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Betrachtung: Ich wähle und ich wähle…

Sonntag, 25. Mai 2014, 13:12 Uhr
Heute ist Sonntag und Wahltag. Zu wählen sind Gremien, die unterschiedlicher und weiter entfernt nicht sein könnten. Deren Wahlen sind aber für unser gesamtes Miteinander gleichermaßen wichtig und existentiell. Eine persönliche Betrachtung …


Zunächst: es ist das gute Recht eines jeden Bürgers, wählen oder auch nichtwählen zu gehen. Und ich kann auch verstehen, dass mancher nicht wählen will. Wenn es nicht aus Bequemlichkeit oder aus Gleichgültigkeit geschieht, ist das bewusste Nichtwählen auch eine wichtige Aussage. Ich habe mich aber dazu entschieden, in meinem Leben immer wählen zu gehen und hoffe, dass ich das durchhalte: wählen in der Kommune, im Freistaat Thüringen, zum Bundestag und zum Europäischen Parlament!

Es war einer unserer wichtigsten Anliegen der friedlichen Revolution von 1989, endlich freie Wahlen und freie Presse zu haben. Daher ist Wählengehen für mich heute ein muss! Das entscheidendere ist aber: Zur parlamentarischen Demokratie gehören freie, geheime und gleiche Wahlen, ohne Einschränkungen, Vorgaben und Repression, zur parlamentarischen Demokratie gehören auch eine freie Presse ohne Zensur, freie Bürger ohne Gängelei und Menschenrechte geschützt durch den Staat. Machtkonzentrationen in den Händen weniger, seien es politische, militärische oder wirtschaftliche Macht, führen immer ins Verderben.

Natürlich ist die parlamentarische Demokratie nicht die idealste Staatsform, denn auch sie wird von Menschen mit all ihren Fehlern gemacht. Aber es gibt leider noch keine bessere Staatsform. In der Schweiz kann man sehen, dass bei Volksentscheiden die Populisten und radikalen Vereinfacher (zuletzt beim Ausländerrecht) sehr schnell auch die Oberhand gewinnen können. Das ist nicht anstrebenswert.

Wie wichtig stabile akzeptierte demokratische Strukturen auch für Europa sind, kann man heute unter anderem in Ägypten, Syrien und der Ukraine erkennen, wo sich das Volk nach stabilen Strukturen sehnt. Ein einiges und stabiles Europa ist für alle Europäer und insbesondere uns Deutsche überlebensnotwendig. Von einem stabilen Euro profitieren wir Deutsche zur Zeit am meisten. Hätten wir noch die D-Mark, wären die Spekulanten an der Börse die Gewinner. Die D-Mark würde aufgewertet, deutsche Exporte verteuert und sie würden zurückgehen. Die Zahl der Arbeitsplätze würde sinken.

Nicht nur für unsere Wirtschaft und unsere Arbeitsplätze ist Europa wichtig. Die Freizügigkeit im Reiseverkehr in Europa, die zunehmenden Verflechtungen, gemeinsame Programme für Jugend und Bildung, gemeinsame soziale Standards, all das führt auch zu einer Werte- und Friedensgemeinschaft. Nach menschlichem Ermessen wird es in Europa unter den Mitgliedern der EU keinen Krieg mehr geben. Das ist das wichtigste Argument für mich, die EU zu wollen und zu stärken! Denn wie schnell aufflammender Nationalismus wieder Gewalt hervorbringen kann, sieht man in der Ost-Ukraine (u.a. in Odessa und anderswo).

Weil ich auf die Kraft der parlamentarischen Demokratie vertraue, gehe ich auch zur Wahl, wenn es um Europa geht.
Dr. Klaus Zeh

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Autor: red

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