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Er war ein echter Nordhäuser

Freitag, 08. August 2014, 07:06 Uhr
Am 12. August jährt sich zum 110. Male der Geburtstag eines Nordhäusers, der seine Spuren in der Geschichte unserer Stadt vielfach hinterlassen hat: des antifaschistischen Widerstandskämpfers Ludwig Einicke...


Er gehörte zu jenen Männern und Frauen, die bereits in den 20er Jahren die Gefahren des heraufziehenden Faschismus erkannten und warnend ihre Stimme erhoben gegen die Verfälschung der Ergebnisse des Ersten Weltkrieges und der folgenden Kämpfe der Arbeiterbewegung.

Im Gedenken an die ermordeten Führer der deutschen proletarischen Bewegung Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, stand er am 17. Januar 1919 auf dem Neumarkt, um für die Weiterführung des Kampfes nun erst recht seine Stimme zu erheben. In der Zeit des Verbotes der KPD 1923/24, deren jüngster Unterbezirkleiter er später wurde, setzte er seine politische Arbeit illegal fort. Dafür wurde er bereits 1925 verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt.

Nach seiner Rückkehr aus Moskau, wo er zwei Jahre zur Internationalen Lenin-Schule delegiert war, wurde er in Norddeutschland erneut verhaftet und in dem Prozess gegen „Walter Besenbruch und Genossen“ zu drei Jahren Zuchthaus wegen Hochverrats und fünf Jahren Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.

Er sah die Freiheit erst nach 11 Jahren Zuchthaus und anschließender Haft in den Konzentrationslagern Esterwegen, Buchenwald, Majdanek, Auschwitz und Mauthausen wieder. Dort wurde er am 5. Mai 1945 befreit.

Trotz schwerer körperlicher und seelischer Schäden nach den unmenschlichen Bedingungen der jahrelangen Haft, beteiligte er sich nach einer kurzen Phase der Rehabilitation am Wiederaufbau seiner durch den Krieg schwer gezeichneten Heimatstadt Nordhausen. In zahlreichen Veranstaltungen machte er den Menschen Mut und verbreitete Optimismus für eine antifaschistisch-demokratische Ordnung in unserem Land.

Bis in die 50er Jahre war er unermüdlich am Aufbau einer demokratischen Schule im Bezirk Halle-Merseburg, zu dem auch Nordhausen gehörte, tätig.
Nach erfolgreicher Arbeit in verschiedensten Partei- und staatlichen Positionen, zuletzt als stellvertretender Generaldirektor der Staatsbibliothek in Berlin verstarb er im Alter von 71 Jahren.

Seit Jahren beschäftigen sich junge Menschen im „Deutschen Mauthausen Komitee Ost“ mit seinem Leben, das für viele von ihnen Vorbild und Verpflichtung zugleich bedeutet.

Das Deutsche Mauthausen Komitee lädt aus Anlass des 110. Geburtstages von Ludwig Einicke zu einer Gedenkstunde mit Kranzniederlegung am
12. August, 10:00 Uhr auf dem Nordhäuser Friedhof ein.
Autor: red

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