergangenheit hat sich die IBA meist auf einen Ort, einen Stadtteil konzentriert. Nun will man sich an einem ganzen Bundesland versuchen und sich Problemen wie dem demographischen Wandel, der Energiewende, dem Umgang mit natürlichen Ressourcen, der soziokulturellen Entwicklung und sinkenden finanziellen Spielräumen auseinandersetzen. Ziel soll es sein, die Energiewende zu kultivieren, Stadt und Land besser miteinander zu vernetzen, regionale Kreisläufe aufzubauen und gleichzeitig die Thüringer Identität zu stärken. Um all das zu erreichen, soll möglichst außerhalb ausgetretener Pfade gedacht werden. Mit den Worten von IBA Geschäftsführerin Behzadi: die IBA ist "ein organisierter Ausnahmezustand auf Zeit".

Daraus leitet die IBA vier Handlungsräume für Thüringen ab:
  • Lebenswerte Quartiere
  • Zukunftsfähige Dörfer
  • Produktive Landschaften und
  • Erlebbare Landschaften
Podiumsdiskussion im Ratssaal (Foto: Angelo Glashagel) Podiumsdiskussion im Ratssaal (Foto: Angelo Glashagel)
Auch diese Damen und Herren hoffen auf das Prädikat "IBA-Projekt": : v.l. die 1. Beigeordnete des Landkreises Jutta Krauth, die Vorsitzende der Bürgerstiftung Hohenrode, Gisela Hartmann, Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh und der Präsident der Fachhochschule Prof. Dr. Jörg Wagner. Die Entscheidung fällt am Dienstag die IBA unter Geschäftsführerin Marta Doehler Behzadi. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Thomas Müller (3.v.l.)

Der offizielle Start der IBA in Thüringen liegt gut drei Jahre in der Vergangenheit. In der Zwischenzeit sind 250 Bewerbungen aus dem gesamten Freistaat im IBA Büro eingegangen. Am kommenden Dienstag werden die 20 Projekte bekanntgegeben, die mit der Unterstützung durch die Internationale Bauausstellung rechnen dürfen.

Auch die Stadt und der Landkreis Nordhausen sind mit im Rennen. Das seit Jahrzehnten brachliegende Areal zwischen Kranichstraße und Bäckerstraße ist einer der Aspiranten. Unter der Stadtbrache verbergen sich mehrere Etagen tiefe Keller, die sich als kreative Spielwiese für innovative Architekten entpuppen könnten. Auch die Bielener Kiesgewässer und der Park Hohenrode stehen zur Auswahl und die Fachhochschule Nordhausen hat ebenfalls eigene Pläne eingereicht.

Man wäre aber auch bereit, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sollte man nicht ausgewählt werden, erklärte der Präsident der FH, Prof. Dr. Jörg Wagner während der Podiumsdiskussion im Ratssaal, schließlich verfüge die FH gerade im Bereich erneuerbare Energien über umfassendes Know How.

Bis 2023 sollen die ausgesuchten Objekte und/oder Landschaften fertig gestellt werden. "Das ist ein einmalige Chance und es lohnt sich mitzutun", sagte Staatssekretärin Inge Klaan in ihrem Grußwort.

Bleibt die Frage des Geldes. Die Bauausstellung stellt
30 Millionen Euro zur Verfügung. Das klingt zunächst erst einmal nach einer ordentlichen Summe. Bedenkt man aber, das dieses Geld über zehn Jahre auf zwanzig Projekte verteilt wird, relativiert sich dieser erste Eindruck ein wenig. "Es geht nicht um Masse, es geht um Qualität", erläuterte Behzadi das Anliegen der IBA. Die Bauausstellung würde eher als Berater und Unterstützer und weniger als Geldgeber auftreten.

Doch bei aller Unterstützung müssten auch Eigenmittel aufgebracht werden, sagte Staatsekretärin Klaan, "was nichts kostet, ist auch nichts wert". Das Prädikat "IBA Projekt" dürfte allerdings einige Türen und so manchen nationalen und internationalen Fördertopf öffnen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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