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Ein regal aus Wasser?

Mittwoch, 14. Mai 2014, 20:43 Uhr
Im Mittelpunkt der Mai-Zusammenkunft des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins stand ein Power-Point-Vortrag über eine einzigartige Anlage im Oberharz, die im Juli 2010 vom UNESCO-Weltkomitee zum Weltkulturerbe erklärt wurde...


"Das Oberharzer Wasserregal". Weit über 40 Geschichts- und Heimatfreunde – unter ihnen auch Gäste aus Niedersachsen – lauschten im Tabakspeicher den Ausführungen von Dr. Friedhart Knolle aus Wernigerode. Auch die nnz war vor Ort...

Der studierte Geologe nahm die Anwesenden zunächst mit auf einen Geschichtsausflug, der bis in die Zeit der Nutzung der Himmelsscheibe von Nebra zurückreichte (Übergang von der Kupfer- zur Bronzezeit), wo im Harz bergbauliche Aktivitäten einsetzten. Eindeutige archäologische Nachweise lassen sich bis in das 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurückverfolgen. Im 12. und 13. Jahrnundert erlebte der Bergbau im Harz durch die Mönche des Zisterzienserklosters Walkenried eine große Blütezeit, denn sie organisierten und verwalteten die bergbaulichen Aktivitäten. Der Oberharz gehörte zu den bedeutendsten Metallrevieren in Deutschland. Abgebaut wurden Silber, Kupfer, Eisen, Blei und Zink.

Erstmals wurden zu dieser Zeit Wasserräder zur Energieerzeugung der Bergwerke eingesetzt. Die Wasserräder waren zumiest Kunsträder und wurden zum Antrieb von Pumpen genutzt. Oft musste die Kraft über große Distanzen mittels Feldgestänge übertragen werden. Die großräumige Nutzung der Wasserkraft ermöglichte den Aufschwung des Harz-Bergbaus. Schließlich wurden die Bergwerke immer tiefer und benötigten als Folge immer mehr Energie. Hin und wieder auftretender Wassermangel machte eine Erhöhung bestehender Teichdämme oder gar den Bau neuer Staudämme, Gräben und Verlängerung bestehender Grabtouren erforderlich. Im 19. Jahrhundert wurden Grabrouten noch optimiert, was bedeutet, dass Wasserläufe angelegt wurden. Die Grabentour konnte merklich abgekürzt und ein sicherer Winterbetrieb gewähleistet werden, da Wasser unter Tage nicht gefriert.

Bauanlagen, die in der Zeit von etwa 1530 bis 1864 durch Bergleute für die Erzeugung von Wasserkraft errichtet wurden, bilden heute das "Kulturdenkmal Oberharzer Wasserregal", oder auch "Oberharzer Wasserwirtschaft" genannt. Sie besteht aus 107 historischen Teichen, etwa 30 km Wasserläufen und 500 km Gräben. Teile des Kulturerbes liegen mitten im Nationalpark Harz. Beachtenswert ist zudem, dass sich in dieser Region eine seltene Flora (z.B. "Hirschsprung") und Fauna (z.B. der "echte" Flusskrebs) entwickeln konnte. Friedhart Knolle wartete mit profundem Wissen auf und "garnierte" sein einstündiges Referat mit kleinen Geschichten und Anekdoten vor allem aus seiner Zeit als Student in Clausthal-Zellerfeld. Und der reichlich gespendete Applaus der Zuhörer war mehr als verdient.

Und schließlich freuten sich die Vereinsfreunde über ein neues, junges Gesicht: Cornelia Wilhelm. Sie besuchte erstmals einen Geschichtsabend, war begeistert und trat noch am selben Abend dem Verein bei. Zudem ist sie auch politisch engagiert und kandidiert für den Kreistag und den Stadtrat von Nordhausen.
Hans-Georg Backhaus
Autor: red

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