Aber bitte nicht vor unserer Haustür
Sonntag, 10. August 2014, 13:02 Uhr
Jetzt muss sogar Peter Scholl-Latour für ein Plädoyer gegen die Biomethananlage herhalten. In dem vorangegangenen Artikel für eine solche Anlage sei einseitig berichtet und an das Neue Deutschland erinnert worden...
Bielen. Zur Erinnerung: In dem Plädoyer für die Biomethananlage kamen unter anderem EVN-Geschäftsführer Hans-Peter Dörflinger und der Chef der Agrarproduktion Zorgeland Windehausen, Udo Förster, zu Wort. Logisch, dass sie dafür stimmten. Sind sie die einsamen Rufer in der Wüste? Mitnichten!
Zuhauf gibt es Wortmeldungen von Befürwortern: Professoren der Fachhochschule, Nordhäuser Stadträte mit Oberbürgermeister Klaus Zeh, Ortsbürgermeister, Kommunen, Leser dieser Zeitung. Und nicht zuletzt die Bundesregierung selbst, pocht sie doch auf die Umsetzung des Integrierten Energie- und Klimaprogramms (IEKP). Das Studium ist zu empfehlen. Sind das alles Leute, die nur den Profit im Blick haben, die nicht global denken?
Immerhin will der Kontra-Anlagen-Autor wissen, dass das globale Denken und Handeln in unserem konservativen und provinziellen Landkreis nicht die Regel ist… Recht hat er hingegen, wenn er auf die klugen Köpfe in der Deutschen Nationalakademie Leopoldina verweist, die sich gegen einen weiteren Ausbau von Bioenergie ausspricht. Sind alle Befürworter dagegen Dummköpfe?
Wir erinnern uns: Als der Standort Himmelgarten in den Blickpunkt rückte, bildete sich die Bürgerinitiative. Gleichzeitig kamen Vorschläge, man möge, bitteschön, die Anlage woanders bauen. Man habe, auch das war zu hören und zu lesen, grundsätzlich nichts gegen eine solche Anlage, aber nicht, mit Verlaub, vor unserer Haustür.
Erinnern solche Gegner nicht an das berühmte Heinrich-Heine-Zitat: Wir kennen die Herren Verfasser. Sie trinken heimlich Wein und predigen öffentlich Wasser? Hätte man von Anfang an einen Standpunkt fernab jeder Wohnsiedlung – das Industriegebiet Goldene Aue brachten die Anlagen-Gegner vielfach ins Gespräch - gewählt, wäre da nicht jede Polemik erspart geblieben?
Seine Äcker mit höchsten Bodenwertzahlen verkaufte Herr Förster an das Industriegebiet, lautet ein Satz im Nein-Artikel. Klingt das nicht so, als ob der Geschäftsführer das gerne tat? Sehr schmerzhaft und das eigentliche Problem ist der ständige Entzug von Ackerland, beklagt Udo Förster gegenüber nnz. Mein Unternehmen hat in den vergangenen 20 Jahren 412 Hektar wertvoller Ackerfläche verloren. Unter anderem für den Bau der Autobahn und das Industriegebiet. Da blutet das Herz.
Udo Förster wird auch künftig nicht nur Mais und Zuckerrüben anbauen. Wie jeder andere Geschäftsführer landwirtschaftlicher Unternehmen ebenfalls, die mit der EVN Verträge abgeschlossen haben. Aber das, was der Markt erfordert und Gewinn bringt. Die Monokulturen sind nicht erst im Zeitalter der Biogasanlagen allgegenwärtig: Rapsfelder, wohin das Auge blickt. Getreideflächen in riesigen Ausmaßen.
Jetzt kommen die Maisfelder hinzu. Sie stehen, betonen Gegner, nicht mehr für die Nahrungsmittel- oder Futtermittelproduktion zur Verfügung. Einverstanden. Wir aber werden dennoch auch künftig Bilder im Fernsehen sehen - über tonnenweise in Müllcontainern landende hochwertige Lebensmittel. Müsste auch hier nicht die Politik handeln?
Immer ist abzuwägen: Landentzug oder Autobahnen bzw. Umgehungsstraßen? Tank oder Teller? Was bringt für die Allgemeinheit den größten Nutzen. Darüber lässt sich trefflich streiten. In der am 3. September 2010 in Kraft getretenen Änderung der Gasnetzzugangsverordnung werden die Verantwortlichkeiten und Kostenverteilung zwischen Einspeiser und Netzbetreiber geregelt und betont:
Die hochwertige energetische Nutzung von heimischer Biomasse für die effiziente Erzeugung von Bioenergie nimmt eine Schlüsselrolle unter den Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung ein. Jedem bleibt überlassen, wie er darüber denkt.
Diese Zeitung gibt, im Gegensatz zu jedem anderen Medium, sogar Lesern, die sich hinter skurrilen Namen wie hinter einer Maske verbergen, eine Plattform, sich zur Sache zu äußern. Einer nennt sich wyski, ein anderer runkel-ete. Bleibt zu hoffen, dass auch sie ihren Frieden mit der Biomethananlage finden.
Kurt Frank
Autor: redBielen. Zur Erinnerung: In dem Plädoyer für die Biomethananlage kamen unter anderem EVN-Geschäftsführer Hans-Peter Dörflinger und der Chef der Agrarproduktion Zorgeland Windehausen, Udo Förster, zu Wort. Logisch, dass sie dafür stimmten. Sind sie die einsamen Rufer in der Wüste? Mitnichten!
Zuhauf gibt es Wortmeldungen von Befürwortern: Professoren der Fachhochschule, Nordhäuser Stadträte mit Oberbürgermeister Klaus Zeh, Ortsbürgermeister, Kommunen, Leser dieser Zeitung. Und nicht zuletzt die Bundesregierung selbst, pocht sie doch auf die Umsetzung des Integrierten Energie- und Klimaprogramms (IEKP). Das Studium ist zu empfehlen. Sind das alles Leute, die nur den Profit im Blick haben, die nicht global denken?
Immerhin will der Kontra-Anlagen-Autor wissen, dass das globale Denken und Handeln in unserem konservativen und provinziellen Landkreis nicht die Regel ist… Recht hat er hingegen, wenn er auf die klugen Köpfe in der Deutschen Nationalakademie Leopoldina verweist, die sich gegen einen weiteren Ausbau von Bioenergie ausspricht. Sind alle Befürworter dagegen Dummköpfe?
Wir erinnern uns: Als der Standort Himmelgarten in den Blickpunkt rückte, bildete sich die Bürgerinitiative. Gleichzeitig kamen Vorschläge, man möge, bitteschön, die Anlage woanders bauen. Man habe, auch das war zu hören und zu lesen, grundsätzlich nichts gegen eine solche Anlage, aber nicht, mit Verlaub, vor unserer Haustür.
Erinnern solche Gegner nicht an das berühmte Heinrich-Heine-Zitat: Wir kennen die Herren Verfasser. Sie trinken heimlich Wein und predigen öffentlich Wasser? Hätte man von Anfang an einen Standpunkt fernab jeder Wohnsiedlung – das Industriegebiet Goldene Aue brachten die Anlagen-Gegner vielfach ins Gespräch - gewählt, wäre da nicht jede Polemik erspart geblieben?
Seine Äcker mit höchsten Bodenwertzahlen verkaufte Herr Förster an das Industriegebiet, lautet ein Satz im Nein-Artikel. Klingt das nicht so, als ob der Geschäftsführer das gerne tat? Sehr schmerzhaft und das eigentliche Problem ist der ständige Entzug von Ackerland, beklagt Udo Förster gegenüber nnz. Mein Unternehmen hat in den vergangenen 20 Jahren 412 Hektar wertvoller Ackerfläche verloren. Unter anderem für den Bau der Autobahn und das Industriegebiet. Da blutet das Herz.
Udo Förster wird auch künftig nicht nur Mais und Zuckerrüben anbauen. Wie jeder andere Geschäftsführer landwirtschaftlicher Unternehmen ebenfalls, die mit der EVN Verträge abgeschlossen haben. Aber das, was der Markt erfordert und Gewinn bringt. Die Monokulturen sind nicht erst im Zeitalter der Biogasanlagen allgegenwärtig: Rapsfelder, wohin das Auge blickt. Getreideflächen in riesigen Ausmaßen.
Jetzt kommen die Maisfelder hinzu. Sie stehen, betonen Gegner, nicht mehr für die Nahrungsmittel- oder Futtermittelproduktion zur Verfügung. Einverstanden. Wir aber werden dennoch auch künftig Bilder im Fernsehen sehen - über tonnenweise in Müllcontainern landende hochwertige Lebensmittel. Müsste auch hier nicht die Politik handeln?
Immer ist abzuwägen: Landentzug oder Autobahnen bzw. Umgehungsstraßen? Tank oder Teller? Was bringt für die Allgemeinheit den größten Nutzen. Darüber lässt sich trefflich streiten. In der am 3. September 2010 in Kraft getretenen Änderung der Gasnetzzugangsverordnung werden die Verantwortlichkeiten und Kostenverteilung zwischen Einspeiser und Netzbetreiber geregelt und betont:
Die hochwertige energetische Nutzung von heimischer Biomasse für die effiziente Erzeugung von Bioenergie nimmt eine Schlüsselrolle unter den Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung ein. Jedem bleibt überlassen, wie er darüber denkt.
Diese Zeitung gibt, im Gegensatz zu jedem anderen Medium, sogar Lesern, die sich hinter skurrilen Namen wie hinter einer Maske verbergen, eine Plattform, sich zur Sache zu äußern. Einer nennt sich wyski, ein anderer runkel-ete. Bleibt zu hoffen, dass auch sie ihren Frieden mit der Biomethananlage finden.
Kurt Frank

