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Lange Nächte – rauchige Tage

Mittwoch, 14. Mai 2014, 09:00 Uhr
Im Harz schnauft und raucht nicht nur die Harzer Schmalspurbahn, sondern seit einer Woche auch ein historisch nachgebauter Erdmeiler. Das Forstamt Bleicherode-Südharz beschloss aus dieser historisch, im Harz verwurzelter Köhlereitradition ein Ausbildungsprojekt entstehen zu lassen...


Nach den umfangreichen und kräftezehrenden Vorbereitungs- und Aufbauarbeiten, entzündete Herr Otto Ibe nach Köhlermeistertradition letzte Woche den Erdmeiler. Seitdem wird er Tag und Nacht durch die Erbauer überwacht. Unter Anweisung der erfahrenen Forstwirtschaftsmeister und dem Köhlermeister Ibe, der auf eine 300 jährige Familientradition zurückblicken kann, verkohlten die Buchen- und Eschenscheite zu bester Harzer Holzkohle.

Besonders die rauchigen Nächte zehren an den Kräften der jungen Männer, die sich schichtweise um die Steuerung des Verkohlungsprozesses kümmern. Das sich im Quandelschacht von oben nach unten, zur Meilersohle fressende Feuer wird durch die Erfahrung des Köhlermeisters gesteuert, indem er die Luftzufuhr regelt. Durch kreisförmig angeordnete Luftlöcher in der Meilerkrone, die mit dem Stachel hineingetrieben wurden, steuert man den Verkohlungsprozess.

Tritt weißer Qualm aus den Löchern, muss das Holz noch verkohlen, fertig ist es, wenn blauer aufsteigt. Ist der Verkohlungsprozess in dieser Holzschicht abgeschlossen, legt man 30 cm weiter unten den nächsten Lochkreis an, der darüber liegende wird mit Stübbe geschlossen. So wiederholt sich der Prozess, bis die Meilersohle erreicht ist. Die optimale Arbeitstemperatur des Erdmeilers liegt bei 350 - 500 °C, dabei bleibt lediglich das Kohlenstoffgerüst übrig.

Die Köhlermannschaft hat ständig dafür Sorge zu tragen, dass sich keine Risse in der Außenhaut des Meilers bilden, große Löcher aufreißen und die Stübbe, ein Gemisch aus Erde und Holzkohle, abrutscht. Sollte dies jedoch passieren und mit anfachendem Wind einhergehen, kann es schnell zum Meilerbrand kommen. Schnelligkeit und die richtigen Handgriffe sind von Nöten, um ein unkontrolliertes Abbrennen des Meilers zu verhindern. Permanent beißender Qualm in Augen und Nase erschwert die Arbeit besonders in den Dunkelstunden. Dreckige Kleidung und Gesichter gehören bei dieser Anstrengung zum guten Ton.

Die früheren, hauptberuflichen Köhler waren stolz auf ihre kohlenstaubgefärbten Gesichter, die vom harten Leben zeugten. Müde und erschöpft, sehen die jungen Auszubildenden die ersten Sonnenstrahlen am nächsten Morgen durch die Qualmschwaden des Meilers schimmern und freuen sich auf den Schichtwechsel, um zu duschen und den verlorenen Schlaf nachzuholen.

Das Forstamt Bleicherode-Südharz freut sich, die kommende Grillsaison durch Holzkohle höchster Güte anzuheizen und veranstaltet am Freitag den 16.05.2014 um 10.00 Uhr in Ilfeld, Ortsteil Netzkater 9 ein Meilerfest. Traditionelle Harzer Buchenholzkohle steht abgepackt in Säcke zum Verkauf an echte Grillenexperten, immer nach dem Köhlermotto „Gut Brand“, bereit.
Michael Böhme
Autor: red

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