CDU und Grüne: Beim Gipsabbau alles möglich?
Samstag, 26. Juli 2014, 08:47 Uhr
Bei der jüngsten Vorstellungsrunde der Landtagskandidaten vor Vertretern des Nordhäuser Unternehmerverbandes wurde, so entnahm Bodo Schwarzberg der nnz, auch über die Position der Parlamentsbewerber zum Gipsabbau im Landkreis Nordhausen diskutiert...
Abgebaut: Aktueller Blick auf ehemalige, heute eingeebnete Teile des Kohnsteins vom Restkohnstein aus.
Laut diesem Beitrag äußerten sich Egon Primas (CDU) und Christian Darr (Bündnis 90 / Die Grünen) hierzu wie folgt: Primas: "Man sei für die Gipsindustrie wie sie jetzt existiert, Neuerschließungen würde es aber nicht geben." Darr: "Die Rohstoffvorräte reichten noch für Jahrzehnte und man müsse sich über Innovationen wie Gipsrecycling oder Substitute unterhalten."
Das klingt beim ersten Lesen relativ gut, erschließt sich vor dem Hintergrund der aktuellen Situation aber als typisches Politikervokabular, in das sehr viel hinein zu interpretieren ist und das selbst für eine Privataudienz beim Pabst Gesprächsgrundlage sein könnte.
Denn: Eine nicht praktizierte Neuerschließung von Steinbrüchen schließt keinesfalls stetig wachsende Gipssteinbrüche, also eine fortscheitende Zerstörung unserer Gipskarstlandschaft aus, wie wir am Steinbruch Rüsselsee und an den Bestrebungen von Knauf gut sehen können, ihrer Steinbruchwüste selbst Teile des Naturschutzgebietes Alter Stolberg einzuverleiben.
Das, sehr geehrter Herr Primas, ist genau die "Gipsindustrie, wie sie jetzt existiert." So, wie Sie es sagen, unterstützen Sie also die Fortsetzung der Zerstörung. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Gipsfirmen permanent potentielle Abbauflächen erwerben, muss zudem gefragt werden, wie stichhaltig die Angabe des CDU-Politikers ist, es würde keine Neuerschließungen geben. Was sonst wollen denn die Unternehmen mit so viel Land? Für immer mehr Naturschutz etwa?
Von der CDU hätte ich keine anderen Aussagen als die zitierten erwartet. Besonders enttäuscht aber bin ich von Christian Darr: Von einem grünen Möchtegern-Landtagsabgeordneten hätte ich erwartet, dass er nicht, wie ein Industrievertreter von "Rohstoffvorräten" spricht, die noch "für Jahrzehnte" reichten, sondern vom weltweit einmaligen Südharzer Gipskarst, den es vor zerstörerischen Eingriffen zu bewahren gilt. Diesem Gipskarst, der sich in und vor Jahrmiliionen entwickelte, den Begriff "Rohstoff" anzuheften, suggeriert, dass er, Darr, als Grüner auch dessen Ausbeutung unterstützt. Denn wozu sonst sind Rohstoffe da.
Warum hat Herr Darr als BUND-Mitglied nicht zum Beispiel den Besuch des BUND-Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Weigert im Frühjahr erwähnt, in dem dieser von seiner Initiativunterstützung sprach, das antiquierte und wirtschaftsdiktatorische Bergrecht aus den Angeln zu heben? Demnach sollen Verbände und Kommunen endlich ein Mitspracherecht bei Abbaugelüsten der Industrie erhalten. Dann nämlich wären solche Aktionen einer Bergbaufirma wie in Sachen Steinbrucherweiterung Rüsselsee am öffentlichen Interesse vorbei (ich erinnere an Herrn Primas: Gipsindustrie wie sie jetzt existiert") kaum noch denkbar.
Aber wahrscheinlich sitzt den Grünen der Wunsch nach politischer Macht mit all den möglichen Pöstchen auch in Thüringen so sehr im Nacken, dass man die eigenen Argumente mit denen der CDU kompatibel machen möchte. Bekanntermaßen haben die Grünen die einkommensstärkste Wählerklientel aller Volksparteien, und in Hessen regieren sie bereits mit den Christdemokraten.
Bodo Schwarzberg
Kommentare bitte mit Klarnamen
Abgebaut: Aktueller Blick auf ehemalige, heute eingeebnete Teile des Kohnsteins vom Restkohnstein aus.
Laut diesem Beitrag äußerten sich Egon Primas (CDU) und Christian Darr (Bündnis 90 / Die Grünen) hierzu wie folgt: Primas: "Man sei für die Gipsindustrie wie sie jetzt existiert, Neuerschließungen würde es aber nicht geben." Darr: "Die Rohstoffvorräte reichten noch für Jahrzehnte und man müsse sich über Innovationen wie Gipsrecycling oder Substitute unterhalten."
Das klingt beim ersten Lesen relativ gut, erschließt sich vor dem Hintergrund der aktuellen Situation aber als typisches Politikervokabular, in das sehr viel hinein zu interpretieren ist und das selbst für eine Privataudienz beim Pabst Gesprächsgrundlage sein könnte.
Denn: Eine nicht praktizierte Neuerschließung von Steinbrüchen schließt keinesfalls stetig wachsende Gipssteinbrüche, also eine fortscheitende Zerstörung unserer Gipskarstlandschaft aus, wie wir am Steinbruch Rüsselsee und an den Bestrebungen von Knauf gut sehen können, ihrer Steinbruchwüste selbst Teile des Naturschutzgebietes Alter Stolberg einzuverleiben.
Das, sehr geehrter Herr Primas, ist genau die "Gipsindustrie, wie sie jetzt existiert." So, wie Sie es sagen, unterstützen Sie also die Fortsetzung der Zerstörung. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Gipsfirmen permanent potentielle Abbauflächen erwerben, muss zudem gefragt werden, wie stichhaltig die Angabe des CDU-Politikers ist, es würde keine Neuerschließungen geben. Was sonst wollen denn die Unternehmen mit so viel Land? Für immer mehr Naturschutz etwa?
Von der CDU hätte ich keine anderen Aussagen als die zitierten erwartet. Besonders enttäuscht aber bin ich von Christian Darr: Von einem grünen Möchtegern-Landtagsabgeordneten hätte ich erwartet, dass er nicht, wie ein Industrievertreter von "Rohstoffvorräten" spricht, die noch "für Jahrzehnte" reichten, sondern vom weltweit einmaligen Südharzer Gipskarst, den es vor zerstörerischen Eingriffen zu bewahren gilt. Diesem Gipskarst, der sich in und vor Jahrmiliionen entwickelte, den Begriff "Rohstoff" anzuheften, suggeriert, dass er, Darr, als Grüner auch dessen Ausbeutung unterstützt. Denn wozu sonst sind Rohstoffe da.
Warum hat Herr Darr als BUND-Mitglied nicht zum Beispiel den Besuch des BUND-Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Weigert im Frühjahr erwähnt, in dem dieser von seiner Initiativunterstützung sprach, das antiquierte und wirtschaftsdiktatorische Bergrecht aus den Angeln zu heben? Demnach sollen Verbände und Kommunen endlich ein Mitspracherecht bei Abbaugelüsten der Industrie erhalten. Dann nämlich wären solche Aktionen einer Bergbaufirma wie in Sachen Steinbrucherweiterung Rüsselsee am öffentlichen Interesse vorbei (ich erinnere an Herrn Primas: Gipsindustrie wie sie jetzt existiert") kaum noch denkbar.
Aber wahrscheinlich sitzt den Grünen der Wunsch nach politischer Macht mit all den möglichen Pöstchen auch in Thüringen so sehr im Nacken, dass man die eigenen Argumente mit denen der CDU kompatibel machen möchte. Bekanntermaßen haben die Grünen die einkommensstärkste Wählerklientel aller Volksparteien, und in Hessen regieren sie bereits mit den Christdemokraten.
Bodo Schwarzberg
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Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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