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Musikalische Völkerverständigung

Montag, 02. Juni 2014, 10:23 Uhr
Anfang Mai erlebte die Klasse 5/1 des Humboldt Gymnasiums hautnah, wie Völkerverständigung in Europa funktionieren kann. Als "Weimarer Dreieckchen" waren sie Gastgeber für Schüler aus Polen und Frankreich...

Von Europa wissen sie noch nicht viel, die Fünftklässler des Humboldt-Gymnasiums. Ziemlich groß sei es, ein Kontinent, ja, und man bezahlt mit Euro, aber nicht überall. Vielmehr muss man von zehnjährigen, für die ihre Gymnasialzeit gerade erst begonnen hat, auch nicht verlangen.

Dafür hatten die jungen Europäer das Privileg, aus erster Hand zu erfahren, wie man sich über Länder- und Sprachgrenzen hinweg verständigen kann. Gäste aus dem polnischen Rabka Zdroj nahe Krakau und Oroer einem kleinen Städtchen in der französischen Picardie waren nach Nordhausen gekommen, um gemeinsam ein mehrsprachiges musikalisches Programm für den Europatag in Erfurt auf die Beine zu stellen.

Die Idee zum paneuropäischen Singen hatte der polnische Künstler Jacek Cygan. Zusammen mit dem deutschen Kinderliederstar Rolf Zuckowski und der Französin Pauline Paris schrieben er die Lieder zum Festtag. Unterstützt wurden sie dabei von der Organisation "Weimarer Dreieck".

Die Klasse 5/1 lässt die Woche mit ihren Gästen noch einmal Revue passieren (Foto: Angelo Glashagel) Die Klasse 5/1 lässt die Woche mit ihren Gästen noch einmal Revue passieren (Foto: Angelo Glashagel)

Für die Kinder wie auch für ihre Lehrer war es eine anstrengende aber spaßige Woche. Bis zu fünf Workshops am Tag wurden vom Team der Rothleimmühle organisiert. Im Losverfahren mit Farben wurde sichergestellt, das sich die Gruppen gut durchmischten. Dabei ging es aber nicht nur um Liedtexte und Programmablauf, es gab auch jede Menge Spielangebote.

Vier Damen, die sich als Komponistin, Dirigentin oder Opernsängerin in musikalischen Dingen auskennen und jeweils zwei der drei Sprachen beherrschten, sorgten für eine möglichst reibungsfreie Kommunikation in den Musik-Workshops, aber beim spielen mussten die Kinder erfinderisch sein, um sich zu verständigen. Und hierin lag auch die Herausforderung.

"Mit den polnischen Kindern konnten wir ein wenig Englisch reden auch wenn wir das selbst noch nicht so gut können", sagte Lea, "und die Kinder aus Frankreich konnten ein wenig Deutsch. Wenn das nicht geklappt hat, haben wir quasi Zeichensprache benutzt". Auch bei so alltäglichen Dingen wie dem gemeinsamen Essen mussten Barrieren überwunden werden und einige Schüler können jetzt auch ein paar Wörter französisch und polnisch.

Auftritt in Erfurt (Foto: Karin Greiner) Auftritt in Erfurt (Foto: Karin Greiner)

Auch nach dem großen Auftritt in Erfurt vor "dieser Ministerpräsidentin" will man mit den anderen Schülern in Kontakt bleiben. Antonia und Paulina haben Brieffreundschaften geschlossen und sich fest vorgenommen zu schreiben. Erst einmal nur auf deutsch. Französisch steht erst ab Klasse 6 auf dem Lehrplan. Wenn alles gut geht, dann geht das Programm im nächsten Jahr weiter und die polnischen Schüler können ihre neuen Freunde aus Frankreich und Deutschland bei sich begrüßen. Im folgenden Jahr könnte es dann nach Frankreich gehen und die Kinder hätten eine Chance, über die Schuljahre hinweg nicht nur Bekanntschaften sondern Freundschaften über Ländergrenzen hinweg zu pflegen.

"Für die Kinder war es wie ein Klassenausflug" sagte Klassenlehrerin Frau Greiner, "auch wenn wir in Nordhausen waren. Es hat unsere Klasse, die ja so erst seit diesem Schuljahr besteht, näher zusammengebracht." Aber ein Zuckerschlecken war es auch nicht. Als sich die Kinder daran erinnern, wie viel sie herumstehen mussten, geht ein Stöhnen durch die Klasse. Würde man die Idee konsequent weiterdenken, müsste man auch noch mehr Nationen einladen. Das würde dann aber ein bisschen viel werden, meinen die Schüler, den es hat so schon lange gedauert, da alles was gesagt wurde, in die jeweilige Muttersprache übersetzt werden musste. Aber auch das ist ein Stück europäische Realität.

Vom großen Auftritt in Erfurt wurde im übrigen ein Film erstellt, der bald auf der Website der Thüringer Staatskanzlei und der Organisation Weimarer Dreieck zu sehen sein soll.
Angelo Glashagel
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