nnz-online

Echte Alternative zum Studium

Montag, 02. Juni 2014, 18:24 Uhr
Die Bundesregierung plant, Angebote für Studienaussteiger zu verbessern. Die Berufliche Bildung wird in der Beratung künftig als Alternative angeboten, der Umstieg in die Wirtschaft erleichtert. Die Handwerkskammer Erfurt unterstützt diese Neuorientierung und sieht darin eine Chance für Studienabbrecher wie für Betriebe...


Bereits in der Vergangenheit haben Studienabbrecher erfolgreich ihre Karriere mit einer handwerklichen Ausbildung neu gestartet; allerdings liegen über die Anzahl keine genauen Zahlen vor. Mit dem Vorstoß der Bundesregierung will die Handwerkskammer Erfurt ihre Aktivitäten in den Universitäten und Hochschulen ebenfalls weiter ausbauen und die Kontakte intensivieren.

Daher bewirbt sich Handwerkskammer Erfurt um das bundesweite Projekt „Jobstarter Plus“, welches Anfang 2015 startet. Im Mittelpunkt des Erfurter Engagements soll neben der individuellen Beratung von Studenten und der direkten Zusammenarbeit mit Hochschulen und Universitäten insbesondere die Bildung eines Netzwerkes zwischen Handwerkskammer, den Bildungseinrichtungen und Betrieben stehen.

Präsident Stefan Lobenstein: „ Nicht für jeden Abiturienten ist das Studium der beste Weg hin zu einem erfolgreichen Berufsleben. Wir müssen die berufliche Ausbildung und gerade auch die vielfachen Karrierewege im Handwerk wieder stärker in das Bewusstsein der Gesellschaft und der Politik rücken. Dazu gehört auch, Studienabbrechern die Alternativen aufzuzeigen.“

Die im Qualifikationsrahmen bestgeschriebene Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist für das Handwerk ein wichtiger Erfolg, um insbesondere Abiturienten für die Karrierewege zu erreichen. Studienaussteiger sind eine weitere Zielgruppe. Lobenstein: „Verkürzte Ausbildungszeiten, Qualifizierungen für den Meister bereits während der Ausbildung oder auch Duale Studiengänge sind Angebote, die in passgenaue, individuelle Karrierekonzepte umgesetzt werden können. Dabei ist es unser erklärtes Ziel, die jungen Menschen nicht nur auszubilden, sondern auch im Handwerk zu halten.“

Wie der Präsident betont, suchen viele Betriebe aufgrund ihrer positiven Unternehmensentwicklung Fach- und Führungskräfte und bieten langfristige Perspektiven. „Außerdem stellt sich bei immer mehr Unternehmen die Nachfolgefrage. Hier haben leistungsbereite Fachkräfte mit Blick auf eine unternehmerische Selbständigkeit enorme Perspektiven.“ Laut Berechnungen der Handwerkskammer steht rund jeder dritter Betrieb aus Altersgründen in den kommenden 15 Jahren vor der Übergabe.

Wichtig ist der Handwerkskammer, dass mit dem Vorstoß der Bundesregierung eine nachhaltig angelegte Zusammenarbeit von Handwerk und Hochschulen gestartet wird. Lobenstein weist gleichzeitig darauf hin, dass es ebenso wichtig ist, die guten Ansätze der Berufsorientierung im Freistaat zu verstetigen und vor allem auch an Gymnasien die berufliche Ausbildung in den Beratungsfokus zu rücken. „Viele Studienabbrüche hätten mit einer umfassenderen Berufsorientierung am Gymnasium verhindert werden können. Unser Ziel muss es daher sein, die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung klarer herauszustellen.“

Eine Imageverbesserung der beruflichen Ausbildung könnte auch der Schullandschaft guttun. „Das Abitur ist nicht der Blankoschein für den beruflichen Erfolg. Gute und leistungsbereite Jungen und Mädchen mit Haupt- oder Realschulabschluss finden in den rund 130 Ausbildungsberufen des Handwerks ganz hervorragende Karrierebedingungen. Dies gilt ohne Einschränkung auch für Abiturienten“, so Lobenstein.

In 2013 lag der Anteil an Abiturienten an den neuen Auszubildenden im Bereich der Handwerkskammer Erfurt bei zehn Prozent. Die Hälfte hat einen Realschulabschluss. Bundesweit brechen rund 25 Prozent eines Studienjahrganges ihr Studium ab oder wechseln das Studienfach.
Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2021 nnz-online.de