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Lichtblick: Mögest du immer Zeit finden...

Freitag, 16. Mai 2014, 07:00 Uhr
... für was? Für den Hausputz, für die nötigen Arbeiten im Garten, um lange geplante Dinge endlich in Angriff zu nehmen, ... Zeit ist eine so kostbare Sache. Irgendwie haben fasst alle zu wenig davon. Nur nachts hat mancher wohl viel zu viel davon, wenn man nicht schlafen kann...


Wie oft hört man „Tut mir Leid, ich habe gerade keine Zeit!“ Oft klingt darin auch die Hektik unserer Tage mit. Dabei müssten wir doch jetzt viel mehr Zeit haben. Die Tage scheinen viel länger zu sein als noch vor ein paar Wochen.

Statt dessen,sind viele getrieben, von dem, was zu erledigen ist, bevor man sich ausruhen kann.

Mir selbst geht es auch nicht anders. Auch ich habe bei weitem nicht so viel Zeit, wie ich mir wünschte. Man muss Abstriche machen und sich kurz fassen. Dabei denke ich, ist es wichtig, bei aller Hektik nicht die ruhigen oder ganz stillen Momente zu vergessen. Es sind ja tatsächlich oft „nur“ Momente, meist „nur“ ein paar Minuten am Tag, in denen man Stille hält. Still hält, um zu überlegen, was als nächstes zu tun ist. Still hält, um neue Kraft zu sammeln.

Still hält, um sich an dem zu freuen, was mich umgibt. Ich denke, dieses 'Stille werden' ist eine Gabe. Bei kleine Kindern ist diese Gabe noch ganz ausgeprägt. Sie können einfach stehen bleiben und freuen sich an einem Gänseblümchen oder einem Marienkäfer. Persönlich freue ich mich auf den jetzigen Sonntag. Da werden auch Erwachsenen wieder solch staunende Gesichter haben und Zeit finden für einen ausgedehnten Spaziergang, wenn sie zum Orchideenfest in Günserode, im wunderschönen Wipperdurchbruch, auf Wiesen voller Orchideen stehen und sich an dieser Schönheit kaum satt sehen können. Sie werden feststellen, wie wunderschön Orchideen sind, wie schön ein Spaziergang in der Sonne ist.

Verschweigen will ich aber auch die andere Seite des Stillhaltens nicht. Wir erleben auch Momente, in denen wir still halten müssen, um schwierige Situationen auszuhalten und zu überstehen. Manchmal muss man auch still halten, damit ein anderer uns etwas tun kann, damit es uns am Ende wieder besser wird. Für mich und viele andere ist es wichtig, immer wieder einmal Stille zu halten und zu bedenken, was wir haben, was für uns getan ist. Ich gebe gern zu, dass das nicht immer ganz einfach ist. Wir sind viel lieber selber in Aktion und kümmern uns um uns selber.

Dabei ist in den Wochen zwischen Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten gerade die Zeit, wo viele Christen bedenken, was für uns getan worden ist. Aus diesen Taten sammeln sie neue Kraft. Sie wissen und erleben: Gott sagt nicht „Tut mir Leid, ich habe gerade keine Zeit.“ Er nimmt sich Zeit für mich - zu jeder Zeit. Viele erleben das, wenn sie stille werden vor Gott. Andere empfinden ähnliches, wenn sie mit einer Tasse Kaffee im Garten sitzt, Kindern beim Spielen zuschauen, oder den Tag in der Sonne genießen.

Mögen Sie an jedem Tag Zeit finden, um das Angenehme zu genießen, um neue Kraft zu bekommen, um Gott zu suchen und zu finden. Ein irisches Segenswort formuliert das so: „Mögest du immer Zeit finden für einen stillen Platz an jedem Tag.“
Pastorin Steffi Wiegleb
Autor: red

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