Aller guten Dinge sind drei
Mittwoch, 10. September 2014, 21:35 Uhr
Heute Abend fand erneut das Treffen des "Bürger- und Akteursgremiums" zum Stadtentwicklungskonzept statt. Unter anderem ging es dabei auch um die Kommunikationskultur in Nordhausen...
Ein kurzer Rückblick: Anfang Mai fand die erste große Veranstaltung zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) statt. Damals saßen knapp 70 Männer und Frauen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, den sozialen Einrichtungen, dem Wohnungsbau, Banken, Bildungseinrichtungen und Vereinen zusammen. Unter Moderation des Stadtplanungsbüros GRAS aus Dresden trug man zusammen, was gut sei an Nordhausen und was verbessert werden müsse. Vierzehn Themenschwerpunkte wurden herausgearbeitet.
In Runde zwei wurden eben jene Punkte in kleineren Arbeitsgruppen diskutiert. Acht Gruppen zu verschiedenen Themen wurden gebildet, in denen ein reger Erfahrungs- und Meinungsaustausch möglich sein sollte. Diente die Sitzung im Mai vor allem der Problemidentifikation, so sollten diesmal Ziele für das Jahr 2030 definiert werden und, wenn möglich, auch schon Lösungsvorschläge diskutiert werden. Es gab Anfang Juni aber derart viel Diskussionsbedarf, das nicht alle Themenfelder "beackert" werden konnten.
Deswegen fand heute der Workshop "2b" statt, die Teilnahme hielt sich aber im Vergleich zu den letzten Veranstaltungen in Grenzen. Thema waren "Soziales Zusammenleben", "Regionale Verflechtung", "Klima und Energie" sowie der etwas blumig umschriebene Punkt "Kommunikation".
Ergebnisse des ersten Workshops: Grün entspricht einer positiven Besetzung, rot repräsentiert negative Eindrücke. Die Größe der "Wolken" zeigt die Anzahl der zum Thema abgegebenen Aussagen
Zu diesem waren beim ersten Treffen nur negative Statements von den Workshop-Teilnehmern gekommen. Von einer "negative Grundeinstellung" und einem beständigen "meckern" war damals ebenso die Rede, wie von "politischen Kleinkriegen" und "Grabenkämpfen". Etwas abgemildeter klangen da schon die Diskussionsgrundlagen des heutigen Abends: es sollte um "Bürgerengagement", "Beteiligungskultur" und "Kooperation" gehen. Herrmann Sträb, der Chef von "GRAS", leitete die Diskussion und musste recht früh erwähnen, dass Stadtentwicklung auch immer mit Konflikten einhergehe.
Denn mit Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh und Wilfried Roßmell von der Bürgerinitiative zur Verhinderung der Biomethangasanlage saßen zwei veritable Antagonisten im Podium. Es wurden also erst einmal alte Wunden aufgerissen.
Herr Roßmells Vorschlag war es, die Bürger nicht auszuschließen, sondern einzubeziehen. Eine Teilnehmerin kritisierte, das heute vor allem der gehört würde, der am lautesten schreie und von anderer Seite kam der Einwurf, das es in der Bevölkerung zumindest das Gefühl gebe, es existiere überhaupt keine Kommunikationskultur in Nordhausen. Und: viele Bürger könnten ihrer Stimme nur schwer Gehör verschaffen, da nicht jeder an Veranstaltungen wie einer Stadtratssitzung, einem Bürgergespräch oder dem heutigen Treffen teilnehmen könne.
"Die Bürger haben mehr Möglichkeiten als sie wissen", erläuterte Oberbürgermeister Zeh. Gemeint ist das "neue" Informationssystem, das die Stadtverwaltung über ihre Internetseite betreibt. Hier kann man Fragen an den Stadtrat stellen. Dass die Möglichkeiten der modernen Kommunikation genutzt werden ist löblich und OB Zeh sagte, er würde sich freuen wenn mehr Menschen diese Möglichkeit nutzen würden. Seit April sind aber nur vier Anfragen eingegangen, was letztlich auch ein Kommunikationsproblem aufzeigt. Eine einzige Pressemitteilung hatte es im April zum neuen Infosystem gegeben, danach war nicht noch einmal auf die Neuerung aufmerksam gemacht worden.
Eine Lösung wäre also die Kommunikation mit dem Bürger intensiver, oder wie es im Plenum hieß, "aktiv und umfassend" zu gestalten. Letztlich beruht Kommunikation auch auf Vertrauen. Ob und inwieweit der Nordhäuser Bürger das Vertrauen in Politik und Verwaltung verloren hat, ob er sie jemals besessen hat, darüber ließe sich streiten. Doch es gibt Möglichkeiten, das Vertrauen und damit vielleicht auch die Art und Weise, wie in der Stadt miteinander gesprochen wird, zu stärken. Übertragungen der Ratssitzungen und offene Ausschüsse etwa.
Welche Ergebnisse die Diskussionsrunden und letztlich auch die Entwicklung des Leitbildes erbringen werden, inwiefern sie umgesetzt werden, all das wird spannend zu beobachten sein.
Angelo Glashagel
Autor: redEin kurzer Rückblick: Anfang Mai fand die erste große Veranstaltung zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) statt. Damals saßen knapp 70 Männer und Frauen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, den sozialen Einrichtungen, dem Wohnungsbau, Banken, Bildungseinrichtungen und Vereinen zusammen. Unter Moderation des Stadtplanungsbüros GRAS aus Dresden trug man zusammen, was gut sei an Nordhausen und was verbessert werden müsse. Vierzehn Themenschwerpunkte wurden herausgearbeitet.
In Runde zwei wurden eben jene Punkte in kleineren Arbeitsgruppen diskutiert. Acht Gruppen zu verschiedenen Themen wurden gebildet, in denen ein reger Erfahrungs- und Meinungsaustausch möglich sein sollte. Diente die Sitzung im Mai vor allem der Problemidentifikation, so sollten diesmal Ziele für das Jahr 2030 definiert werden und, wenn möglich, auch schon Lösungsvorschläge diskutiert werden. Es gab Anfang Juni aber derart viel Diskussionsbedarf, das nicht alle Themenfelder "beackert" werden konnten.
Deswegen fand heute der Workshop "2b" statt, die Teilnahme hielt sich aber im Vergleich zu den letzten Veranstaltungen in Grenzen. Thema waren "Soziales Zusammenleben", "Regionale Verflechtung", "Klima und Energie" sowie der etwas blumig umschriebene Punkt "Kommunikation".
Ergebnisse des ersten Workshops: Grün entspricht einer positiven Besetzung, rot repräsentiert negative Eindrücke. Die Größe der "Wolken" zeigt die Anzahl der zum Thema abgegebenen Aussagen
Zu diesem waren beim ersten Treffen nur negative Statements von den Workshop-Teilnehmern gekommen. Von einer "negative Grundeinstellung" und einem beständigen "meckern" war damals ebenso die Rede, wie von "politischen Kleinkriegen" und "Grabenkämpfen". Etwas abgemildeter klangen da schon die Diskussionsgrundlagen des heutigen Abends: es sollte um "Bürgerengagement", "Beteiligungskultur" und "Kooperation" gehen. Herrmann Sträb, der Chef von "GRAS", leitete die Diskussion und musste recht früh erwähnen, dass Stadtentwicklung auch immer mit Konflikten einhergehe.
Denn mit Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh und Wilfried Roßmell von der Bürgerinitiative zur Verhinderung der Biomethangasanlage saßen zwei veritable Antagonisten im Podium. Es wurden also erst einmal alte Wunden aufgerissen.
Herr Roßmells Vorschlag war es, die Bürger nicht auszuschließen, sondern einzubeziehen. Eine Teilnehmerin kritisierte, das heute vor allem der gehört würde, der am lautesten schreie und von anderer Seite kam der Einwurf, das es in der Bevölkerung zumindest das Gefühl gebe, es existiere überhaupt keine Kommunikationskultur in Nordhausen. Und: viele Bürger könnten ihrer Stimme nur schwer Gehör verschaffen, da nicht jeder an Veranstaltungen wie einer Stadtratssitzung, einem Bürgergespräch oder dem heutigen Treffen teilnehmen könne.
"Die Bürger haben mehr Möglichkeiten als sie wissen", erläuterte Oberbürgermeister Zeh. Gemeint ist das "neue" Informationssystem, das die Stadtverwaltung über ihre Internetseite betreibt. Hier kann man Fragen an den Stadtrat stellen. Dass die Möglichkeiten der modernen Kommunikation genutzt werden ist löblich und OB Zeh sagte, er würde sich freuen wenn mehr Menschen diese Möglichkeit nutzen würden. Seit April sind aber nur vier Anfragen eingegangen, was letztlich auch ein Kommunikationsproblem aufzeigt. Eine einzige Pressemitteilung hatte es im April zum neuen Infosystem gegeben, danach war nicht noch einmal auf die Neuerung aufmerksam gemacht worden.
Eine Lösung wäre also die Kommunikation mit dem Bürger intensiver, oder wie es im Plenum hieß, "aktiv und umfassend" zu gestalten. Letztlich beruht Kommunikation auch auf Vertrauen. Ob und inwieweit der Nordhäuser Bürger das Vertrauen in Politik und Verwaltung verloren hat, ob er sie jemals besessen hat, darüber ließe sich streiten. Doch es gibt Möglichkeiten, das Vertrauen und damit vielleicht auch die Art und Weise, wie in der Stadt miteinander gesprochen wird, zu stärken. Übertragungen der Ratssitzungen und offene Ausschüsse etwa.
Welche Ergebnisse die Diskussionsrunden und letztlich auch die Entwicklung des Leitbildes erbringen werden, inwiefern sie umgesetzt werden, all das wird spannend zu beobachten sein.
Angelo Glashagel


