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Sicher isst sicher

Montag, 02. Juni 2014, 13:12 Uhr
Nahrungs- und Genussmittel können die Wirkung von Medikamenten zum Teil erheblich beeinflussen. Zum diesjährigen Tag der Apotheke am Donnerstag starten daher auch Thüringens Apotheken eine Infokampagne unter dem Motto „Sicher isst sicher“...

Dabei geht es um die Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Nahrungs- und Genussmitteln. Initiiert wird der bundesweite Aktionstag von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände.

Milchprodukte, Zitrusfrüchte oder grünes Gemüse - sie gehören dazu, wenn man sich gesund ernähren will. Doch diese und andere Nahrungs- und Genussmittel können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen und so die Gesundheit zum Teil sogar erheblich beeinträchtigen. Apothekerin Andrea Seifert, Pressesprecherin der Region Nordhausen (Stadt und Landkreis), erklärt, wie es dazu kommt: „Eine Reihe von Nahrungs- und Genussmitteln enthält Substanzen, die mit Arzneistoffen reagieren oder deren Verarbeitung im Körper beeinflussen. Die Wirkung eines Medikaments kann so unvorhersehbar verstärkt, abgeschwächt oder verändert werden.“

Das betrifft sogar Stoffe, die der Körper dringend braucht, etwa das in Milchprodukten, Mineralwässern und Mineralstoffpräparaten enthaltene Kalzium: „Kalzium bildet mit einigen Antibiotika im Magen schwer lösliche Verbindungen. Da das Arzneimittel dann schlechter vom Körper aufgenommen werden kann, wirkt es schwächer. Einige Medikamente gegen Osteoporose werden durch Kalzium sogar komplett wirkungslos“, weiß die Apothekerin. „Oft reichen hierfür schon geringe Mengen kalziumreicher Lebensmittel aus, etwa die Milch im Kaffee“, warnt Seifert.

Verzichten muss man laut Seifert deshalb aber weder auf den geliebten Käse noch aufs Medikament: „Wer auf einen zeitlichen Abstand von drei bis vier Stunden achtet, kann den negativen Effekt vermeiden“, empfiehlt er. Wer aufgrund einer Schilddrüsenstörung Hormone schluckt, sollte mineralstoffhaltige Nahrungsmittel erst mit mehrstündigem Abstand zu sich zu nehmen. Apothekers-Tipp: „Auf Nummer Sicher geht, wer sich genau an die Angaben in der Packungsbeilage hält. Zudem sollte man Tabletten generell mit Leitungswasser einnehmen. Milch, Mineralwasser, Kaffee, Schwarz- und Grüntee sowie Alkohol sind dafür ungeeignet. So können darin enthaltene Gerbstoffe z.B. die Aufnahme von Eisenmineralien durch den Körper behindern.“

Wer gerinnungshemmende Wirkstoffe einnimmt, sollte grünes Gemüse wie Rosenkohl, Brokkoli oder Spinat sehr kontrolliert zu sich nehmen. Es enthält viel Vitamin K, das im Körper für die Blutgerinnung wichtig ist, und kann deshalb die Wirkung gerinnungshemmender Arzneistoffe abschwächen – vor allem bei sporadischem Verzehr größerer Mengen. Wer dagegen regelmäßig ähnlich große Portionen isst, muss auf das gesunde und wohlschmeckende „Grünzeug“ nicht verzichten.

Zu trauriger Berühmtheit hat es die Grapefruit gebracht: sie verstärkt die Wirkung einer ganzen Reihe von Arzneistoffen und kann damit sogar zu gefährlichen Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen oder Magen-Darm-Blutungen führen. „In der Frucht enthaltene Stoffe blockieren bestimmte Enzyme in der Dünndarmwand, die für den Abbau von Arzneimittel-Wirkstoffen zuständig sind. Es kommt zu einer Überdosierung, weil ein Vielfaches der vorgesehenen Wirkstoffmenge ins Blut gerät“, erläutert die Apothekerin. Der Effekt tritt unabhängig von der Verzehrform schon bei relativ geringen Mengen ein (der Saft einer Frucht reicht aus) und hält über viele Stunden an. Betroffen sind mehr als 85 Medikamente, u. a. gängige Antibiotika, Herz-Kreislauf-Mittelund Lipidsenker. Steht kein alternativer Wirkstoff zur Verfügung, bleibt nur der komplette Verzicht auf die Südfrucht und den Grapefruit-Saft.

Gar nicht zusammen passen Medikamente und Alkohol. So verstärkt er z. B. den dämpfenden Effekt vieler Schlaf- und Beruhigungsmittel – sogar noch am nächsten Morgen. Mit Alkohol wirken auch Mittel gegen Bluthochdruck und Diabetes häufig stärker; Antihistaminika in antiallergischen Medikamenten können dagegen extrem müde machen. Schmerzmittel sollte man ebenfalls nie mit Alkohol hinunterspülen: „Sie greifen ohnehin die Magenschleimhaut an. Alkohol verstärkt die aggressive Wirkung noch, was zu Magengeschwüren und Magen-Darm-Blutungen führen kann“, warnt Seifert. Besondere Vorsicht ist bei Paracetamol geboten: es kann in Kombination mit Alkohol die Leber schwer schädigen.

Die Freude am Essen muss trotzdem nicht zu kurz kommen, wie Seifert resümiert: „Häufig lassen sich schädliche Wechselwirkungen mit einigen einfachen Maßnahmen vermeiden. Wer sich zu ‚seinen‘ Medikamenten in seiner Apotheke informieren und beraten lässt, ist hier auf der sicheren Seite.“
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