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Zum 30. Todestag Rudolf Hagelstanges

Dienstag, 29. Juli 2014, 08:57 Uhr
Der Todestag des Nordhäuser Schriftstellers Rudolf Hagelstange jährt sich Anfang August zum 30. Mal. Heidelore Kneffel erinnert an Leben und Werk des Mannes, zu dessen Ehren die alte Bibliothek benannt wurde...

Der Nordhäuser Schriftsteller und Dichter starb am 5. August 1984 in Hanau, in Erbach wurde er unter großem öffentlichen Interesse beigesetzt. Die Stadtbibliothek, die in Nordhausen seinen Namen trägt, wird ab Ende August ihr Domizil im neuen Gebäude hinter dem Rathaus haben, Nicolaiplatz 1, eigentlich Markt 2, so war die Adresse der Nicolaikirche, die dort bis zur großen Zerstörung kurz vor Ende des 2. Weltkrieges stand.

In der Bibliothek gibt es ein umfassendes Angebot seiner Werke, gezeigt in den Bücherschränken des Lesesaales. Zahlreiche Nordhäuser erinnern sich: Am 14. 1. 2012 wurde zu Ehren Rudolf Hagelstanges, der an diesem Tag vor hundert Jahren in Nordhausen am Harz zur Welt kam, eine umfängliche Ausstellung über ihn im Kunsthaus Meyenburg eröffnet. Besonderer Augenmerk war auf Hagelstanges Verbundenheit mit Bildenden Künstlern gelegt, von denen mehrere seine Bücher illustriert haben. Vier Künstler leben noch und waren in Nordhausen zugegen.

Hagelstange im neuen Haus (Foto: Heidelore Kneffel) Hagelstange im neuen Haus (Foto: Heidelore Kneffel)

Die Präsentation fand großen Zuspruch aus nah und fern. Auch alle fünf Kinder Hagelstanges reisten an. Die älteste Tochter, Regine Stolzke, in Nordhausen geboren, bedankte sich „für eine beeindruckende umfangreiche Ausstellung, einen sehr gelungenen Abend mit hervorragenden Beiträgen.“ Die Nachfahren waren dabei, als am Geburtshaus in der Oscar-Cohn-Straße 4 eine Erinnerungstafel enthüllt wurde, auf der folgender Text zu lesen ist: “Der Schriftsteller und Dichter Rudolf Hagelstange (1912–1984)

Am 14. Januar 1912 wird Rudolf Hagelstange in Nordhausen geboren. Er besucht das Gymnasium an der Morgenröte und veröffentlicht schon als Schüler in der Lokalpresse Gedichte. Seit 1931 hält er sich in Berlin auf, beginnt ein Philologie-Studium und verdient seinen Unterhalt als freier Schriftsteller. In den Jahren von 1934 bis 1936 unternimmt er Faltbootreisen durch Europa, arbeitet als Volontär, dann als Kunstschriftleiter bei der „Nordhäuser Zeitung“ und erringt als Stabhochspringer Erfolge. Im Jahr 1939 heiratet er die Tanzmeisterin des Nordhäuser Theaters, Carola Dittel. 1940 wird er zur Wehrmacht eingezogen und in Frankreich, dann in Italien als Kriegsberichterstatter eingesetzt. In Venedig und Verona verfasst er 1944 die Sonette des „Venezianisches Credo“. Das Werk erscheint in Italien als illegaler Druck. Nach dem Krieg wird es als Auftakt der neuen Insel-Produktion herausgegeben.

Hagelstanges Name wird dadurch bekannt. Er kehrt nach kurzer amerikanischer Gefangenschaft im Herbst 1945 in seine zerbombte Geburtsstadt zurück, in der seine Frau und zwei Mädchen im Pfingstweg 24 (Friedrich-Naumann-Straße) auf ihn warten. Man zieht in das Haus Vor dem Hagentor 2, wo die befreundete Familie Schultes-Böning wohnt und die greise Künstlerin Käthe Kollwitz ein knappes Jahr Zuflucht gefunden hatte. Der Autor ist Mitbegründer des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ und rezensiert mehrere Theateraufführungen.

Hagelstange illegal in der DDR - 1978 (Foto: Heidelore Kneffel) Hagelstange illegal in der DDR - 1978 (Foto: Heidelore Kneffel) Von Nordhausen zieht die Familie im Herbst 1946 nach Westfalen und 1948 an den Bodensee. Lese- und Entdeckungsreisen führen ihn in fast alle Kontinente. Griechenland bleibt sein Lieblingsziel. Die Eindrücke und Erfahrungen spiegeln sich in seinem umfänglichen literarischen Werk. 1968 zieht er ins Elsass, 1970 nach Erbach im Odenwald. Für seine Lyrik, seine Erzählungen, die Romane, Essays und Reiseberichte, für seine Tätigkeit als Herausgeber und Übersetzer wird er mit Auszeichnungen geehrt. Da ein offizieller Besuch in der DDR wegen seiner kritischen Haltung zu den von der Sowjetunion gelenkten sozialistischen Staaten nicht möglich ist, reist er 1978 inkognito ein. Nordhausen und vertraute Harzorte ziehen ihn an.

Es entsteht die Traumerzählung „Der sächsische Großvater“, in der Nordhausen eine entscheidende Rolle einnimmt. Seit 1982 ist sein Zweitwohnsitz in Hanau. Er schreibt einen Doppelroman über die Familie des Arztes Dr. Karl Schultes (Balser im Roman) in Nordhausen, ein Sittengemälde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am 5. August 1984 stirbt Rudolf Hagelstange in Hanau, er wird in Erbach beigesetzt.“

In der Zwischenzeit wurde der verlorengeglaubte Grabstein der Eltern vom Friedhof in Nordhausen geborgen und in das Lapidarium im stadtgeschichtlichen Museum Flohburg integriert.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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