nnz-online

Geschichte eines Ortsverbandes

Donnerstag, 03. Juli 2014, 17:31 Uhr
Der Ortsverband Niedersachswerfen wurde im Jahr 1990 als erster im Kreisgebiet mit 163 Mitgliedern gegründet. Nach der Wende erhielten die Vertriebenen in den neuen Bundesländern nun auch die Freiheit, sich öffentlich zu ihrer Heimat zu bekennen. Ein Abriss in der nnz...


Das Thema Flucht und Vertreibung war in der DDR tabu. Kein Brauchtum aus ihrer gewohnten Umgebung und auch die Kultur ihrer Heimat durften öffentlich gepflegt werden.

15 Millionen Vertriebene verloren nicht nur ihre Heimat, sondern ihren gesamten Besitz, waren entwurzelt und mussten unter schwierigsten Bedingungen in eine neue Umgebung eingegliedert werden. Die Betroffenen waren so traumatisiert, dass sie jahrelang, ja Jahrzehnte nicht über ihre Erlebnisse sprechen konnten.

Wenn man bedenkt, dass jeder 4. Einwohner Thüringens ein Vertriebener oder ein Abkömmling ist, dann ist die Zahl der Betroffenen sehr hoch. Im Jahre 1946 kamen laut Statistik in Niedersachswerfen 1332 Vertriebene aus verschiedenen Herkunftsgebieten an. Viele von ihnen wurden anfänglich in den Baracken des Ortes und auch im Doralager untergebracht – welch ein Anfang nach den Erlebnissen der grauenhaften Vertreibung.

Die Lehrerin Erika Hesse ist selbst Betroffene und hat das Schicksal vieler Vertriebenenfamilien gekannt. Nach der Wende war es ihr sehnlichster Wunsch, die Mauer des Schweigens zu brechen, sich für die Belange der Vertriebenen einzusetzen und ihr Ansprechpartner zu sein. Seit der Gründung leitet sie den Ortsverband und sorgt für ein abwechslungsreiches Vereinsleben.

Alljährlich werden einwöchige Busfahrten in die schönsten Gegenden unternommen. In den ersten Jahren waren es meist Fahrten in die Heimatregionen, bei denen Wiedersehensfreude und Abschiedsschmerz sehr unter die Haut gingen. Die diesjährige Fahrt führt im Juni in den Bayrischen Wald mit vielen Höhepunkten.

Am Denkmal (Foto: privat) Am Denkmal (Foto: privat)

Inzwischen haben sich auch Nichtbetroffene dem Verband angeschlossen und sind jederzeit herzlich willkommen. Die familiäre Atmosphäre im Vereinsleben tut allen gut. Bei der Vorbereitung von Feiern gibt es immer bereitwillige Helfer, die beim Kuchenbacken und allen anfallenden Aufgaben helfen. Erwähnenswert ist auch das Engagement von Gerda und Gerhard Machner, die liebevoll das von dem aus Teplitz stammenden und in Niedersachswerfen groß gewordenen Künstler Lothar Rechtacek geschaffene Denkmal pflegen. Diese Mutter-Kind-Skulptur ist ein Dank an alle Mütter, welche die größte Last bei Flucht und Vertreibung zu tragen hatten.
L. Schubert in Zusammenarbeit mit E. Hesse
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de