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Freie Alternativen auf dem Bildungsweg

Freitag, 04. Juli 2014, 11:02 Uhr
Heute war der "Tag der freien Schulen" in Thüringen. In Nordhausen hieß das, dass auch die Montessori Grundschule ihre Pforten für Wissbegierige öffnete. Hier ging es denn auch ein klein wenig anders zu, als an staatlichen Grundschulen...

Als "Kuschelpädagogik" werden die Lehren von Maria Montessori bis heute gerne verunglimpft. In einen Topf geschmissen mit anderen Reformpädagogischen Ansätzen haftet den alternativen Ansätzen zu staatlichen Bildungseinrichtungen der Hauch des Antiautoritären und der Disziplinlosigkeit an. Schließlich gibt es keine Noten und die Kinder können zum großen Teil selber entscheiden, was sie tun wollen.

Die Realität sieht anders aus. Wer heute die Montessori Schule besuchte, der sah keine Kinder, die über Tische sprangen oder auf den Bänken ein Nickerchen hielten. Es herrschte eher eine Atmosphäre strebsamer Geschäftigkeit. Sicher, nicht alle Kinder saßen aneinandergereiht im Klassenraum und brüteten über ihren Büchern unter den wachsamen Augen des Lehrers. Verteilt über mehrere Räume gingen die Kinder alleine, zu zweit oder in Gruppen verschiedenen Aufgaben nach. "Freie Arbeit" nennen sie das hier.

Zentrales Motto der Montessori Pädagogik ist: "Hilf mir, es selbst zu tun" (Foto: Angelo Glashagel) Zentrales Motto der Montessori Pädagogik ist: "Hilf mir, es selbst zu tun" (Foto: Angelo Glashagel)

Jedes Kind hat einen Wochenplan mit Aufgaben in Mathe, Deutsch und Heimat- und Sachkunde. Die Aufgaben sind nicht für alle Schüler gleich, sondern werden Woche für Woche dem Kind entsprechend angepasst. Die Aufgaben richten sich sowohl nach der Interessenlage des Kindes als auch nach ihren individuellen Stärken und Schwächen. Während der Freiarbeit können sich die Kinder frei bewegen, holen sich ihre Unterrichtsmaterialien selber, lassen sich von Mitschülern oder der Lehrerin helfen. "Die Kinder haben die Pflicht, sich ihre Aufgaben zu suchen und sie dann auch fertig zu stellen", sagte Schulleiterin Sabine Dreßler.

Wo und wie sie das tun, bleibt aber den Kindern überlassen. Auf dem Boden sitzend, im stehen oder am Tisch wird gelesen, mit dem Markenspiel gerechnet, eine Geschichte geschrieben, oder gemalt.

Viel Wert wird auf besondere Unterrichtsmaterialien gelegt (Foto: Angelo Glashagel) Viel Wert wird auf besondere Unterrichtsmaterialien gelegt (Foto: Angelo Glashagel)

Zwei Stunden Freiarbeit gibt es jeden Tag, dazwischen geht es zu wie an anderen Schulen auch: klassischer Frontalunterricht wechselt sich mit Gruppen-, Partner-, und Projektarbeit ab. Die Montessori Pädagogik geht davon aus, das Kinder lernen wollen und aus sich heraus die Disziplin und das Konzentrationsvermögen besitzen, dies auch zu tun. Zentrales Motto ist "Hilf mir, es selbst zu tun".

Von den Lehrkräften, die mit Rat und Tat zur Seite stehen, wird verlangt, dass sie neben dem klassischem Lehramtsstudium auch ein Montessori-Diplom vorweisen können, da eine genaue Kenntniss der pädagogischen Ansätze und der eingesetzten Materialien notwendig ist. Regelmäßige Hospitanzen, also der Besuch anderer Schulen, gehören auch zum Lehreralltag. Im Gegenzug sehen sich auch die Lehrer anderer Schulen und Schulformen des öfteren den Unterricht á la Montessori an.

Auch die inklusive Arbeit wird frei nach Montessori geregelt (Foto: Angelo Glashagel) Auch die inklusive Arbeit wird frei nach Montessori geregelt (Foto: Angelo Glashagel)

Noten gibt es tatsächlich keine. Man ist, wie alle Schulen, an den Thüringer Lehrplan gebunden, nur der Weg zur weiterführenden Einrichtung ist ein anderer. Schulleiterin Dreßler versichert, das der Wechsel an Realschule oder Gymnasium für die Montessori Schüler nicht schwieriger sei als für andere, schließlich seien den Kindern auch die Unterrichtsformen bekannt, die an staatlichen Schulen eingesetzt würden. Noten brauche man nicht, da die Lehrer ihre Schüler und deren Entwicklung dank des individuellen Ansatzes sehr genau kennen würden und einschätzen könnten. Regelmäßige Entwicklungsberichte und mindestens zwei Gespräche mit den Eltern im Beisein des Kindes die in einer gemeinsamen Zielvereinbarung münden, sollen die adäquate Einschätzung der Leistungen sicher stellen.

Schon seit 1999 unterichtet man an der Nordhäuser Montessori Grundschule so. Die Einrichtung ist Teil des Montessori Kinderhauses und umfasst auch Kindergarten und Kinderkrippe. Viele der 70 Schüler waren zuvor auch hier in Krippe und KITA. Entsprechend wird die Schule als Ganztagsschule betrieben und auch am Nachmittag gibt es zahlreiche Angebote für die Schüler, etwa im "kosmischen Unterricht", der Heimat- und Sachkunde, Biologie, Zoologie und Geographie miteinander verbindet.

Willkommen ist jeder, man sei in keinster Weise elitär, sagte Schulleiterin Dreßler. Die Ansätze der Montessori Pädagogik sind aber nicht jedermanns Sache und Eltern sollten sich über die Arbeitsweise und die Inhalte des Ansatzes informieren, bevor sie ihr Kind in eine Montessori Einrichtung schicken. Das geht über den Internetauftritt des Montessori Kinderhauses Nordhausen oder auch am Tag der offenen Tür. Der nächste findet im September statt.
Autor: red

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