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Keinen Nachruf für „Ottos Steakhouse“?

Donnerstag, 12. Juni 2014, 21:20 Uhr
Die Gerüchteküche brodelt. „Die legendäre Gaststätte „Ottos Steakhouse“ in der Geseniusstraße macht dicht“, verlautete gestern aus dem Nordhäuser Männerchor, der dort, wie jeden Mittwoch, übte. Wirtin Steffi Holzheuer übernehme die Gaststätte in der „Friedenseiche“, hieß es. Wird es einen Nachruf für das Steakhouse-Lokal geben?

Es geht um die Zukunft... (Foto: Kurt Frank) Es geht um die Zukunft... (Foto: Kurt Frank)
Dr. Dieter Bartholomäus, dem jetzigen Besitzer des Gaststätten-Objektes, im Gespräch mit Steffi Holzheuer, der Gastwirtin. Unterschreibt sie den Vertrag mit ihm am Montag, wird es keinen Nachruf für „Ottos Steakhouse“ geben.

Nordhausen. „Es soll keinen Nachruf geben“, sagte heute Nachmittag Dr. Dieter Bartholomäus in einem Gespräch mit dieser Zeitung. „Er habe für Steffi das Objekt aus der Insolvenzmasse erworben, damit alles so weitergehe wie bisher“, bekräftigte er. „Die Entscheidung hänge jetzt von ihr“, hob der bekannte Arzt hervor. Sie soll am Montag fallen. Er als neuer Besitzer der Immobilie sei der Wirtin weitgehend entgegen gekommen, habe ein Schriftstück vorbereitet.

Unterschreibt es Steffi Holzheuer, läuft alles wie gehabt weiter. Mit geänderten Öffnungszeiten. Bleibt die „Friedenseiche“ außen vor? Keineswegs. Sohn Benjamin übernimmt die Gaststätte. Der 23-Jährige befindet sich gegenwärtig in der Koch-Ausbildung. Im Objekt in Salza soll wieder neues Leben einziehen.

Mit einem Gartenfest. Zur Eröffnung am 10. Juli. Ab 15 Uhr. Außer an einem Ruhetag öffne das Wirtshaus täglich ab 16 Uhr die Pforten. An den Wochenenden schon ab 11 Uhr. Bis Mitternacht soll das so bleiben. So die Vorstellungen von Mutter und Sohn. Wie in der Geseniusstraße soll deutsche Küche dominieren. Der Vertrag mit Klaus Polle, dem Inhaber des Hauses, belaufe sich erst einmal auf ein Jahr. Zur Probe.

Wie kam es zur Insolvenz von „Ottos Steakhouse“? Den 21. Dezember 2009 wird Steffi Holzheuer zeitlebens nicht vergessen. Mit einem Wassereinbruch begannen die Sorgen. Von einem Wartungsfehler am Rohrsystem der oberen Etagen war die Rede. Die Gaststätte schwamm. Schaden: 300.000 Euro. Acht Monate war das Lokal geschlossen.

Das Wasser schwappte durch mehrere Wohnungen. Von oben nach unten. Die Versicherung der Wirtin zahlte. Ihren Anteil: 159.000 Euro. Die der anderen Leute stellten sich quer. Es sei nicht eindeutig erwiesen, wer eigentlich Verursacher sei. Ein Gerichtstermin nach dem anderen folgte. Ohne Ergebnis.

Die Wirtin investierte. Brachte neuen Glanz in das Haus. Alle Bemühungen schienen erfolglos. Die Schulden beliefen sich am Ende auf über 150.000 Euro. Sie waren nicht mehr zu stemmen. Die Nerven der Frau lagen blank. Es kam zur Insolvenz. Aus der Zwangsversteigerung erwarb Dr. Bartholomäus, der nebenan seine Praxis hat, die Immobile. In guter Absicht für die Steffi, betonte er gestern wiederholt.

Der Saal mit seinen 100 Plätzen oder der Gastraum mit 40 war Ort zahlreicher Zusammenkünfte. Der Nordhäuser Männerchor probte wöchentlich. Die Vereinigung der Landsenioren und die Kleingärtner tagten hier. Ebenso die Volkssolidarität, die alten Herren von Wacker Nordhausen, der Nordhäuser Schwimmverein. Silvesterfeiern erfolgten.

„Wie mein Vater Otto und Großvater bin auch ich Gastwirtin aus Leidenschaft“, beteuert Steffi Holzheuer. Der Name habe in der Gastronomie einen guten Ruf. Das soll auch so bleiben, ist sie guter Dinge. Ob künftig nur in der „Friedenseiche“ oder in beiden Objekten? Die Würfel fallen am Montag.
Kurt Frank
Autor: red

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