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Fröhliche Grimm-Adaption

Mittwoch, 25. Juni 2014, 18:40 Uhr
Das Leid der Schuhe oder wie man einen Sack Flöhe hütet - der Theaterjugendclub Junior mit einer fröhlichen Grimm-Adaption. Eine Betrachtung von Evelyn Lange...

Gelungene Adaption (Foto: E. Lange) Gelungene Adaption (Foto: E. Lange)

Man weiß nicht, wer einen mehr dauert, die zertanzten Schuhe oder der arme König, der zwölf pubertierende Töchter unter einen Hut und zur Räson bringen muss. Die Schuhe, jedes einzelne Paar, klagen dem Publikum im Theater unterm Dach ihr Herzeleid.

Von überall kommen sie her, aus New York sowieso und, natürlich, aus Italien. Eines Paares Vater war gar Römersandalette. Allen ist eines gemeinsam: Sie werden gepflegt oder nicht, ausgetreten, heruntergelatscht, zertanzt und weggeworfen. Irgendwann sind sie im Eimer, so oder so.

Bei den zwölf Prinzessinnen geht der Schuhverschleiß rasend schnell. Eine Nacht, dann sind zwölf Paar hinüber. Das kostet die Staatskasse Unsummen und den König schier den Verstand. Was ist hier eigentlich los in der Nacht, wenn er die Töchter in ihren Betten wähnt? Ein Wächter wird gesucht, der Licht ins Dunkel bringen soll. Doch die zwölf Prinzessinnen, die Nacht für Nacht zum Tanzen mit zwölf Prinzen im Keller verschwinden, lassen sich so leicht nicht in die Karten schauen.

Über sechshundert Wächter haben sie bereits betäubt, die wegen Verschlafens hernach den Tod fanden. Schaurig. Einer bewirbt sich, der lieber etwas beim Chinesen zu Essen bestellt und tatsächlich mit seinem Smartphone das nächtliche Treiben fotografiert: die Truppe beim Tanzen, Picheln und Knutschen. Au Backe, jetzt redet der König Fraktur mit seinen Mädchen. Eine geht an den Wächter als Ehefrau, die anderen ins Verlies. Doch am Ende, und da sind wir wieder bei den guten alten Grimms, geht alles gut aus.

Die frischgebackene Wächtersfrau kann einen quicklebendigen Großvater aus dem Publikum fischen. Der war nämlich der allererste Nachtwächter, obwohl seine Bewerbung eher einer Geiselnahme glich. Also alles paletti, die Mädels raus aus dem Kerker und das getan, was sie am liebsten tun: tanzen.

Dass die Schlussszene die Schlussszene war, hat irgendwie so richtig niemand für voll genommen. Das hochvergnügte Publikum blieb einfach sitzen, da konnten sie mit dem Licht spielen, wie sie wollten. Erst als die Türen geöffnet wurden, kam Bewegung in die Sitzenbleiber.

Die Zuschauer, das sind, wenn der Theaterjugendclub Junior seine jährlichen zwei Vorstellungen gibt, naturgemäß Eltern und Geschwister, verzückte Omas und Opas, Freunde und Mitschüler. Die Jüngsten auf den Brettern, die die Welt bedeuten, sind in Nordhausen 9 bis 14 Jahre alt. Sie haben sich dieses Jahr zusammen mit ihren Leiterinnen Bianca Sue Henne und Daniela Zinner das Grimm’sche Märchen nicht nur erschlossen, sondern nach ihren Vorstellungen umgemodelt. Das hat Pep und Fröhlichkeit, es passt zu dieser kleinen Truppe mit dem großen Altersunterschied.

Die einen, richtige Kinder noch, spielen mit den Teenagern Theater, und sie tun das allesamt sehr engagiert. Wie sie sich gegenseitig mitnehmen durch die Handlung, hinter dem stehen, was sie mit Spielfreude und ihren unterschiedlichen Temperamenten tun, ist bemerkenswert. Alle haben mitgeholfen, ein kurzweiliges kleines Theaterstück auf die Beine zu stellen. Sogar der Hausmeister war vor Ort und hat das TuD geputzt. Sein Name? Lars Tietje. Normalerweise Intendant, aber wenn’s nottut, auch mal mit erweitertem Wirkungskreis.
Evelyn Lange
Autor: red

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