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Der Vater des Erfolges

Freitag, 16. Mai 2014, 13:44 Uhr
Vor zwölf Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Kurbelwellenherstellers Feuer Powertrain in Nordhausen. Ohne eigenes Werk und das Vertrauen der Banken, die zunächst kein Startkapital zur Verfügung stellen wollten, machten sich Dieter Feuer und Oliver Wönnmann daran, Marktführer in Europa zu werden.

Die hochgesteckten Ziele wurden inzwischen erreicht. In Europa ist man Nummer eins, in der Welt auf Platz vier. Ohne die Hilfe eines Mannes, den Gesellschafter Dieter Feuer als "einen der Väter unserer Firma" bezeichnet, wäre das nicht möglich gewesen, sagt man bei Feuer Powertrain: der ehemalige Wirtschaftsminister Franz Schuster.

Deswegen wollten Feuer und Wönnmann den Förderer ihres Erfolges wieder einmal nach Nordhausen einladen. "In der Regel ernten Politiker nicht was sie säen" sagte Feuer "und wir wollen auf diesem Wege unseren Dank aussprechen und seine Arbeit und seinen Pragmatismus würdigen". Der Wirtschaftsminister a.D. half damals, die zögerlichen Banken von der Idee Feuers und Wönnmanns zu überzeugen, nachdem diese bereits einen Auftrag von VW an Land gezogen hatten, aber noch keine Fertigungsstätten besaßen.

Wirtschaftsminister a.D., Gesellschafter Dieter Feuer, Staatssekretärin Inge Klaan (Foto: Angelo Glashagel) Wirtschaftsminister a.D., Gesellschafter Dieter Feuer, Staatssekretärin Inge Klaan (Foto: Angelo Glashagel)

Aber Schuster förderte nicht nur, er forderte auch, berichtete Geschäftsführer Wönnmann. "Als er mich damals fragte, wie viele Arbeitsplätze bringt ihr nach Nordhausen? da sagte ich: 100. Gut, meinte er, schafft noch 25 Azubistellen dazu". Also investierte man 1,5 Mio. Euro in eine Lehrwerkstatt. Wie sich herausstellte, sollte die Forderung des Ministers wegweisend für das Unternehmen sein. Heute beschäftigt Feuer Powertrain knapp 600 Mitarbeiter, davon 50 bis 70 Auszubildende.

"Allein mit Fachkräften aus Nordhausen und Umgebung hätten wir es schon damals nicht geschafft. Die Leute aus der IFA waren ja fast alle weg." erinnerte sich Feuer. Heute sei der Arbeitsmarkt in ihrer Branche praktisch wie leergefegt, ergänzte er. "Zu meiner Zeit war es noch umgekehrt" sagte Schuster "da wurde ich sogar auf der Straße von Müttern angesprochen, die keine passenden Ausbildungsplätze für ihre Kinder finden konnten. Heute ist der Automobilbereich die größte Branche in Thüringen und die Arbeitslosigkeit hat sich halbiert"

Die Weichen hierzu seien in Schusters Amtszeit gestellt worden, ergänzte Inge Klaan, die damals von der Nordhäuser Seite ebenfalls an der Ansiedlung von Feuer Powertrain beteiligt war und heute Staatssekretärin im Ministerium für Bau und Landesentwicklung ist.

Den Mangel an Fachkräften begegnet man bei Feuer Powertrain heute wie damals mit einer Charmeoffensive. Nur kommt das neue Personal nicht mehr aus dem Westen Deutschland sondern aus Ungarn. Derzeit arbeiteten 60 Ungarn im Nordhäuser Werk und man will noch 40 weitere hinzu holen. "Das sind gut ausgebildete und hochmotivierte Leute für die es sich lohnt, hier zu arbeiten" sagte Wönnmann. Mit täglichen Sprachkursen und Hilfe bei alltäglichen Schwierigkeiten wie der Wohnungssuche, will man die Fachkräfte binden und könne so nebenbei durch Zuzug von ganzen Familien auch dem demografischen Wandel in der Region entgegenwirken. Neben der Firma muss aber auch das Umfeld stimmen. Im Zuge der weiteren Expansion denkt man daher über eine neue "Feuerland" Siedlung nach.

Auch wenn man, wenn es nötig wird, auf Leiharbeiter zuückgreifen müsse, sei es das Ziel nicht billige, sondern hochwertige Arbeitskräfte zu haben. "Gute Löhne zu zahlen bedeutet gute Leute zu bekommen und gute Leute bedeuten gute Ergebnisse" pflichtete Schuster bei.

Schuster, der Nordhausen vor zehn Jahren das letzte mal besuchte, zeigte sich nicht nur erfreut über die Erfolge der Firma die er ermöglicht hat, er zollte auch der Stadt Anerkennung, die sich grundlegend verändert habe. Als nächstes müsste das neue Industriegebiet "vollgemacht" werden, meinte Feuer. Und auch da habe man für Frau Klaan auch schon eine Idee. Das diese Geschichte ein ebenso großer Erfolg wird, wie die von Powertrain, das muss die Zukunft zeigen.
Angelo Glashagel



Autor: red

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