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Wacker verabschiedet sich blamabel von eigenen Fans

Samstag, 19. Mai 2001, 18:26 Uhr
Nordhausen (nnz). Noch ist sie nicht vorbei: Die wohl schlechteste Saison in der Geschichte des Nordhäuser Fußballs. Sie endete so, wie es sich für einen Absteiger gehört: sang- und klanglos. Mit einem der schwächsten Spiele verabschiedete sich Wacker Nordhausen aus der Oberliga und steigt ab in die fünfte Spielklasse. Gegner werden dann Mühlhausen oder Leinefelde sein.

Auch das ist typisch: Riesa-Fans stürmen den Platz Das Ergebnis mit 0:4 gegen Riesa soll hier nur am Rande erwähnt werden. Wie die Tore fielen, das war und ist derzeit symptomatisch für den Nordhäuser Fußball. Da werden die selbsternannten Fußballexperten des Vereins wieder sagen: die haben doch gekämpft. Aber nur mit Kampf allein ist doch nichts zu machen, es muß auch gespielt werden. Schließlich nennt sich das ganze Vergnügen „Fußballspiel“. In der nächsten Saison soll alles anders werden. Der sofortige Aufstieg muß auf der Tagesordnung stehen, doch mit einer „jungen und hungrigen Mannschaft“, wie es das Präsidium formulierte, ist das allein nicht zu schaffen. Wenn am Albert-Kuntz-Sportpark wieder Spitzenfußball gespielt soll, dann sind da vor allem Sponsoren gefragt, die aber sind weit und breit nicht in Sicht.

Das neue Präsidium hatte im vergangenen Jahr einen schweren Gang angetreten, doch es muß sich verstärken. Da müssen Aufgaben verteilt werden, vor allem müssen Leute auf die präsidialen Vorderbänke rutschen, die Geld in die Kasse spülen, zum Teil auch eigenes. Die aber sind nicht in Sicht. Die Qualität des Leistungsportes Fußball ist nämlich auch immer ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Situation einer Region. Daß, was sich in Konjunkturdaten und Arbeitsmarktzahlen darstellt, das reflektiert mit zwei bis drei Jahren Verspätung auf den Sport. Allein aus dieser „Gesetzmäßigkeit“ heraus wird der Fußballsport in der Region Nordhausen nicht so schnell wieder auf Oberligabeine kommen. Die gesamte Region „Deutschland-Ost“ ist schließlich vom derzeitigen Niedergang betroffen: Abstieg Chemnitz, Abstieg Jena, Eisenach?.... .

Man sollte sich in Nordhausen darauf einstellen, kleine „Fußballbrötchen“ zu backen, die Oberliga kann man - eine ähnlich schwache Finanzdecke vorausgesetzt - für die kommenden Jahre abschreiben. Schon in der Thüringenliga wird es schwer, die eigene Existenzberechtigung nachzuweisen, denn neben dem Geld muß sich ein Verein auch mit der Region und umgekehrt die Region mit dem Verein identifizieren können. Heute waren es 301 Zuschauer im Albert-Kuntz-Sportpark. Und da hatten alle unter 14 Jahren freien Eintritt. Nur so viele „Unter-14-Jährige“ konnten man am Nachmittag nicht auf den Zuschauerrängen beobachten. Schade!
Autor: psg

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