25 Jahre Grünes Band - Besuch im Südharz
Donnerstag, 26. Juni 2014, 14:38 Uhr
Anlässlich des 25 Geburtstages des Grünen Bandes, dem Naturschutzgebiet auf dem Grenzstreifen der ehemaligen Innerdeutschen Grenze, stand heute auch der Südharzer Gipskarst im Fokus...
Bei Ellrich trafen sich heute Vertreterinnen und Vertreter aus dem behördlichen und verbandlichen Naturschutz und lokale Politiker zu einer Pressefahrt anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Grünen Bandes. Das Grüne Band ist ein 1.393 Kilometer langer Verbund wertvoller und meist seltener Tier- und Pflanzenlebensräume mitten in Deutschland entlang der ehemaligen Grenze zwischen der BRD und der DDR.
Die 17.712 Hektar des früheren Todesstreifens entwickelten sich zu einer Lebenslinie: sie ist Rückzugsort und Wanderkorridor für über 1.200 gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Mehr als zwei Drittel des Grünen Bandes stehen deshalb unter Schutz. Dieser Ort der früheren unmenschlichen Trennung Deutschlands ist gleichzeitig ein lebendiges Mahnmal für Frieden und Demokratie.
Doch auf 13 % der Fläche bzw. auf 180 km Länge ist das Grüne Band in der Landschaft nicht mehr zu erkennen, weil es durch intensive Landnutzung überprägt ist und kostbare Biotope so zerstört wurden. Darüber hinaus gingen für die Natur wertvolle Offenlandflächen durch Waldaufwuchs verloren. Diese Lücken im Grünen Band bedeuten für viele Tiere und Pflanzen, dass sie bei ihrer Nahrungssuche, Fortpflanzung und Besiedlung neuer Lebensräume von einer unüberwindbaren Barriere gestoppt werden. Damit steigt die Gefahr, dass diese Tiere und Pflanzen zunächst lokal aussterben und in der Folge auch aus Deutschland verschwinden. Allein in Thüringen gibt es elf Lücken, die über einen Kilometer lang sind. Die Länge der Lücke bei Ellrich beträgt sieben Kilometer, wovon 4,8 Kilometer auf Ackerflächen und 2,2 Kilometer auf Grünland entfallen.
Die viertägige Pressefahrt des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Bundesamts für Naturschutz (BfN), ist Teil des Projektes Lückenschluss Grünes Band, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Reaktorsicherheit und Bau gefördert wird. Die Präsidentin des BfN, Prof. Beate Jessel erklärte, warum das BfN die Weiterentwicklung des Grünen Bandes seit vielen Jahren unterstützt: Das Grüne Band hat als einziges existierendes länderübergreifendes Biotopverbundsystems eine Vorbildwirkung und Modellcharakter für die Umsetzung des nationalen Biotopverbundsystems. Deshalb nutzen wir all unsere Möglichkeiten, über inhaltliche Zusammenarbeit und Projektförderungen die Lückenlosigkeit des Grünen Bandes wieder herzustellen.
146 verschiedene Lebensraumtypen wurden im Grünen Band 2012 bei einer Lebensraumerfassung festgestellt. Fast zwei Drittel davon sind in der Roten Liste der Biotoptypen Deutschlands als gefährdet eingestuft. Dies griff Prof. Weiger, Vorsitzender des BUND auf: Die Vielfalt der hier vorkommenden wertvollen Biotoptypen und wie sie miteinander vernetzt sind – das ist einmalig in Deutschland. Deswegen muss es für alle ein Ziel sein, ein lückenloses, vollständig durchgängiges Grünes Band von der Ostsee bis ans bayrisch-sächsisch-tschechische Dreiländereck zu schaffen. Das ist machbar. Die Naturschutzstiftungen der Länder sind nach der 2011 abgeschlossenen Übertragung von Flächen aus dem Bundesbesitz die größten Flächeneigentümer im Grünen Band. Sie haben hiermit hervorragende Möglichkeiten und die verantwortungsvolle Aufgabe, die noch intensiv genutzten Flächen nach und nach zu extensivieren. Wie die Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT), die im Besitz von 50% der Fläche des thüringischen Anteils am Grünen Band ist, dabei vorgeht, stellte Beate Schrader (Vorsitzende der SNT) am Beispiel einer Ackerfläche vor, die im kommenden Jahr in Grünland umgewandelt werden soll.
An Stellen, an denen die Wiederherstellung des Grünen Bandes nicht mehr möglich ist oder naturschutzfachlich keinen Sinn mehr macht, z.B. direkt neben einer Straße, müssen andere Wege gefunden werden, um den Biotopverbund wieder herzustellen. Dann müssen wir einen Umweg in Kauf nehmen und versuchen, einen Bypass einzurichten. Wir verhandeln dann mit Landnutzern und Flächeneigentümern über einen Tausch der Flächen z.B. entlang von Fließgewässern, so Projektmitarbeiterin Karin Kowol.
Dagmar Becker, Kreistagsabgeordnete in Nordhausen und Mitglied des Vorstands des BUND Thüringen stellte das Gipsabbaugebiet am Röseberg direkt im Grünen Band vor: So vielfältig wie die Menschen und Regionen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, zeigt sich auch die Natur entlang dieses größten mitteleuropäischen Biotopverbunds. Hier im Südharz liegen Perlen der Natur und Raubbau durch den Menschen besonders nahe beieinander. Wo Mops- und Bechsteinfledermaus, Kammmolch, Feuersalamander und viele Orchideenarten sich wohlfühlen, gehen gleichzeitig wertvolle Lebensräume durch Gipsabbau verloren und bestehen nach wie vor Lücken durch intensive Landnutzung. Dabei bietet die einzigartige Karstlandschaft große Potentiale für ein Miteinander von Mensch und Natur. Gipsklippen, artenreiche Laubwälder, von Schafen beweidete Trockenrasen und Karstgewässer ziehen Touristen in ihren Bann und bieten den Menschen vor Ort Lebensqualität und Identität.
Die Pressefahrt begann am Dienstag an der Elbe und wird morgen im Thüringer Grabfeld ihren Abschluss finden.
Autor: redBei Ellrich trafen sich heute Vertreterinnen und Vertreter aus dem behördlichen und verbandlichen Naturschutz und lokale Politiker zu einer Pressefahrt anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Grünen Bandes. Das Grüne Band ist ein 1.393 Kilometer langer Verbund wertvoller und meist seltener Tier- und Pflanzenlebensräume mitten in Deutschland entlang der ehemaligen Grenze zwischen der BRD und der DDR.
Die 17.712 Hektar des früheren Todesstreifens entwickelten sich zu einer Lebenslinie: sie ist Rückzugsort und Wanderkorridor für über 1.200 gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Mehr als zwei Drittel des Grünen Bandes stehen deshalb unter Schutz. Dieser Ort der früheren unmenschlichen Trennung Deutschlands ist gleichzeitig ein lebendiges Mahnmal für Frieden und Demokratie.
Doch auf 13 % der Fläche bzw. auf 180 km Länge ist das Grüne Band in der Landschaft nicht mehr zu erkennen, weil es durch intensive Landnutzung überprägt ist und kostbare Biotope so zerstört wurden. Darüber hinaus gingen für die Natur wertvolle Offenlandflächen durch Waldaufwuchs verloren. Diese Lücken im Grünen Band bedeuten für viele Tiere und Pflanzen, dass sie bei ihrer Nahrungssuche, Fortpflanzung und Besiedlung neuer Lebensräume von einer unüberwindbaren Barriere gestoppt werden. Damit steigt die Gefahr, dass diese Tiere und Pflanzen zunächst lokal aussterben und in der Folge auch aus Deutschland verschwinden. Allein in Thüringen gibt es elf Lücken, die über einen Kilometer lang sind. Die Länge der Lücke bei Ellrich beträgt sieben Kilometer, wovon 4,8 Kilometer auf Ackerflächen und 2,2 Kilometer auf Grünland entfallen.
Die viertägige Pressefahrt des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Bundesamts für Naturschutz (BfN), ist Teil des Projektes Lückenschluss Grünes Band, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Reaktorsicherheit und Bau gefördert wird. Die Präsidentin des BfN, Prof. Beate Jessel erklärte, warum das BfN die Weiterentwicklung des Grünen Bandes seit vielen Jahren unterstützt: Das Grüne Band hat als einziges existierendes länderübergreifendes Biotopverbundsystems eine Vorbildwirkung und Modellcharakter für die Umsetzung des nationalen Biotopverbundsystems. Deshalb nutzen wir all unsere Möglichkeiten, über inhaltliche Zusammenarbeit und Projektförderungen die Lückenlosigkeit des Grünen Bandes wieder herzustellen.
146 verschiedene Lebensraumtypen wurden im Grünen Band 2012 bei einer Lebensraumerfassung festgestellt. Fast zwei Drittel davon sind in der Roten Liste der Biotoptypen Deutschlands als gefährdet eingestuft. Dies griff Prof. Weiger, Vorsitzender des BUND auf: Die Vielfalt der hier vorkommenden wertvollen Biotoptypen und wie sie miteinander vernetzt sind – das ist einmalig in Deutschland. Deswegen muss es für alle ein Ziel sein, ein lückenloses, vollständig durchgängiges Grünes Band von der Ostsee bis ans bayrisch-sächsisch-tschechische Dreiländereck zu schaffen. Das ist machbar. Die Naturschutzstiftungen der Länder sind nach der 2011 abgeschlossenen Übertragung von Flächen aus dem Bundesbesitz die größten Flächeneigentümer im Grünen Band. Sie haben hiermit hervorragende Möglichkeiten und die verantwortungsvolle Aufgabe, die noch intensiv genutzten Flächen nach und nach zu extensivieren. Wie die Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT), die im Besitz von 50% der Fläche des thüringischen Anteils am Grünen Band ist, dabei vorgeht, stellte Beate Schrader (Vorsitzende der SNT) am Beispiel einer Ackerfläche vor, die im kommenden Jahr in Grünland umgewandelt werden soll.
An Stellen, an denen die Wiederherstellung des Grünen Bandes nicht mehr möglich ist oder naturschutzfachlich keinen Sinn mehr macht, z.B. direkt neben einer Straße, müssen andere Wege gefunden werden, um den Biotopverbund wieder herzustellen. Dann müssen wir einen Umweg in Kauf nehmen und versuchen, einen Bypass einzurichten. Wir verhandeln dann mit Landnutzern und Flächeneigentümern über einen Tausch der Flächen z.B. entlang von Fließgewässern, so Projektmitarbeiterin Karin Kowol.
Dagmar Becker, Kreistagsabgeordnete in Nordhausen und Mitglied des Vorstands des BUND Thüringen stellte das Gipsabbaugebiet am Röseberg direkt im Grünen Band vor: So vielfältig wie die Menschen und Regionen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, zeigt sich auch die Natur entlang dieses größten mitteleuropäischen Biotopverbunds. Hier im Südharz liegen Perlen der Natur und Raubbau durch den Menschen besonders nahe beieinander. Wo Mops- und Bechsteinfledermaus, Kammmolch, Feuersalamander und viele Orchideenarten sich wohlfühlen, gehen gleichzeitig wertvolle Lebensräume durch Gipsabbau verloren und bestehen nach wie vor Lücken durch intensive Landnutzung. Dabei bietet die einzigartige Karstlandschaft große Potentiale für ein Miteinander von Mensch und Natur. Gipsklippen, artenreiche Laubwälder, von Schafen beweidete Trockenrasen und Karstgewässer ziehen Touristen in ihren Bann und bieten den Menschen vor Ort Lebensqualität und Identität.
Die Pressefahrt begann am Dienstag an der Elbe und wird morgen im Thüringer Grabfeld ihren Abschluss finden.
