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Plädoyer für die Biomethananlage

Freitag, 08. August 2014, 12:27 Uhr
Welch ein Tanz um das Goldene Kalb, das sich Biomethananlage nennt. Ein Für und Wider an Zuschriften auf unsere Veröffentlichungen, dass es nur so wimmelt. Von Befürchtungen mit apokalyptischen Anstrichen ist sogar die Rede. Müssen wir die Anlage fürchten? Kurt Frank findet die Antwort...

Blick auf die Baustelle bei Bielen (Foto: nnz) Blick auf die Baustelle bei Bielen (Foto: nnz)

Bielen. So befürchtet ein Leser, dass dem Landgasthof in Bielen künftig die Besucher ausbleiben würden, weil man wegen der Gerüche kein Fenster mehr öffnen könne. Das könnte sein Aus bedeuten. Ein anderer hält den Bau der Biomethanlage für unwirtschaftlich und völlig sinnlos. Zieht man ein Fazit der Gegner, könnte man meinen, die Anlage baue man nur aus Jux und Tollerei. Dass dem nicht so sein kann, dürfte selbst dem extremsten Gegner einleuchten.

Warum bauen wir sie? Diese Frage richteten wir an Hans-Peter Dörflinger, Chef der Energieversorgung Nordhausen (EVN). Der Geschäftsführer nennt gleich drei Vorteile - für die Region, für das Klima und für die Energieversorgung. Auf die Region bezogen, erhalte die Gemeinde zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen. Zudem würden Arbeitsplätze gesichert bzw. neu geschaffen, auch bei Zulieferbetrieben und Landwirtschaft. Der überwiegende Teil der Wertschöpfung bleibe in der Region durch Partner aus der Region.

Ein Argument, das Udo Förster, Geschäftsführer der Agrarproduktion „Zorgeland“ Windehausen, aus voller Überzeugung teilt: “Wir haben langfristige Lieferverträge für Mais und Zuckerrüben mit der EVN. Das garantiert uns Planungssicherheit, Einnahmen, Absatz und Arbeitsplätze. Durch die Veränderung der Fruchtfolge tun wir außerdem was für die Umwelt.“ So wie Förster argumentieren weitere 20 Geschäftsführer aus dem Südharz, die ebenfalls Lieferverträge abgeschlossen haben.

Was die Vorteile für das Klima betrifft, argumentiert der EVN-Chef: Biomethan ersetze fossiles Erdgas und leiste somit einen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen, was auch für die Verwendung als Kraftstoff gelte. Wenn Biomethan in hochmodernen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen eingesetzt werde, hebt Dörflinger hervor, erzeuge es neben grünen Strom auch grüne (Fern-)Wärme.

Vorteile für die Energieversorgung: Biomethan substituiert Erdgas und schaffe weniger Abhängigkeit von Importen. Biomethan stehe 24 Stunden und damit 365 Tage im Jahr zur Erzeugung von Strom zur Verfügung. Das könne weder Windkraft noch Fotovoltaik.

Der überwiegende Teil unserer Leser, auch das sei gesagt, spricht sich für die Biomethananlage aus. Leser „Lemburg“ schreibt: „Keine Minderheit sollte man über die Mehrheit regieren lassen. Der Stadtrat hat entschieden.“ Auch andere halten die Diskussion um die Anlage als reine Polemik und loben Stadtrat Rainer Bachmann (Linke) für seine Meinung. Die Biomethananlage, sagt Bachmann, diene dem Allgemeinwohl. Der daraus resultierende Nutzen komme der Stadt zu Gute.

Und was die Geruchsbelästigung für den Landgasthof in Bielen und in deren Folge die künftige mögliche Schließung betreffen könnte, wie das ein Leser befürchtet, so sieht man dort die Sache gelassen. Obwohl, sagte uns ein Mitgesellschafter, er nicht gerade ein Freund der Biomethananlage sei, so blicke man optimistisch in die Zukunft. Man befürchte keine negativen Auswirkungen. Schlimmer als der Gestank der Schweinemastanlage auf der Darre könne es nicht werden.

Die hochwertige energetische Nutzung von heimischer Biomasse, hebt Hans-Peter Dörflinger hervor, für die effiziente Erzeugung von Bioenergie nehme eine Schlüsselrolle unter den Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung ein. Sie leiste einen wesentlichen Beitrag zur Umstellung auf eine zukünftige regenerative Energieversorgung.

Die Statistik besagt: In Deutschland waren schon Anfang 2011 etwa 6500 Biogasanlagen in Betrieb, in denen Biogas durch Vergärung von Biomasse gewonnen wird. Durch am Markt verfügbare Technologien lässt sich dieses Biogas auf Erdgasqualität aufbereiten – zu sogenanntem Biomethan oder Bioerdgas – und in das Erdgasnetz einspeisen. Derzeit speisen 50 Anlagen bundesweit Biomethan in das Erdgasnetz ein. Die bei Bielen entsteht wird nicht die letzte ihrer Art sein.
Autor: red

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