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Hat der Mohr seine Schuldigkeit getan?

Donnerstag, 11. September 2014, 22:01 Uhr
Im Jahr 2012 drohte die Tradition des Nordhäuser Altstadtfestes auszusterben. Die bis dahin als Organisator auftretende Altstadtinitiative hatte sich zurückgezogen. Doch es kam "Rettung" aus Hamburg...


Dort hat der Nordhäuser Sven-Bolko Heck seinen Firmensitz. Heck sprang ein, stampfte in der Kürze der Zeit ein Fest aus dem Boden, das in den Jahren darauf seine Fortsetzung fand.

Nun kann man trefflich über mit schwarzen Plastikplanen abgesperrte Plätze streiten, Fakt ist jedoch, die Besucherzahlen geben Heck recht wenn er resümierte: "Das Altstadtfest war ein voller Erfolg"! Für die Gäste und Besucher und für ihn.

Na klar, einen 10.000 Euro Zuschuss bekam Heck nicht und so musste er Eintritt für einige Bühnenbereiche verlangen. Und auch klar, nach dem Verlustgeschäft im ersten Jahr, sollte auch mal Geld verdient werden. Und das scheinen ihm einige Nordhäuser zu neiden.

Sie planen nun, unter Führung einiger Altstadt-Händler, das Fest wieder selbst zu veranstalten. Die nnz hatte darüber ausführlich berichtet. Und was macht die Stadtverwaltung? Sie entscheidet nicht, sie vertagt und schiebt die Verantwortung ab - in den Stadtrat und den für Kultur zuständigen Ausschuss. Denen sollen die beiden konkurrierenden Veranstalter ein Konzept vorlegen.

Was hier so richtig demokratisch aussieht, das ist in Wirklichkeit eine fiese Hinhaltetaktik. Das ist Ausdruck einer fehlenden Ansage aus dem Rathaus. Für den Exil-Nordhäuser Heck ist das - vielleicht ist das den Rathäuslern bewusst - das Ende der Planungen. Wer sich in Veranstalterkreisen auch nur ein wenig auskennt der weiß, das Bands, die einen einigermaßen überregionalen Stellenwert besitzen, spätestens jetzt gebucht werden müssen. Doch ohne Zusage einer Genehmigung wird Heck keine Künstler buchen.

Zu den Finanzen. Der Schrankenlos-Verein, der nach nnz-Informationen für alle Altstadt-Händler am 5. August ein eintägiges Altstadtfest angemeldet haben soll, will keinen Eintritt nehmen, sondern will die einheimischen Händler am Fest beteiligen. Einige wollen sogar die Traditionshandwerker wieder nach Nordhausen holen. Die aber hat Heck, so sagt er der nnz, in den vergangenen Jahren alle angefragt. Fazit: Nordhausen lohnt sich nicht mehr. Und die sollen jetzt für einen Tag in die Rolandstadt kommen?

2.480 Euro, das war der städtische Zuschuss für das diesjährige Altstadtfest. Damit waren nicht einmal die behördlichen Genehmigungen gedeckt. Im Gegenzug kassierte die Stadtverwaltung 2.383 Euro an Sondernutzungsgebühr, weitere 830 Euro waren für die Marktfestsetzung zu zahlen. Für die Sperrung der Straßen mussten knapp 950 Euro überwiesen werden und 1.000 Euro verlangte das Landratsamt für Nutzung der Flächen des Humboldt-Gymnasiums.

Das alles kalkuliert Heck mit ein, so wie das jeder Veranstalter macht. Nun müssen die Macher der Dritte-Welt-Initiative nicht für drei Tage Gebühren an die Kommune abdrücken, aber gezahlt werden muss schon. Oder etwa nicht?

Klar, Heck und seine Mannschaft haben in diesem Jahr Geld verdient. Aber ist das so schlimm? Ist es nicht, denn für eine Leistung muss in der Marktwirtschaft gezahlt werden. Es sei denn, eine Stadt wie Nordhausen
kann riesige kostenlose Feste veranstalten.

Aber, an dem Altstadtfest des Jahres 2014 haben unzählige Nordhäuser Firmen mitverdient. Die Gestalter der Plakate, der Webseite, des Sicherheitsdienstes, der Bühnentechnik, der Getränkelieferant, bis hin zu den zahlreichen Vereinen, die das Fest bereicherten.

Übrigens: Sven-Bolko Heck hatten am 17. April des Jahres 2012 sein Konzept für das Altstadtfest vorgelegt, das einen Zeitraum von fünf Jahren umfasst und das auch so bestätigt wurde. Kann sich ein Geschäftsmann auf Verlässlichkeit der Kommune nicht mehr verlassen?

Jetzt soll Sven-Bolko Heck warten. Warten, bis die Damen und Herren im Stadtrat eine Entscheidung getroffen haben, wer das bessere Konzept auf den Tisch legt. Das von Heck ist abgeschickt. Nur, für ihn ist das längere Warten das Aus des Festes. Bis Anfang Oktober muss er eine Entscheidung haben. Das ist keine Erpressung, das ist Veranstalter-Geschäft. In Nordhausen, in Dessau oder in Hamburg. Nur in Dessau oder Hamburg gibt es Menschen in Behörden, die eine Entscheidung treffen. In Nordhausen sucht man sie vergebens.
Peter-Stefan Greiner

PS: Die Stellungnahme der Stadtverwaltung wollen wir Ihnen auch nicht vorenthalten: "Es liegen inzwischen zwei Anträge zur Durchführung des Altstadtfestes 2015 vor. Zum einen von der Firma Medienhaus Heck für den Veranstaltungszeitraum vom 31.07. bis 02.08.2015 und zum anderen vom Schrankenlos Verein für die Veranstaltung am 01.08.2015 vor. Weitere Auskünfte können zum jetzigen Bearbeitungsstand noch nicht gegeben werden.“
Autor: red

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